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Tagebuch Sarabi
2024-05-22 22:07
Alles wird gut Part II
Ich sitze gerade auf meiner Couch, schaue aus dem Fenster und lausche den Geräuschen auf der Straße. Genau jetzt zu schreiben fühlt sich richtig an. Wie hat Lartox es doch gleich so schön formuliert.. „Irgendwie ist in meinen nutzlosen drei Jahrzehnten doch ein interessanter Kanal entstanden, eine Art psychische Drüse - der konditionierte Reflex, starke Gefühle durch Schriftstellerei auszuquetschen.“ Ja dann.. Ich bin inzwischen angekommen. Hier in meiner Wohnung. Es hat wirklich eine ganze Weile gedauert bis ich das hier als meinen Rückzugsort akzeptieren konnte aber je mehr ich hier vor Ort bin desto mehr wird es mein zuhause. Das Gefühl „alleine“ hier zu sein ist trotzdem immer noch ungewohnt und auch wenn ich die Ruhe langsam genießen kann fühle ich mich ohne meine Kinder nicht vollständig. Aber das ist der Pakt den ich eingehe. Einen Tag ohne kann ich mir gerade nicht vorstellen, aber die Nächte sind geteilt. Und auch sonst ist das Leben so ganz anders als zu zweit. Das ist ein bisschen, als ob man nach all der Zeit neu laufen lernen muss. Genau das hier ist völlig neu für mich. Erstaunlicherweise bekomme ich das ganz gut hin - wenn nicht gerade die vielen Zweifel hochkommen.. (Nehme ich meinen Kindern gerade eine gesunde Familienbasis? Die, die selbst mit 20 die Trennung ihrer Eltern nie so richtig verkraftet hat? Interessant. Möchte ich das Leben ohne meinen Mann als Partner? Bin ich undankbar? Schaffe ich es wirklich mein Leben wieder aufzubauen? Ist mir bewusst was da gerade wirklich passiert?) Wir haben vorerst eine gute Lösung für uns gefunden und ich bin fast dankbar um den Abstand, den wir uns ermöglichen. Klar - manchmal verfluche ich ihn auch. Die Basis ist nicht da und ohne diese tappen wir immer im dunkeln, streifen uns, halten fest, lassen los, laufen aneinander vorbei. Die Liebe ist nicht verschwunden - das ist wohl einer der Vorteile einer innigen emotionalen Beziehung (oder ggf. ein Nachteil - da bin ich mir noch nicht so sicher.) Fakt ist - so geht es nicht weiter. Denn ich blockiere und muss mich wohl der Frage stellen was ich für mein Leben möchte. Vielleicht sind wir mehr gute Eltern und müssen mal mutig sein um genau das rauszufinden. Manchmal weiß ich die Antwort schon - und dann verschwindet sie so leise wie sie gekommen ist. Und dann frage ich mich, ob sie jemals da war. Gerade kann ich das gut schreiben - denn mir geht es gut. An schlechten Tagen ist es anders. Und um ehrlich zu sein ist diese emotionale Bindung die sich über all die Jahre entwickelt hat wirklich stark. Ich versuche oft all das negative was passiert ist auszublenden, gehe in Schutzreaktionen und frage mich, wo ich meine Antworten finde. Aber wahrscheinlich bin ich ziemlich rastlos bis ich da bin, wo ich selbst hingehöre. Aber wo genau soll das sein? Die letzen Monate waren einfach unendlich hart und rückblickend weiß ich auch nicht, wie ich es geschafft habe den Jahresanfang zu überstehen. Vielleicht weil mein Mann mich nie ganz fallen gelassen hat - oder ich ihn danach nicht loslassen konnte. Obwohl beides richtig gewesen wäre. Ich war zerfressen von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln. Und selbst jetzt bin ich im inneren Kern immer noch die, die alles zerstört hat. Das mit Gefühlen und dieser besonderen Beziehung zu diesem Menschen zu rechtfertigen scheint in diesem Komplex so klein und unbedeutend zu sein. Meine Physio hat es gut ausgedrückt. Sie sagte etwas hat mich im letzten Jahr getroffen. Und das muss nichts schlechtes sein. Es war eben für mich. Und auch das ist in Ordnung. Ich lerne gerade zur Ruhe zu kommen. Und das klappt hier tatsächlich auch mal. Mein letztes Jahr war einfach Chaos. Wunderschön und chaotisch. Aber auch traurig und erdrückend. Ich glaube es war einfach alles an Emotionen dabei was das Universum zu bieten hat. Und genau das ist es jetzt, was ich brauche. Und was ich möchte. Ruhe! Ich gebe meine Sicherheit auf, um Ruhe zu bekommen. Ich möchte gerade gar nicht die Verantwortung haben, die ich sonst zu tragen hätte. Die Last auf den Schultern ist schwer geworden. Ich möchte etwas rationaler an die Dinge gehen und erstmal eine Basis für mich finden. Und dann für meine Kinder. Und irgendwann dann eines Tages wieder für eine vernünftige Beziehung. Mit welchem Menschen auch immer das dann sein wird. Nicht immer aus der Angst heraus agieren sondern aus einem gesunden selbst heraus. Ganz davon ab habe ich das Gefühl lernen zu müssen, wie das Leben so funktioniert. Ich fühle mich wie in einer Blase und ich steige gerade aus meinem wohlbehüteten Leben mal eben aus. Bin ich in den letzten zehn Jahren irgendwie älter geworden? Das was vor mir liegt ist eine Reise. Ins Unbekannte. In die Tiefe. In die guten und in die schlechten Gefühle. Es ist nicht immer alles leicht und das hat auch keiner gesagt. Man muss nur wissen, ob man bereit ist ein Teil dieser Reise zu sein. Und zu werden. Trotz all der Probleme die waren - denn man weiß am Ende wird alles gut. Und man bekommt das hin - denn das ist es wert. Es ist was besonderes. Und irgendwie ist es auch immer ein bisschen verrückt. Und manchmal auch anstrengend. Aber so ist es. Jetzt gerade wünsche ich mir Leichtigkeit. Und Ungezwungenheit. Nur Verantwortung gegenüber mir und meinen Kindern. Ich möchte den Menschen um mich herum gut tun. Mich mehr auf mein inneres konzentrieren anstatt auf das außen. Heute geht es mir gut. Und generell hatte ich im letzten Monat mehr gute als schlechte Tage. Ich lerne wieder zu leben. Fakt ist aber auch - nur ich, das liegt mir nicht. Auf Dauer möchte ich das nicht, denn ich bin ein Mensch zu zweit. Und das fehlt mir wirklich sehr. Wie viel Zeit möchte ich dem ganzen also geben? Es gibt hier wohl keine pauschale Antwort. Ohne die Liebe die mich umgibt fühle ich mich wie eine zarte Pflanze, die verwelkt. Auch da wäre ich gerne rationaler - und vielleicht gelingt genau das mir eines Tages. Aber vielleicht bin ich auch gut wie ich bin. Und irgendwie auch genug. Kommentare |
Sarabi Offline
Mitglied seit: 09.01.2004DE 2024-05-22 22:07 |
Für Dich.

Mitglied seit: 09.01.2004