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Tagebuch Doc12
2010-12-12 08:05
Der weinende Clown - 137
Kaum drei Wochen waren vergangen.

Sarah, Bruno und Karsten saßen eben beim Abendessen, als es an der Wohnungstür läutete. Sarah öffnete. Donatello und Margareta standen draußen und strahlten.
„Was ist denn mit euch los? Ihr grinst ja wie zwei Honigkuchenpferde“, begrüßte Sarah die beiden. Karsten war außer sich vor Freude, stand auf, sprang seinem
großen Freund entgegen und begrüßte ihn überschwänglich.
„Es gibt Neuigkeiten, die wir euch unbedingt erzählen müssen“, sagte Donatello, nachdem sich Karsten wieder etwas beruhigt hatte und zwinkerte Sarah dabei zu.
„Na, dann kommt mal rein, ihr zwei Hübschen.“

Als beide nach der ausgiebigen und herzlichen Begrüßung endlich saßen, fragte Sarah: „Und? Was gibt es denn für tolle Neuigkeiten, die ihr unbedingt loswerden müsst?“
„Wir werden heiraten“, sagte Donatello.
„Kriegt ihr dann auch Kinder?“, fragte Karsten etwas vorlaut, doch niemand ging auf seine Frage ein.
„Ihr werdet was? Du machst Witze!“ Bruno war völlig perplex und sah ihn mit offenem Mund an.
„Als Clown bin ich vom Beruf her zwar witzig, aber heute mache ich mal eine Ausnahme“, antwortete Donatello und lachte.
„Doch, wir werden heiraten“, wiederholte Margareta.
„Aber ihr kennt euch doch erst knapp vier Wochen! Glaubt ihr, dass das gut geht?“ Bruno schüttelte den Kopf.
„Ab einem gewissen Alter muss man sich die Dinge nicht mehr so lange überlegen – man hat dann schneller den Durchblick“, wandte Margareta ein und fuhr fort: „Wir haben in den letzten Wochen festgestellt, dass wir unheimlich viel gemeinsam haben und auch die Wellenlänge absolut stimmt. Und das ist mir mit einem Mann nur selten im Leben passiert. Wir haben übrigens alles bereits organisiert.“

„Margareta hat den Durchblick, Margareta hat den Durchblick, Margareta hat den ...“, krähte Karsten.
„Karsten! Sei still, fall den Erwachsenen nicht immer ins Wort und iss endlich deinen Teller leer!“, wies Sarah ihren Sohn scharf zurecht. Der Junge, der diesen Ton von seiner Mutter kaum gewöhnt war, schwieg sofort, bekam einen roten Kopf und stocherte wieder lustlos mit der Gabel in seinem Teller herum.

„Ja – aber ...“ Bruno wollte etwas entgegnen, als ihm Sarah ins Wort fiel: „Mein lieber Schatz, die beiden sind alt genug, um das selbst zu entscheiden, meinst du nicht auch?“
„Vielleicht sind sie schon zu alt und leben in Wahnvorstellungen“, bemerkte Bruno mit einem sarkastischen Unterton in der Stimme und grinste dabei.
„Was heißt hier zu alt? – du bist doch auch nicht viel jünger – und schöner wirst du auch nicht“, wandte Margareta ein und sah Bruno mit zusammengekniffenen Augen an.
„Eins zu Null für dich“, erwiderte Bruno nur und lachte.
„Eigentlich wollten wir euch ja was fragen“, mischte sich Donatello in das Gespräch.
„Und was?“, fragte Bruno.
„Ich mach’s kurz: Macht ihr beiden unsere Trauzeugen?“
Sarah und Bruno sahen sich kurz an, dann meinte Bruno: „Ihr wollt also allen Ernstes, dass wir euer Unglück bezeugen?“ Lachend fuhr er fort: „Aber hallo – ist doch klar, dass wir das machen. Aber nur unter einer Bedingung.“
„Und die wäre?“
„Dass ihr beiden unsere Trauzeugen seid“, sagte Sarah und zwinkerte Bruno zu.
„Mama mia, eine grandiose Idee – dann bleiben wir einander wenigstens nichts schuldig“, rief Donatello, klatschte sich auf die Oberschenkel und grinste über beide Ohren.
„Und weil wir schon gerade dabei sind, können wir ja ganz offen reden: Ich bekomme ein Kind“, meinte Bruno und versuchte dabei, möglichst cool zu wirken.
„Unglaublich! Wirst du Vater oder Mutter?“, frotzelte Donatello.
„So genau habe ich mich noch nicht entschieden“, entgegnete Bruno lachend und kratze sich am Kopf. „Aber ich denke, das wird sich im Lauf der nächsten neun Monate regeln.“
„Ich möchte ein Schwesterchen“, rief Karsten dazwischen.
„Ich tu, was ich kann“, entgegnete Sarah lachend und strich dem Jungen sanft über das Haar.
„Ist das wirklich wahr?“, griff Margareta das Thema wieder auf und fügte zu Bruno gewandt verwundert hinzu: „Ausgerechnet du! Du wolltest doch nie Kinder, hab ich Recht?“
„Die Zeiten ändern sich eben.“
Margareta stand auf und nahm Sarah in den Arm. „Herzlichen Glückwunsch,
Kindchen – du glaubst gar nicht, wie ich mich für euch freue!“
„Wenn es ein Junge wird, dann werde ich Taufpate!“, rief Donatello begeistert.
„Und wenn es ein Mädchen sein sollte, dann bin ich die Taufpatin“, konterte Margareta.

