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Tagebuch Jacqueline82
2025-10-18 19:53
Die Regenbogenhexe, ihr schwar...
Die Regenbogenhexe, ihr schwarzer Kater und ein frecher Engel

Und wieder sitze ich auf meinem Felsen, mit Pinsel und Farbeimer. Blacky kommt gleich zu mir gelaufen und begrüßt mich mit: „Hallo Mamili!“ Ich antworte: „Hallo Blacky, schön, dass Du wieder da bist.

Doch an diesem Tag nehme ich noch etwas oder jemanden anderen wahr, eine weibliche Präsenz, ja mädchenhaft. Sie nähert sich mir und fragt: „Hey, musst Du eigentlich immer den Himmel bunt malen? Wird Dir das nicht langweilig?“ Ich antworte: „Nein, es kann nie genug Regenbögen und Buntheit für die Welt geben.“
Ich kriege ein inneres Bild von ihr, ein Mädchen, mit wirren, langen Haaren, die in alle Richtungen wirbeln, dazu am Rücken total zerfranste Flügel.
Sie nähert sich meinem Eimer und fragt spöttisch: „Und was wäre, wenn ich Dir jetzt den Eimer vom Felsvorsprung stoßen würde?“ „Das geht nicht, ich halte ihn ja fest. Außerdem ist das ein Zauber-Eimer, der sich automatisch wieder auffüllt, der wird niemals leer.“ „Hm, schade! Weißt Du, ich habe auch magische Fähigkeiten, ich kann Dir Deinen Pinsel verschwinden lassen, indem ich so einen starken Wind herbeirufe, der Dir den Pinsel aus der Hand weht.“

Blacky neben mir knurrt bedrohlich. Sie nähert sich ihm und sagt mit süßlicher Stimme: „Mau mau Kätzchen, Dich hab ich ja noch gar nicht bemerkt. Sie mal an, Du bist schwarz wie die Nacht. Wie passt denn das zusammen, mit dem bunten Farbenmeer? Hättest Du nicht Lust, ein Bad in den bunten Farben zu nehmen? In den schönen Eimer würdest Du genau reinpassen. Etwas mehr Farbe würde Dir gut stehen.“
Jetzt ist Blacky richtig wütend. Aber sie packt ihn und fliegt mit ihren zerfransten Flügeln in die Höhe, in Richtung Eimer. „Braves Kätzchen!“, flüstert sie, doch da beginnt sich Blacky zu wehren, kratzt sie und beißt, kann gerade noch dem Farbeimer entkommen, landet auf meiner Schulter. Und das freche Engelmädchen mit den zerfransten Flügeln? Es legt einen Sturzflug hin, und dreimal dürft Ihr raten, wo sie gelandet ist. Genau, in dem Eimer mit den Regenbogenfarben.

Ich kann mir das lachen nicht verkneifen und jetzt bin ich auch mal spöttisch: „Na? Bist wohl Weltmeisterin im Sturzflug wie?“ Jetzt ist sie richtig wütend, sitzt noch immer in dem Eimer und spritzt mit den bunten Farben durch die Gegend. Ich muss noch mehr lachen und sage: „Hey ist Dir grade nicht bewusst, was Du da tust? Du verteilst überall bunte Farbe, obwohl Du zuerst gemeint hast, das wäre ja langweilig.“ „Ach halt doch den Mund, Du Regenbogenhexe, mit dem schwarzen Kater auf der Schulter. Hol mich besser da raus!“
Knurrend sagt mir Blacky ins Ohr: „Hol sie da raus, dieses Wesen ist doch viel zu schade für die schöne Farbe.“ „Hast Recht, mein Schöner.“, erwidere ich und bitte Blacky, meinen Pinsel einstweilen festzuhalten.
Als sie heraussen ist, schüttelt sie sich, sodass wieder Farbe durch die Gegend spritzt. Ich kann mir einen weiteren spöttischen Kommentar nicht verkneifen und frage: „Bist Du nun ein Engel, oder ein Hund, weil Du Dich so schüttelst?“ „Sei nicht so vorlaut, Hexe! Du weißt, ich habe auch Zauberfähigkeiten. Dein Pinsel ist schneller weg aus den Tatzen Deines Katers, als Du das Wort Katze aussprechen kannst!“ „Wer da vorlaut ist. Du hast doch angefangen! Austeilen kannst Du, aber nicht einstecken!“, erwidere ich.
Sie holt einen kristallenen Zauberstab heraus, hält ihn gegen den Luftstrom und murmelt etwas. Doch es passiert nichts.
Doch die Stille war nur trügerisch. Auf einmal kommt der Wind so gewaltig geblasen,. Blacky schafft es gerade noch, mir den Pinsel in die Hand zu geben, aber kurz darauf reißt der Wind mir mein Werkzeug aus der Hand und er ist weg. „So, Hexe, was machst Du jetzt? Jetzt ists vorbei, mit bunten Regenbögen. Sieh nur, wie ich aussehe! Schrecklich! Und von meinen Flügeln ist fast nichts mehr übrig, nur noch ein paar einzelne Federn!“

