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Tuesday, 20. August 2019
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 1878-07-05 hh:mm
Jeden Tag das gleiche Geschick ...

Jeden Tag das gleiche Geschick, die gleiche Laune, die gleichen Freuden, Schmerzen, Hoffnungen u. Wünsche nur mit dem Unterschiede, daß wieder einmal alles Unangenehme in der Fluth, alles Ersehnte in der Ebbe ist. Es hält das Leben einen Vergleich mit der Politik Europas ganz gut aus. Hier u. dort Verworrenheit nebst der Suche nach Frieden, Verödetes Europa – verodeter Mensch – Hoffnungen beiderseits – aber nirgends Friede.

Auch im Berufsleben so wenig Freude bei verhältnismäßig treuer Pflichterfüllung; in der Freundschaft so wenig Herzlichkeit u. so viel eingerissene Lächerlichkeit, Gereiztheit, Fadesse u. grausame gegenseitige Antipatien. In der Liebe keinen Gegenstand der Verehrung oder vielmehr das Abhandensein jenes heiligen Sinnes, den uns Amor gegeben; in der Leidenschaft mächtig, in den Thaten so schwach; überall in Nöten, nirgend’s im Glücke. – Das ist des Lebens anerdachte schöne Herrlichkeit!

Mittwoch 5/7 eine Original Conferenz mit sympatischen u. antipatischen Leiden und epidimischen Widerwärtigkeiten, dann Umscherung der Seele zur Freude durch das erhaltene Geschenk aus Mariazell; abends bei Regen u. Wind wieder Verstimmung, etwas Anheiterung durch Gesang u. Plausch. Am 4/6 morgens Aushilfsdinier in der Lioche  und nach überstandener Mattigkeit heute im Hause endlich nachmittags süße Ruhe durch Schlaf, dann auf zum königlichen Spiele um tüchtig abgesotten zu werden; zum Schlusse sich vorgespiegelte Erholung in Wirklichkeit aber die reinste Ermüdung – das diene als Chronik.

 

 

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