Sarah räumte den Tisch ab und unterbrach die Diskussion. „Prima – und nachdem wir jetzt das Geschäftliche geregelt haben, eine ganz andere Frage: Wie wär’s mit Kaffee?“
Beide bejahten.
„Wann soll eure Hochzeit denn sein?“, wollte Bruno wissen.
„Schon ziemlich bald.“
„Was heißt ziemlich bald?“
„Nächste Woche. Freitag und Samstag. Freitag Standesamt, Samstag Kirche.“
„Und dann geht’s ab in die Flitterwochen – wobei es genau genommen nur eine Flitterwoche ist“, ergänzte Margareta.
Bruno schüttelte den Kopf und grinste. „Ihr hättet in Las Vegas heiraten sollen – da wär’s noch schneller gegangen.“
„Nein, Margareta und ich fahren anschließend eine Woche nach Italien. Ich war schon lange nicht mehr dort und möchte ihr meinen Geburtsort zeigen“
„Damit sie sieht, wo all das Elend begann“, erwiderte Bruno lachend.
Sarah sah Bruno tadelnd von der Seite an. Er bemerkte es und meinte entschuldigend zu ihr gewandt: „Schatz, du weißt doch: Ich bin Komiker und meine Scherze sind manchmal etwas derb, aber Donatello weiß ja, wie ich’s meine.“
„Er darf es“, bestätigte Donatello.
„Warum fahrt ihr denn nur eine Woche weg?“, fragte Sarah.
„Weil wir anschließend meine Wohnung renovieren wollen und gleich danach kommt der Umzug – Doni zieht zu mir“, antwortete Margareta.
„Stimmt – Ehepaare leben in der Regel zusammen“, bemerkte Bruno grinsend.
„Du bist heute unmöglich drauf, weißt du das?“ Sarah sah ihn vorwurfsvoll an, doch sie lächelte dabei.
„Ich weiß, mein Schatz. Aber manchmal brauch ich das.“ Um das Gespräch auf ein anderes Thema zu bringen, meinte Bruno: „Übrigens könnt ihr bei der Renovierung mit meiner Hilfe rechnen, ganz klar.“
„Du willst dabei helfen? Du als Schriftsteller hast doch zwei linke Hände! Du bist doch ein reiner Schreibtischtäter und schwebst geistig in höheren Regionen“, wandte Margareta ein.
„Das glaubst aber auch nur du. Erstens bin ich gelernter Handwerker und zweitens ist mein Realitätssinn durchaus noch in Ordnung, auch wenn ich manchmal einen etwas weltfremden Eindruck mache.“ Bruno grinste.
„Na – da bin ich mal gespannt“, meinte Margareta.
„Lass dich einfach überraschen. Teppichboden legen und tapezieren sind zwar nicht unbedingt die Hobbys, die ich jeden Tag ausüben müsste, aber ich glaube, ich bekomme das hin.“

Die Freunde saßen noch lange zusammen, plauderten über alles Mögliche und trennten sich frohgelaunt und nicht mehr ganz nüchtern erst weit nach Mitternacht.

Kommentare


unbekannt
19:28 12.12.2010
Da muss der Gesetzgeber doch etwas unternehmen!*kreisch*

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2010-12-12 08:05