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Tagebuch Sommer
2026-01-09 12:00
Vergeigt, verkackt, versemmelt
Passender konnte ich das jetzt wirklich nicht ausdrücken, denn das ist nun mal Tatsache Meinem Vater geht es richtig schlecht. So schlecht, daß ich noch nicht mal weiß, ob er dieses Jahr überlebt. Gestern war er auf der Beobachtungsstation. Dort hat mich auch direkt die Oberärztin in Empfang genommen. Bei der Darmspiegelung hat man fest gestellt, daß ein Teil vom Darm nicht mehr durchblutet ist und das auch schwarz ist. Er müßte auch sofort operiert werden, denn sonst hat er schlechte Karten. Man hat ihn auch operiert, um 23.25 Uhr kam der Anruf vom Krankenhaus. Und das, was der Arzt mir erzählt hat, war alles andere als positiv: man hat ihm so viel vom Darm weg genommen, daß er einen künstlichen Darmausgang hat. Als man ihn auf die Intensivstation brachte, waren die Vitalwerte wohl stabil. Wie der weitere Verlauf ist, konnte mir der Arzt nicht sagen. Und was die Lebensdauer angeht, hat er keine Angaben gemacht. Oder ich habe das nicht richtig vernommen, weil ich im Halbschlaf war. Zumindestens bin ich jetzt etwas schlauer, ich habe am Morgen mit der Ärztin von der Intensivstation telefoniert. Er hat die Nacht gut überstanden, die Vitalwerte sind soweit okay. Zum Zeitpunkt des Telefonats hat er noch geschlafen, im Laufe des Vormittags will man ihn wieder aufwachen lassen. Was genau der Auslöser war, konnte mir die Ärztin auch nicht sagen. Da kam wohl alles zusammen. Es kann passieren, daß das noch mal vorkommt. Daran will ich jetzt noch nicht denken. Er muß sich jetzt erst mal von der OP erholen, alles andere ist rückt da in den Hintergrund. Die letzten Tage waren echt so heftig, das kann sich niemand vorstellen. Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit, daß das so was Großes bei rum kommt. Und das war ja noch längst nicht alles. Mein Vater hat mir gestern erzählt, daß er auch an die Dialyse muß, weil der Kaliumwert zu hoch ist. Das ist aber nur von kurzer Dauer. Warum nicht, das kann man ja mal machen. Es gibt Tage, da glaube ich echt, daß wir irgendwas verbrochen haben. Das kann doch sonst nicht sein. Natürlich hat jeder so seine Wehwehchen und daß wir alle nicht ewig leben, ist auch klar. Aber muß das wirklich so gravierend sein, daß ich das Gefühl habe, meinen Vater nicht mehr lebend zu sehen? Davor habe ich schon ein wenig Angst, wenn ich ehrlich bin. Daß der Tag irgendwann mal kommt, weiß ich selbst, aber wahr haben will ich das nicht. Zumindestens jetzt noch nicht. Doch da steckt man einfach nicht drin. Ich kann nur hoffen, daß er sich dann von den ganzen Strapazen erholt und er noch ein paar Jahre vor sich hat. Ob mit oder ohne künstlichen Ausgang, das ist dann eigentlich egal. Es íst auch niemandem geholfen, wenn ich mich jetzt ständig verrückt mache. Das ist so leicht gesagt. Heute geht es noch, weil ich im Büro bin. Aber was mache ich am Wochenende, wenn ich nicht arbeiten muß? Dann habe ich genug Zeit zum überlegen und das ist dann nicht gut. Ich muß mich halt nur ablenken, egal wie. Kommentare |
Sommer Offline51 Jahre, DE mehr... 2026-01-09 12:00 |
