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Tagebuch Smartin
2015-12-23 10:34
Sternenkinder 3

Auch wenn ich nicht bei ihr sein konnte, dachte ich ok, jetzt heißt es zähne zusammen beißen und durch. Um so schneller ich wieder Gesund bin um so schneller kann ich mich um meine Tochter kümmern. Zum glück war diese nur drei Tage im Krankenhaus. Mein Freund hat sich dafür keinen Urlaub genommen, sondern die Mutter da übernachten lassen. Wir haben von allen Seiten unterstützung bekommen, da Mia so viele Omas hat war das eigentlich kein Problem, leider war sie dann fast jeden Nachmittag bei einer anderen Person, ich habe so oft mit bekommen, dass er sich ruhe gönnen konnte, mehrmals die Woche... mag sein das das egoistisch ist, aber hätte er nicht da schlafen können bei ihr im Krankenhaus? Hätte er diese Zeit nicht wenn er schon nicht bei ihr war, nutzen können um seine Kraft zu sammeln? Und sich nicht immer mehr rein zu steigern, zu mir zu kommen und wenn es mir schlechter ging, da zu sitzen mich an zuzicken und ich musste ihn aufbauen immer und immer wieder, aber so war er nun mal schon die letzten 5 Jahre, nicht die beste bedingung um mit einen Depressiven Menschen zusammen zu leben.
Das habe ich heute auch eingesehen... aber ich brauchte ihn doch, ich wollte doch nur einmal, dass er meine Hand nimmt mich an sieht und sagt: Du schaffst das und ich bin hier, ich bin bei dir und bin für dich da."
Ein wunsch Traum nach wie vor... macht das jeder Mann so?
Aber nach dem ich mir große mühe gegeben habe und die ärzte sich eben so viel Mühe gegeben haben, konnte ich endlich wieder ein wenig durch den Flur spazieren, eines Nachts bin ich, weil ich mal wieder nicht schlafen konnte, den Flur entlang und habe meinen Rollstuhl vor mir her geschoben, daran hing die wie jeden Tag und jede Nacht der Tropf, am Ende des Flurs stand ein Tisch mit zwei Stühlen. Normaler weise und da ich schon die 3. Woche im Krankenhaus war habe ich noch nie jemanden da sitzen sehen. Doch da saß eine Frau und sah so traurig aus, dass ich nicht anders konnte als dahin zu gehen. Sie hatte glasige Augen und war wohl so mitte 30. "Soll ich ihnen einen Tee mit bringen?" Fragte ich sie. Traurig sah sie hoch. "Geht das mit dem Rollstuhl?"
"Ja klar, ein bisschen bewegen ist gut." Lächelte ich sie aufmunternd an.
"Dann gerne wasser."
Als ich wieder kam, war ich so kaputt, zeigte es ihr aber nicht und schenkte ihr noch das wasser ein.
"Darf ich mich zu dir setzen?" Fragte ich. Als antwort kam nur ein leichtes nicken.
Stumm setzte ich mich, ich kenne das, man will nicht alleine sein aber reden will man auch nicht. Manchmal reicht es wenn jemand einfach dabei sitzt und man sich nicht mehr so einsam fühlt und da sie einen zugang an der Brust hatte, konnte ich mir denken das ihr von der Chemo wohl schlecht war.
Es war kein unangenehmes schweigen, es war ein schweigen, dass zeigte du bist hier und ich kenne dich nicht, aber ich bin dankbar das du hier bist. Genauso dankbar war ich auch dafür, dass ich nicht reden musste. Es verging fast eine Stunde bis sie meinte: Entschuldige ich kann nicht so viel sprechen, mir ist so schlecht." Das verstand ich nur zu gut. Dann weinte sie. Aufmunternd, weil meine übelkeit gerade in ordnung war lächelte ich und meinte: "Wein ruhig, das hilft. Manchmal muss man weinen und es ist egal warum."
Dann fing sie laut an zu schlurzen und ihre übelkeit wurde kurz besser. "Danke." Sagte sie leise, ich trank weiter meinen Tee und freute mich, dass ich auch wenn es nicht viel war, der Welt ein wenig wieder geben konnte. "Weißt du das weinen hilft mir, wenn mir schlech..." sie würgte. Ich gab ihr eine meiner Brechschalen, die ich überall mit hin genommen habe. Sie versuchte es, doch viel kennen das wohl, einem ist so schlecht und man will das raus haben, weil es danach meist besser ist. Da saß sie und versuchte es immer wieder.
"Versuch zu husten, das klappt meistens." Und es klappte. Sie bekam eine verschnauf Pause von ihrem Körper. "Das war meine erste Chemo heute." sagte sie traurig und ich fragte, was für Krebs sie hat und ob man nicht Operieren konnte.
"Nein, dafür ist es zu späte. Ich habe Brustkrebs und heute war das erste mal. Oh mir ist so schlecht."
"Hast du schon was gegen dir übelkeit bekommen?"
Sie schüttelte wieder stumm den Kopf.
"Dann frag doch die schwester, wofür hast du denn sonst einen Zugang bekommen?" Und deutete auf ihre Brust.
"Ja, aber ich will die Schwestern nicht nerven." Auch das kannte ich nur zu gut, doch irgendwann lernt man, dass man im Krankenhaus wohl nerven muss, sonst passiert nämlich und das meinen die gar nicht böse, aber sonst wartet man und wartet und es passiert nichts.
"Bekommst du dann Vomex?" Fragte ich wieder.
"Ja..." Wieder ein würgen und eine Träne.
"Komme sofort wieder." Setzte mich in meinen Rollstuhl und fuhr richtung Krankenschwesternzimmer. Die Schwester kam mit und sprach mit der Frau, dass sie ruhig eine Infusion haben kann.
Nachts geht es im Krankenhaus recht schnell und da saßen wir mit unserer infusion und ich dachte, wenn Vomex bei mir so helfen würde, dann würde ich morgen schon nach Hause und mich wieder meiner Tochter widmen... Aber ich freute mich für sie, als sie sagte. "So jetzt gehts. " Dieses mal war ihr und auch mein lächeln fröhlich, so schlecht es einen auch geht, man sollte sich klar machen dass es selbst in solchen Zeiten, Momente gibt die auf ihre ganz eigene Art und Weise wunder schön sind.
"Dann versuch direkt zu schlafen." Grinste ich.
"Ja und nichts anderes will ich jetzt und danke schön." Lächelte sie.
"Gute Nacht!"

