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Tuesday, 14. July 2020
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 1878-06-20 hh:mm
Fronleichnamstag...

Wie hab ich mich nicht immer in meiner Kindheit und Jugend auf den Frohnleichnamstag gefreut! Wie oft band ich Blumen und Kränze zum Schmucke der Altäre & Bilder, und erst das Beschauen des Umzugs, der weißgekleideten Mädchen, die wir Buben in unserer neuen, doch schon wieder abgeschmierten Toilette beneideten als wären sie lauter Königinnen. Ja noch in Wien in den Jahren 68 und 69 freute ich mich dieses Tages mit Tausenden, welche den Prunk des Hofes, der bei diesem Feste entfaltet wird, mit verschlingenden Blicken anstaunten.
Heute bin ich um diese Freude ärmer geworden und dieser große Reichthum der kindlichen und jugendlichen Seele ist versiegt; ein schönes Stück Poesi ist geschwunden und hat der Leerheit Raum gemacht.

In meinem Berufe läge zwar ein schöner, erhabener Gedanke aber er wird durch die egoistische Wirklichkeit viel geschmälert. Es gehört viel Liebe und Kraft und Ausdauer und noch mehr Geduld dazu denjenigen gerecht zu werden, die das Irdeal unseres Berufes verhüllen und einkerkern. Ein großer Theil von Berufsgenossen verdirbt die Liebe zur Arbeit durch fortgesetztes dominieren, raisonieren und besser können wollen, ein anderer Theil durch die Unfähigkeit einer vorurtheilsfreien Beurteilung der Leistung eines Genossen.
Nur die Befriedigung, mit welcher man seine Erfolge selbst überschaut, gibt weiter zur Wirksamkeit Kraft. Niergend's aber findest du Belobung, Ermunterung, Anregung oder gar Beifall und was du vollkommen erreicht, das wird durch die Unterlassung einer Kleinigheitskrämerei in Schatten gestellt. Ja, wenn die Köchin ihr Kochbuch recht rein geschrieben und genau verzeichnet, was sie jeden Tag gekocht hat, dann ist sie gewiß eine gute Köchin, sagen die – Thoren. Neffe geht morgen aus dem Spital.

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