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Tagebuch Itsme
2025-08-02 17:16
Auf den letzten Tropfen Reserve

So langsam stoße ich echt an die Grenzen meiner Kraft.

Und das trotz all der lieben Leute um mich rum, die sich echt kümmern und nach mir sehen.

Gestern haben die Arbeiter den Aufzug soweit fertig gebracht. Jetzt beginnt das lange, hoffnungsvolle, in deutscher Manier aber wahrscheinlich seeeehr lange Zeit vergebliche Warten auf den TÜV, der sein Ok geben muss und dann endlich endlich endlich!

Komm ich mal wieder auf eigenen Rädern selbstbestimmt und dann, wenn ich es will aus dem Haus. So lange, wie ich es will. Mit dem Equipment im Rollirucksack, das ich dabei haben will.

Nicht definiert durch Andere, mögen sie auch noch so liebevoll und fürsorglich sein.

Ich bin ja sehr sehr dankbar, dass ich echt viele solcher Menschen habe in meinem Leben und dass auch meine Krankheiten und mein Eingeschränktsein da nichts dran geändert hat all die langen Jahre schon.

Ich bin wirklich sehr sehr dankbar darum.

Nur bin ich halt auch angewiesen auf und damit abhängig von und damit "fremdbestimmt und fremdgesteuert".

Mein Leben ist das dadurch in weiten Teilen einfach nicht mehr. Ich komme mir oft genug wie ein abgenagtes Stück Knochen vor, zwar noch vorhanden und gegenständlich Raum einnehmend, aber "eigentlich" unnütz und "kann weg".

Naja, und einfach die gar so heftigen und nachaltig wummernden Schmerzen im wirklich ganzen Körper nach der Treppenbewältigung am Donnerstag tragen zum allgemeinen Weltschmerz mit Fluchttendenzen natürlich einen ganz großen Teil bei.

Hilft alles nichts, ich muss mich ja daran gewöhnen und mir Möglichkeiten erarbeiten, trotzdem noch Lebensqualität zu generieren. Sonst macht das keinen Sinn mehr, weiter auszuhalten und mich abzuraufen damit.

Was mir Sorgen macht ist, dass ich seit ein paar Tagen deutlich merke, wie meine "Helferemotion" Wut immer dünner wird und der eigentlich darunterliegenden Depression immer mehr Raum gibt. Langsam hab ich Tendenzen, gar nicht mehr raus zu wollen. Ist immer ein schlechtes Zeichen und habe ich zwar erwartet, aber ich habe dem auch nichts mehr entgegenzusetzen. Wenn der Aufzug dann tatsächlich wieder geht, muss ich mir meine Lebendigkeit erst wieder zurückerobern. Und "erobern" heißt dann auch tatsächlich "Krieg". Innerbetrieblich natürlich "nur", aber grade deshalb lebensentscheidend.

Eigentlich reichen mir 60 Jahre in diesem sich allem verweigernden Körper, der nur Schmerz als Antwort auf alles hat, längst.

Ich wünsche mir schon lange einen neuen Trend in Deutschland : In Ruhe sterben dürfen, ganz normal und ohne diese vielen, aufgebauschten moralischen Anhängsel dran.

 

Kommentare

02:46 06.08.2025
Von Tschaikowsky gibt's eine Symphonie mit Kanonendonner Und auch viel Wildes gibt's in der Klassik
Aber zum Einschlafen sind ruhige Klänge wohl grundsätzlich doch besser
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09:34 05.08.2025
Danke dir fürs Daumen drücken!
Mal ein Film mit einer prima Lebensbeendigung find ich eine wohltuende Alternative! Nur die Musik würde mich wohl eher abschrecken, bin eher Fraktion bissl wild.
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03:49 03.08.2025
Im Zukunftsdystopie-Film "Soylent Green" gab es eine wunderbare Lebensbeendigungssequenz mit Edward G. Robinson, mit Naturfilmkino auf großer Leinwand und schönster Musik von Beethoven, Tschaikowsky und Grieg. So wird's wohl nicht kommen, aber ja, hoffentlich irgendwie easy.
https://youtu.be/hKndJzCKKcE?si=WwveeGF2ok5CEWbA
Aber vorher, wie auch immer, Daumendrück für noch viel Schönes!
Good luck!
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