Obwohl es mir ja besser ging und ich auch langsam wieder anfring zu essen, meinten die ärzte am nächsten Tag, dass ich mehr zu mir nehmen muss und da das ja nicht klappt, kam das was ich die ganze Zeit vermeiden wollte, warum ich in kauf genommen habe, dass man mir jeden Tag einen neue Infussion stechen musste, weil die sich immer schneller entzündeten und meine arme so vernarbt waren, dass sich die Ärzte darum stritten, wer es denn heute bei mir versucht.
Doch dann kam ich nicht mehr drum herum. ZVK!
Der ZentralevenenKateter, der wird in den hals gestochen und liegt bis zum Herzen. Schiss einen riesen schiss, als die Ärztin mich noch einmal wog und mir dann erklärte wie das mit dem ZVK funktioniert.
"Das stechen geht recht schnell und klappt meistens beim ersten mal. Dafür kommst du gleich runter in die Chirugie."
Abgeholt, haben mich die Schüle die da ihr Praktikum machten mit denen verstand ich mich sehr gut. Ich wollte so gerne das jemand da bleibt, denn vor der ganzen Schwangerschafts geschichte, hatte ich nie ein Problem mit Nadeln. Die waren nun mal da manches mal notwendig, auch wenn das stechen bei mit noch nie so funktioniert hat wie es sollte.
Es ging es kalten Flur entlang zum Fahrstuhl und mein Gesicht wurde mit jedem Meter den sie mich nach unten Brachten bleicher.
"Bleibt einer von euch hier?" Fragte ich mit Tränen in den Augen, so kannte ich mich nicht, warum hatte ich plötzlich so eine angst, also reißte ich mich wieder zusammen, Sam Zähne zusammen beißen und verdammt noch mal tapfer sein. Es einfach schnell hinter sich bringen.
"Wir müssen leider wieder hoch." Traurig sahen sie mich an, im Krankenhaus waren eh alle schon total am mitfühlen, was ich sehr seltsam fand, da es doch auch Chemo Patienten gab denen ging es doch viel schlechter. Aber selbst die blieben meistens nicht so lange auf der Station und der Oberarzt wollte mich endlich los werden.
Ich schätze jeder kennt diesen kalten Raum und im hintergrund hörte man das Piepen der Intensiv Patienten, ich bekam ein schlechtes Gewissen, denen ging es so mies und ich stellte mich an wegen dem ZVK? Die stechen einmal und das war es. 
Der Arzt legte unsanft meinen Kopf zur seite und machte dich Platz, dann machte er alles sauber und meinte. "So jetzt piekst es einmal ein bisschen doller und fühlt sich wohl an wie ein Knacken."
Dann stach er, da war das knacken und ich freute mich, ich habs geschaft, jetzt musste er ihn nur noch fest nehen oder nicht?
Nein... er nahm ihn wieder raus, mit den Worten, den müssen wir noch mal stechen.
Das zweite Mal, es knackte wieder und zog in die Schulter."Der sitzt noch nicht richtig." meinte der Arzt nicht gerade zuversichtlich und stocherte weiter rumm, doch es half nichts, das gleich Spiel machte er noch zwei weitere male und beim 4. Mal saß er endlich und er nähte ihn fest....

Ich würde gerne weiter schreiben aber ich muss echt noch packen.

Kommentare

04:05 26.12.2015
nicht wirklich toll - hoffentlich geht's Dir inzwischen besser!
dir noch einen schönen Feiertag!
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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Smartin (Sam Beckm) Offline

Mitglied seit: 16.12.2015
28 Jahre, DE mehr...
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Ja | Nein

2015-12-23 10:34