Der bedrohliche Wind ist abgeflaut. Ich rufe Blacky und der kommt traurig miauend zu mir gelaufen. Vom anderen Ende des Felsens beobachtet das Wesen, was nun geschehen würde. Erstmal tröste ich Blacky und sage: „Wir finden schon eine Lösung.“ Erschöpft legt er sich auf den Felsen neben mich.

Ich tauche meine Finger in die Farbe und lasse sie auf den Himmel tropfen. Nur eine Notlösung, aber besser als nichts.
Plötzlich ertaste ich etwas weiches, längliches im Eimer, eine Feder, von dem frechen Engelmädchen. Ich nehme die Feder an ihrem Kiel und verwende nun sie als Pinsel. „He, was fällt Dir ein? Diese Feder ist von mir, Hexe!“, ruft sie und segelt mit ihrem letzten Rest Flügel zu mir, doch Blacky erhebt sich und springt ihr mit voll ausgefahrenen Krallen auf die Schultern und seilt sich mit den Krallen am Rücken ab. Die dünnen, feinen Kleider des Engelmädchens sind dadurch hinten zerrissen und die Haut zerkratzt.

Sie lässt sich auf den Felsen fallen. „Was soll nun aus mir werden? Ich armes Wesen? Und das alles nur, wegen Deinem dummen Eimer! Von wegen Du willst positive Energie durch Regenbögen verbreiten! Du und Dein Kater sind durch und durch böse!“ Blacky knurrt wieder. „Lass sie reden, Blacky, irgendwann kommt sie hoffentlich noch zur Vernunft. Ich nutze einstweilen weiter die Feder, merke aber, dass damit keine so gute Energie verknüpft ist. Die Farben wirken verwaschen und fallen nicht mehr so schön. Ich schmeiße ihr die Feder hin. „Du bist eine Schande! Ich kann kaum glauben, dass Du ein Engel bist!“, schimpfe ich. Sie seufzt: „Ich wollte mal ein bisschen anders sein, als die anderen Engel. Ich wollte mal wissen, wie es ist, sich von einer düsteren, dunklen Seite zu zeigen, vor allem bei den Menschen, die machen eh so viel kaputt!“ Ich antworte: „Ah, jetzt beginne ich zu verstehen. Du hast begonnen, Ablehnung gegenüber den Menschen zu entwickeln und deshalb bist Du so geworden.“ Sie nickt nur und ich stelle die Frage, die mir schon lange auf der Seele brennt: „Wie ist eigentlich Dein Name?“ „Sintija.“, sagt sie halblaut.

