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Tuesday, 20. August 2019
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 1878-07-12 hh:mm
5 Wochen schon kein eigentliches schönes Sommerwetter ...

5 Wochen schon kein eigentliches schönes Sommerwetter, nichts als Regen, Wind u. Kühle u. umgekehrt. Ein Wunder, daß die Liedertafel des Schubertb in Hitzing, denn doch stattfinden konnte. Trotz des anwährenden Träufeln’s war viel Puplikum zugegen, das der Musik u. dem Gesange mit aller Theilname u. Dankbarkeit folgte. Unsere Gesellschaft war auf mehreren Tischen zerstreut u. man fand es diesmal nicht einmal für notwendig, sich gegen zu begrüßen sondern lies es mehr dem Zufall u. der Notwendigkeit über, der Form gerecht zu werden. Daher mußte ich auch ganz alleine den Weg von Hitzing nach Wien machen, das mir schließlich sehr gelegen kam, da ich noch ein Abentheuer zu bestehen hatte, welches mir durch die Begleitung eines anderen sicher verdorben worden wäre.

Endlich Schlaf mit harten Träumen. Am frühen Morgen große Conferenz, die bis 2 Uhr dauerte in derselben langweilige Stimmung, nichts anregendes für den Geist, sondern nur todte Buchstabendrescherei u. dann noch die langwierige Wahl der verschied. Comite’s – rein zum nervös werden. Eine kleine Schattierung zum ewigen Einerlei sind die Damen, die man an solchen Tagen wenigstens mit Muse betrachten kann. Die hohe Regierung scheint zu sorgen dafür, daß die Conferenzen eine Maschine zur Durchführung der geplanten Uniformierung werden und möchten auch gar so gerne Herz u. Nieren prüfen.

„Ich hab halt dieses Gefühl“, sagte gestern beispielsweise ein Sterblicher u. ich hat’ auch ein Gefühl, antworte ich heute darauf; aber ein grundverschiedenes von dem einen. Zufällig erging es mir des Tags hindurch ziemlich erträglich, so daß ich abends fast heitere Laune erhielt. Durch diese wurde ich aus meiner Bequemlichkeit etwas aufgerüttelt und ich nahm Gelegenheit etwas mehr zu denken u. zu sprechen. Namentlich galt dies abends einer Frau gegenüber die stets sehr liebenswürdig und vernünftig ist, aber man wird mit ihr nicht fertig, gelangt man einmal über den Punkt des Heirathens zu sprechen.

Vom Heirathen wird übrigens in unsere Gesellschaft so viel geredet, daß es gewiß schon Löcher in den Bäuchen gibt, nur die die Notwendigkeit einer ernsten Verbindung am stärksten betonen, haben am wenigstens courage, ein Weib sich zu nehmen.

 

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