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2010-08-25 10:52
Nadia - Etwas ganz Besonderes...

Über  Nadia kann man denken, was man will. Entweder ist die Tatsache, dass sie in meinem Leben existierte ein einziges Zeichen von Armseeligkeit - oder aber sie ist, das, als was ich sie sehe: Ein außergewöhnlicher Mensch, der auf außergewöhnliche Weise in mein Leben trat und außergewöhnlich wieder daraus verschwand.

Kennengelernt haben wir einander auf höchst spektakuläre Weise. Damals war das Internet eine kleine Sensation und der Computerraum meiner Schule war jede Pause und/oder Freistunde brechend voll.

Ich besaß damals eine außergewöhnliche Macht an meiner Schule. Von 600 Schülern war ich einer der Magischen Sechs: Schüler mit vollen Internet-Rechten, was bedeutete, dass die Kids zu mir aufsahen, weil ich ihnen den Weg in Alice's-Wunderland (was damals noch AOL hieß und an unserer Schule keine Verwendung fand) eröffnen konnte.

Mich reizten damals weniger die IRC-Chatrooms, die es zwar schon gab, noch die Siebtklässlerinnen, die mich anschmachteten. Ich war achtzehn und es ging mir gut - aber unter 15 sollte Sie besser nicht sein (wohin das führt hatte ich bei einem Kamerad aus den Magischen Sechs gesehen, der heute wegen Verführung Minderjähriger vorbestraft ist - auch, wenn sie heute beide mehr als volljährig sind und ihre Ehe mit zwei Kindern gekrönt haben, so ist nunmal diese Welt).

Was mich reizte, waren die wie Pilze aus dem Boden schießenden "Erlebnis"-Chatrooms der TV-Sender und Radiostationen. Und in einem begegnete "Der Meister" jeder Menge interessanter Mädchen - und Aidan, einem Menschen, mit dem ich mich super gut unterhielt, auch, wenn er sich hinter dem Namen der männlichen Hauptfigur eines Romans, den ich zu dieser Zeit las, verbarg.

Als ich das irgendwann erwähnte, rollte sich Aidan lachend auf dem Boden und meinte, ich solle die Buchstaben mal umdrehen. Erst da begriff ich, dass ich sechs Wochen lang intensive Gespräche mit einem tollen Mädchen geführt hatte. Irgendwie war ein Damm gebrochen und unsere Gespräche intensivierten sich dadurch noch. Nadia und ich begannen, uns auch Briefe zu schreiben und E-Mails. Und schließlich entschieden wir, dass es Zeit sei, uns zu treffen.

Zu Ostern hob ich also eine größere Summe Bargeld von meinem Konto ab, schenkte mir selbst eine Fahrkarte nach Luzern in der Schweiz und freute mich sehr darauf, die erste Frau in meinem Leben zu treffen.

Es mag manchen Leuten wie eine Schwäche vorkommen, für das Erste Mal 1200 Kilometer zu fahren, aber ich wusste einfach, dass es das wert sein würde...

Am Ostersonntag also ging ich zunächst mit meinem Vater noch zum Osterfeuer, welches in unserem Dorf quasi direkt gegenüber brennt in einer alten Kiesgrube, welche mit dem Aushub aus dem Bau der Ortsumgehung befüllt wurde. Solche Abende sind bei uns ein Selbstläufer gewesen zu dieser Zeit. Wir sind hinaufgegangen, haben zwei Bier bestellt (ich habe bezahlt) und kaum, dass wir sie halb geleert hatte, kam irgendein Bekannter dazu. Mein Vater organisierte die zweite Runde (also drei Bier jetzt) und kaum dass wir sie angesetzt haben, wuchs die Runde erneut und der Dritte im Bunde bezahlte die nun auf fünf oder sechs angewachsene Runde. Kurzum, ich habe in meinem Leben nur ein einziges Mal den Arsch voller gehabt, als an verschiedenen Ostersonntagen - und dieser war besonders schlimm. Ich weiss nicht, ob es einfach besonders gut lief, an den Kurzen lag, die zusätzlich die Runde machten oder schlicht daran, dass mir im Stillen ein wenig die Düse ging, denn am nächsten Morgen um acht würde ich den Zug besteigen und den weitesten Trip meines bisherigen Lebens als Alleinreisender antreten.

Jedenfalls kotzte ich mir morgens um drei die Seele aus dem Leib und quälte mich echt zerschlagen aus dem Bett um sechs. Nicht nur, um die Spuren meines Exzesses ausreichend zu beseitigen und mich einigermaßen sauber fühlend und mit etwas (jede Menge hätte mein angeschlagener Magen mit boshaftem Grinsen kommentiert) Kaffee die Augen weit genug geöffnet, dass ich den Bahnsteig finden würde, sondern auch, um noch etwas mit meinen Eltern zu plaudern und mir nochmal viel Spaß wünschen zu lassen. Mein Vater hatte dieses verhohlen stolze Funkeln in den Augen. Irgendwie war ihm klarer als meiner Mutter, wohin mein Trip führen würde - sie hingegen war einfach schadenfroh über meinen ausgesprochen wilden Kater.

Ich gebe zu, das erste Mal Umsteigen hätte ich verschlafen, wenn der Bahnhof keine Endstation gewesen wäre. Das ist auch einer dieser Zufälle in meinem Leben, dass bestimmte Ereignisse vom Universum auch unter denkbar schlechten Umständen erzwungen werden.

Schließlich, während der Reise im ICE ausgeschlafen und den Alkohol ausgeschwitzt, erreichte ich Luzern.

Ich erlebte eine wunderbare Woche, welche für mich mehr als nur ein wenig Urlaub war und die ich als Mann beendete.

Nadia war ein Traum, in vielerlei Hinsicht. Besonders Erwähnung soll im Öffentlichen Bereich noch finden, dass es für sie nicht nur selbstverständlich war, dass ich als der Mann ihren Wagen fuhr in dieser Woche, sondern auch, dass sie eine gute Stunde vor mir aufstand, um mit dem Fahrrad den Berg hinab zum Bäcker zu fahren um Brötchen zu holen, nur um mir danach frisch geduscht und gestylt das Frühstück ans Bett zu bringen. Beinahe war ich überfordert damit, dass sie all dies von sich aus tat... und doch erschien es mir als das Natürlichste von der Welt...

Kommentare

12:11 27.08.2010
*g
auf fortsetzung wart
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unbekannt
21:29 25.08.2010
Damals war eh alles besser *erwähn*.

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13:36 25.08.2010
klingt gut, find ich
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11:00 25.08.2010
Klingt ein wenig wie eine Geschichte. :) Und weiter?
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2010-08-25 10:52