„So, liebe Sintija, wie lösen wir jetzt unser gegenseitiges Desaster, was Du selbst angerichtet hast? Ich hätte eine Idee, wie ich Dir helfen könnte, aber ich müsste sicher sein, dass ich meinen Pinsel wieder bekomme.“ „Da bin ich ja mal gespannt, Hexe!“, antwortet Sintija skeptisch.“ „Werd nur nicht wieder vorlaut.“ Meine Stimme ist mahnend, aber ruhig. Sintija atmet tief durch und fragt: „Okay, wie lautet Dein Plan?“ „Den führe ich nur aus, wenn Du mir danach wieder meinen Pinsel beschaffst, ich gebe Dir den Vertrauensvorschuss. Und merke Dir ein für alle Mal, es sind nicht alle Menschen böse und schlecht.“ Sintija nickt nur und fragt: „Sag mir, wie es jetzt weitergehen soll.“ „Komm her und stelle Dich mit dem Rücken zu mir hin.“, befehle ich. Als sie vor mir steht, reibe ich ihr den Rücken mit der bunten Farbe ein. Dort wo einst die Flügel waren, zeichne ich mit meinen Fingern Striche. „So, und jetzt gib mir Deinen Kristall-Zauberstab.“, sage ich. Sintija zögert, gibt ihn mir aber dann doch. Ich verstreiche die Farben auf ihrem Körper mit der Spitze des Zauberstabs und stelle mir dabei vor, wie sie neue Kleider und Flügel bekommt. Ich beende die Aktion, indem ich noch ein paar Farbspritzer verteile.
Der Zauberstab sprüht Funken. „Das prickelt und kribbelt am Körper und da wo die Flügel waren. Was ist das?“, fragt Sintija und windet sich. Dann holt sie einen kleinen Spiegel aus ihrer Tasche und betrachtet sich. Jetzt trägt sie ein neues Kleid in den schönsten Regenbogenfarben, und ihre Flügel sind weiß. „Oh!“, haucht Sintija.
„Und nun bist Du dran. Mach, dass mir der Wind den Pinsel zurückbringt.“ Sintija, ganz sprachlos und handzahm, nimmt ihren Zauberstab, hällt ihn wieder gegen den Luftstrahl, murmelt etwas, es klingt freundlich, und da plötzlich kommt wieder Wind auf. Plötzlich fällt mir der Pinsel vor die Füße. Blacky hebt ihn mit dem Maul auf und gibt ihn mir. Nun ist auch Blacky wieder glücklich und sagt: „Jetzt kannst Du wieder Regenbögen an den Himmel malen und bunte Tropfen auf die Erde regnen lassen, die zu bunten Blumen werden.“

Sintija sitzt noch immer am anderen Ende des Felsens. Und während ich wieder meiner Arbeit nachgehe, beobachtet Blacky Sintija und fixiert sie, als würde er auf etwas warten. „Komm her, Kater, was willst Du noch von mir?“ „Ich habe einen Namen!“, murrt Blacky in ihre Richtung und bleibt stur neben mir sitzen. „Okay, Blacky, was willst Du von mir?“ „Es fehlt noch etwas!“, faucht er in ihre Richtung. „Was denn? Sie hat ihren Pinsel, ich neue Kleider und Flügel. Ist doch alles in Ordnung wieder.“ „Es fehlt noch etwas!“, wiederholt Blacky und weiter: „Es ist ein Wort, fängt mit E an und hört mit g auf.“
Jetzt springt Sintija auf und kommt zu uns herüber. „Entschuldigung! Hast Du das gemeint, Blacky?“, der nickt nur. Sintija fällt mir um den Hals und dann streichelt sie Blacky. Schließlich sagt sie: „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen! Könnt Ihr meine Entschuldigung annehmen? Und ich bin dankbar, denn ich bin jetzt rundum erneuert. Danke, danke, danke!“
Jetzt fließt so viel Wärme aus Sintija‘s Worten, dass wir, Blacky und ich uns einig sind, die Entschuldigung anzunehmen.

17./18.10.2025

Nachwort:
In einer dritten Geschichte werde ich mich vielleicht nochmal Sintija widmen, um mehr über sie zu erfahren. Sie als junger Engel ist ein spannender Charakter, finde ich halt.

Kommentare

02:16 20.10.2025
Schöne Geschichte
Good luck!
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10:33 19.10.2025
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