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Tagebuch Sommer
2026-01-11 12:45
Überlebenstrieb
Mit diesem einen Wort ist alles gesagt und irgendwie hätte ich dieses Wort auch so stehen lassen können. Damit wäre es mir aber nicht viel besser gegangen. Wenn ich glaube, daß sich alles wieder einrenkt und mein Vater so einigermaßen gut aus der Nummer raus kommt, überkommt es mich von jetzt auf gleich und ich breche in Tränen aus. Das ist mir heute schon dreimal passiert. Gestern war es nicht viel anders und da hatte ich einen Grund mehr, in Tränen auszubrechen. Als ich auf der Intensivstation war, war mein Vater ansprechbar und er hat sich auch gefreut, daß ich da war, aber das, was danach kam, war nicht so prickelnd. Mein Vater ist so durch den Wind, das kann sich niemand vorstellen. Er hat Dinge gesehen, die nur er gesehen hat. Er war der Meinung, daß die Decke naß ist und daß jemand mit Wasser spritzt. An der Decke laufen Leute rum und das Fenster ist auch kaputt. Warum ich denn Nasenbluten habe? Ich war so erschrocken, daß ich am liebsten aus dem Zimmer gelaufen wäre. Aber das kann ich nicht machen. Ich habe meinem Vater gesagt, daß ich ihn so wie heute nicht besuchen komme, wenn er mit dem Mist nicht aufhört. Ich fahre natürlich schon hin, das versteht sich fast von selbst. Er war auch erfreut darüber, daß ich doch komme, obwohl ich vorher was anderes gesagt habe. Ich habe echt mit allem gerechnet, aber nicht damit. So was wünscht man echt keinem. Diese Aussetzer sind zum Glück nicht von Dauer. Das ist völlig normal, daß man nach so einem Eingriff verwirrt ist. Wie lange dieser Zustand dauert, konnte mir keiner sagen, weder gestern noch heute. Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Bei einem sind es nur ein paar Tage, beim andern dauert es halt länger. Das kann bis zu vier Wochen dauern. Eine Aussage, die mich auch jetzt noch in Angst und Schrecken versetzt, aber mit der es sich doch irgendwie leben läßt. Er bekommt momentan Sauerstoff, weil er schwer Luft bekommt. Und er bekommt Medikamente zur Entwässerung. Das steht auch so im Medikamentenplan. Jetzt weiß ich nicht, was für einen Medikamentenplan man auf der Station vorliegen hat. Mir ist auch gar nichts bekannt, daß er zu Hause solche Tabletten nimmt. Auf dem Medikamentenplan, der als Kopie in der Schublade liegt, steht nichts von diesen Tabletten. Im Krankenhaus wird man schon wissen, was die machen. Dafür weiß ich nicht, was ich machen soll. Ich habe zwar die Wäsche weg gemacht, die seit Mittwoch im Korb in der Küche stand, aber das war es dann auch schon. Dabei wollte ich auch die Weihnachtsdeko entfernen, die noch so auf den Fensterbänken steht. Bis jetzt konnte ich mich noch nicht dazu aufraffen. Doch irgendwann muß ich damit anfangen, das macht sich ja schließlich nicht von alleine. Ich will ja auch gleich los. Das ist alles ein Drama. Kommentare
01:22 12.01.2026
Traurig Meine Tante fing auch seinerzeit an, Leute zu sehen, die durch den Teppich hochkamen oder mein toter Vater besucht sie oder oder ... schließlich wurde sie von Nachbarn Tage vermisst und man fand sie in der Küche liegend, phantasierend, dass sie entführt worden sei. Demenzdiagnose im Kh und Umzug in ein Seniorenheim Daumendrück, dass Ihr noch weiter gemeinsam leben und wohnen könnt! Good luck!
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Sommer Online51 Jahre, DE mehr... 2026-01-11 12:45 |
