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Tagebuch Sommer
2026-01-20 11:50
Von alten Zeiten und neuen Problemen

Die alten Zeiten sind seit dem 06.01. vorbei und die neuen Probleme nehmen seit dem Tag irgendwie kein Ende mehr. Mit dem Darm scheint alles okay zu sein, heute werden die Klammern gezogen. Schon mal ein Problem weniger, wenn man das so sieht. Das heißt aber noch lange nicht, daß das jetzt alles ausgestanden ist. Gestern hat mein Vater eine Bluttransfusion bekommen, weil ein Wert nicht stimmte. Stimmt der Wert heute auch nicht, gibt es noch eine Bluttransfusion. Ach ja, das Herz muß auch untersucht werden und wann das passiert, weiß ich nicht. Und da das ja alles nicht reicht, darf mein Vater irgendwann mit dem Blasenkatheter nach Hause. Das bedeutet, daß er alle 6 Wochen zum Urologen muß, damit das gespült wird. Ist das nicht schon genug, womit er sich rum schlagen muß? Müssen da immer noch mehr Sachen dazu kommen? Es sieht ganz danach aus. Ich bin natürlich froh, daß mein Vater das alles überlebt hat und ich versuche auch, das Beste aus der ganzen Sache zu machen. Das gelingt mir natürlich nicht immer, aber das ist ja auch völlig normal. Gestern hatte ich meinen ganz persönlichen Tiefpunkt und ich weiß echt nicht, wie lange ich das noch aushalte. Wenn ich nicht arbeiten müßte, wäre das noch mal was anderes. Dann hätte ich mehr Zeit und müßte mich unter der Woche nicht so abhetzen. Aber ich muß nun mal arbeiten, also muß ich das auch in Kauf nehmen, daß momentan alles drunter und drüber geht. Ich kann nur hoffen, daß das irgendwann mal ein Ende hat und wir zur Ruhe kommen. Das haben wir uns dann aber auch verdient.

Mein Vater hat sich gestern darüber beschwert, daß sein Essen püriert ist. Das sieht aus wie schon mal gegessen. Das sieht bestimmt nicht ansprechend aus, aber was will er denn machen? Er darf momentan aber nur püriertes Essen zu sich nehmen, das ist eine Anweisung. Es kommen auch Tage, da darf er wieder ganz normal essen. Vielleicht sollte er ganz einfach mal Geduld haben. Wobei das Essen im Krankenhaus auch nicht immer so der Hit ist. Aber das wird schon, davon bin ich überzeugt. Mein Vater ist heute schon gelaufen. Zwar mit dem Rollator, aber er ist ein paar Schritte gelaufen. Irgendwann muß er ja wieder auf die Beine kommen. Er vermutet, daß er noch zur Reha muß. Was das angeht, habe ich echt keine Ahnung. Vielleicht sollte ich das mal googlen. Ob ich dann aber schlauer bin, ist die zweite Frage. Mein Vater wollte mir nur nicht glauben, daß er die letzten zwei Wochen nur im Bett gelegen hat. Er ist der Meinung, ich würde ihn auf den Arm nehmen. Das fällt mir ja im Traum nicht ein. Selbst das ist an der Stelle so was von nebensächlich. Irgendwann kommen die ganzen Erinnerungen wieder.

Mein Vater ist ganz zuversichtlich, daß wir in den Urlaub fahren können. Das würde mich natürlich auch freuen, wenn ich ehrlich bin. Aber die Ereignisse der letzten Tage haben mir gezeigt, daß man das echt hinten anstellen muß. Wer weiß, was noch alles passiert. Mein Vater muß erstmal fit werden, sonst können wir das mit dem Urlaub vergessen. Doch wenn die Ärztin am letzten Freitag schon optimistisch war, kann man sich an den Gedanken echt gewöhnen. Abwarten und Tee trinken, mehr geht echt nicht. Zumindestens ist mein Vater der Meinung, daß ich nicht jeden Tag ins Krankenhaus kommen muß, ich kann auch mal aussetzen. Das kann ich aber nicht heute, denn ich muß ja sein Teilchen von der Erde aufheben, das er runter geschmissen hat. Kann er da nicht die Schwester fragen? Die macht das bestimmt, wenn er sie darum bittet. Daß das nicht ihre Aufgabe ist, ist mir schon klar, aber fragen kostet nichts. Außerdem soll ich ihm eine Limo mit bringen und ein Eis wäre auch nicht schlecht. Es gibt auch die grünen Damen, die holen ihm das bestimmt auch. Wenn man ihm schon eine Bildzeitung bringt, kann man die Limo auch bringen. Der Gang bleibt gleich, ob man nun ein Teil holt oder zwei.

Ansonsten schlage ich mich so durch. Ich weiß nicht warum, aber sowohl gestern als auch heute ist der Bus um 5.45 Uhr nicht gefahren. Gestern stand das noch groß in der App, daß der Bus ausfällt. Laut App sollte der Bus heute um 5.45 Uhr fahren, aber der Bus kam nicht. Es ist nicht gerade angenehm, wenn man über eine halbe Stunde an der Haltestelle steht und auf den Bus warten muß. Im Sommer wäre mir das vielleicht noch egal, aber bei 0 Grad ist das nicht sonderlich angenehm. Daß ich die Mail völlig umsonst geschrieben habe, war mir klar, aber das Risiko bin ich halt eingegangen. Man muß an der Stelle auch nicht erwarten, daß sich die Nachbarn mal nach meinem Vater erkundigen. Das ist doch das Mindeste, was man machen kann. Man konnte doch auch schreiben, als man am 06.01. den Krankenwagen gesehen hat. R. war sich zu fein dafür, die Biotonne an die Straße zu stellen. Wenn man sich schon so behindert anstellt, mir einen Kasten Wasser zu holen, wundert mich der Rest auch nicht mehr. Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes, aber diese Leute müssen auch mal so richtig auf die Nase fallen.

Kommentare

04:01 21.01.2026
Ihr macht viel durch zur Zeit. Aber gut, dass Dein Vater anscheinend noch zukunftsorientiert ist, auch wenn er die Geschehnisse momentan wohl nicht alle parat hat. Daumendrück, dass das wieder wird und er mit den neuen Gegebenheiten klar kommt. So wie Du auch.
Ich drücke Euch Beiden fest die Daumen!
Good luck!
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