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Tagebuch Sommer
2024-12-17 18:20
Sind wir noch sauber?

Wenn es darum geht, daß es mir gut getan hat, heute nicht so früh raus zu müssen, kann ich diese Frage mit einem ganz dicken Ja beantworten. Es hat schon was, daß ich die Kollegen in diesem Jahr nicht mehr sehen muß. Irgendwann muß dann auch mal gut sein, finde ich. Wenn mir der Termin im Krankenhaus in den Sinn kommt, beantworte ich diese Frage mit Nein. Das, was man im Krankenhaus gemacht hat, hätte man auch im Krankenhaus im Nachbarort machen können. Ein EKG, Blutabnahme und Blutdruck messen hätte man in dem Krankenhaus auch machen können. Es sei denn, man ist in besagtem Krankenhaus nicht für solche Sachen geeignet. Und im Aufklärungsgespräch hätte der Arzt auch nichts anderes erzählt als der Arzt, der meinen Vater aufgeklärt hat. Und der Knaller ist: am Donnerstag macht man nur die Katheteruntersuchung. Am Freitag darf mein Vater dann wieder nach Hause. Ich muß an der Stelle nicht erwähnen, daß ich mich tierisch darüber freue, daß mein Vater so schnell wieder zu Hause ist. Das versteht sich ja wohl von selbst. Dann ist der Zettel, den mein Vater von seinem Kardiologen bekommen hat, total irreführend. Aber so ist das nun mal mit diversen Vordrucken. Servicewüste Deutschland, kann man da nur sagen. Lange Rede, kurzer Sinn: übermorgen macht man die Katheteruntersuchung und dann gibt es irgendwann den Termin für die Herzklappe. In diesem Jahr passiert da aber nichts mehr. Alles andere wäre echt der absolute Wahnsinn.

Um ein Haar hätte ich mich heute aufgeregt. M. hat mir per WhatsApp gesagt, daß ich eventuell nicht alles in den Chat schreiben soll, wenn ich keine gute Laune habe. Es fällt einfach nur stark auf, daß meine Laune oft nicht gut ist und ich halt einfach oft negativ unterwegs bin. Ich habe angeboten, das Schreiben auf ein Nötiges zu beschränken, damit keiner meine schlechte Laune ertragen muß. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, ging seine Sprachnachricht so, daß es nicht darum geht, das Schreiben auf ein Nötiges zu reduzieren, es geht nur darum, daß sich die Leute runter gezogen fühlen, die sonst gute Laune haben. Ich habe es schon mal gesagt: wer mit meiner Art nicht klar kommt, soll zum Psychiater gehen. Wobei mir gerade einfällt, daß das gar nicht mal so einfach ist, denn man bekommt so schlecht einen Termin beim Facharzt. Aber jetzt mal ernsthaft: ich zwinge niemanden, im Chat zu bleiben. Ich könnte den Chat natürlich auch verlassen, aber die Blöße gebe ich mir nicht. Und wenn sich die Leute an meiner Laune stören, kann M. mich auch gern aus dem Chat werfen. Das ist nun wirklich das kleinere Übel. Und ich muß dann nicht gefühlt jeden zweiten Tag lesen, daß C. glücklich ist, sein bestes Stück zu sehen. Ich bin echt nicht prüde oder verklemmt, aber wer sein bestes Stück so in den Vordergrund stellt, mit dem kann was nicht stimmen. Aber das ist mir an der Stelle egal. In den nächsten Tagen halte ich mich aus allem raus. Ich antworte nur noch dann, wenn ich das will und das reicht. Und wenn M. das auch nicht paßt, soll er sich mal fragen, warum das so ist.

Und wenn ich schon diverse Sprachnachrichten erwähne, sollte ich auch die Sprachnachricht von R. unter die Leute bringen. Sie wollte wissen, ob mein Onkel am Samstag nach Hause kommt. Sie hat das von Nachbarn gehört. Es war wohl heute ein Pflegedienst da, der den Schlüssel bei den besagten Nachbarn geholt hat. Mein Cousine war scheinbar auch dabei. Ich weiß von gar nichts und wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich das  auch gar nicht wissen. Es kann gut sein, daß er nach Hause kommt. Gut möglich, daß man ihn im Krankenhaus wieder so weit aufgepäppelt hat, daß  er wieder nach Hause kann. Ob das aber auf Dauer gut geht, ist die zweite Frage. Es ist gut möglich, daß er irgendwann wieder so abbaut, daß er wieder ins Krankenhaus muß. Wenn dem so ist, wird er meinen Vater anrufen und sich beklagen, daß ihm irgendwas weh tut. Mein Vater wird ihm wieder sagen müssen, daß er einen Krankenwagen anrufen soll. Er kann ihm auch nicht helfen. Mein Onkel wird erneut ein Problem damit haben, die 112 zu rufen, denn er weiß nicht, was er machen soll. Aber meinen Vater kann er anrufen, das bekommt er doch auch hin. So gern wie wir helfen, aber wir sind auch nicht die Wohlfahrt. Mir ist bewußt, daß sich das an der Stelle hart anhört, aber das kann und ich will nicht ändern. Natürlich ist es traurig, daß das so weit kommen muß. Aber wir kommen alle mal in die Situation, in der man einsehen muß, daß es so nicht mehr weiter geht. Es gibt sicher auch Leute, die das nicht einsehen wollen, aber das ist dann nicht mein Problem. ich muß erstmal an meiner guten Laune arbeiten.

Kommentare

02:39 18.12.2024
Also waren die Risikogedanken ganz umsonst, erst mal
Und im Chat, wie Du schon schreibst, wer Dein Klagen nicht lesen will, muss es ja nicht
Und für den Onkel freu' ich mich erst mal. Im Krankenhaus wird über die Feiertage doch immer Klar Schiff gemacht
Good luck!
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