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Tagebuch Jacqueline82
2025-06-14 00:18
Blind mit Kind
Im April hat meine Bekannte A ein Mädchen zur Welt gebracht. A ist auch blind. Das, was sie alles erlebt hat, ist wie ein Krimi. Ich bin die ganze Schwangerschaft immer für sie da gewesen. Persönlich treffen wir uns nur selten, sie wohnt in Villach und ich bin ja in Klagenfurt. Das Baby war lange Zeit auf der Neonatologie, aus Gründen, und jetzt sind Mutter und Kind gemeinsam in der Klinik, auf der Kinderintensivstation, nicht weil es medizinisch unbedingt notwendig wäre, sondern weil dort die Kapazitäten vom Personal her besser sind. A hat zudem persönliche Assistenz, Alltagsassistenz, 8 Stunden pro Tag. A kommt schon gut mit ihrer Kleinen zurecht, einzig das wickeln ist schwierig. Das auch Menschen mit Behinderung Kinder haben können, ist in den Köpfen so mancher Menschen noch gar nicht angekommen. A musste sogar den Behindertenanwalt einschalten, weil ihr von diversen Leuten Steine in den Weg gelegt wurden. Der Behindertenanwalt hat selber ein Handicap und seine Frau hat eine Querschnittlähmung, und trotzdem haben sie es geschafft, mit Alltagsassistenz, mit dem eigenen Kind zurecht zu kommen, ein Sohn, 5 Jahre alt. Zurück zu A, da gibt es auch eine dumme Krankenhauspsychologin, die ziemlich dummes Gedankengut hat, ein Kind bräuchte ja unbedingt Blickkontakt usw.. bla bla, also wäre A als Mutter sozusagen ungeeignet. A hat von Anfang an alles organisiert, mit dem Jugendamt kooperiert usw. Die glauben auch an sie. Eigentlich hätte sie mit der Kleinen in ein Mutterkindheim in der Nähe von Villach kommen sollen, doch die Leiterin von der Einrichtung war ziemlich erniedrigend, da hat A verständlicherweise gesagt, sie zieht dort nicht ein. Nun kommt ihr Baby erstmal Anfang Juli für 2-3 Wochen in eine Krisenpflege, während A mit der Assistenz den Umzug vorbereiten wird, in ein anderes Mutterkindheim, wo Ende Juli eine Wohnung frei wird. Habe mich am Donnerstag und am Freitag gefreut, weil A mir in WhatsApp Videos, Fotos und Sprachnachrichten zugeschickt hat. In dem einen Video hört man die Kleine auch und in den Sprachnachrichten sowieso auch. Anscheinend hat die Assistenz die Fotos und Videos von A und ihrer Kleinen gemacht. Ich finde es schön, auf diese Weise mitzubekommen, wie sich A zur Vollblutmutter entwickelt hat. Ja, wenn man diese Sprachnachrichten vor allem anhört, merkt man total, wie sehr die Kleine auf ihre Mutter fixiert ist. Und ich finde es gut, dass der Behindertenanwalt jetzt in alles mit einbezogen ist, dass im Notfall schnell reagiert werden kann. Es darf nicht passieren, dass Mutter und Kind getrennt werden, nur weil so einige ihr veraltetes Bild und Gedankengut von/über behinderte Menschen nicht ablegen können oder wollen!!! Und ach ja, über den Vater habe ich noch gar nichts geschrieben, schwieriges Thema. Ich mache hier jetzt aber erstmal schluss, … vielleicht ein anderes Mal, in einem Extra-Eintrag. Kommentare
20:34 14.06.2025
Dankeschön! Und Du hast so was von Recht, das eigentliche Handicap ist das Umfeld. Beginnt ja oft schon in der eigenen Familie, dass einem kaum was zugetraut wird usw. Das war bei mir so, und bei A ist es das Selbe, hat auch mit ihrer Familie gebrochen, außer mit einer Cousine ihres Vaters. Bei mir ist es ein Onkel, zu dem ich noch Kontakt habe Ich habe früher auch immer gedacht, dass alle Menschen im Grunde ihres Herzens gut sind, aber da bin ich mir ebenfalls nicht mehr so sicher, gerade auch was den Kindsvater von A‘s Tochter auch angeht…
17:54 14.06.2025
Schön, dass soweit alles gut gegangen ist. Mutter und Kind die besten Wünsche! Ich hab früher immer daran festgehalten, dass alle Menschen (im Grunde ihres Herzens) gut sind. Inzwischen bin ich davon abgekommen, denn bei so viel Grausamkeit überall kann das einfach nicht so sein. Und Personen, die Personen mit Handicap Unfähigkeit o.a. unterstellen, haben für mich immer das größte Handicap, nämlich in Hirn und Herz. Handicap heisst für mich, dass der Aufwand schlichtweg größer ist, um das zu leisten, was "normale" Menschen leisten - und manchmal noch viel viel mehr... Mein Chef ist ja auch blind (und eine Freundin, die aber inzwischen in Montenegro lebt); ich finde es soo krass (unverschämt), wie viel Steine in den Weg gelegt werden. Er wollte ja (mit mir zusammen) Heilpraktiker werden - wir waren vor 10 Jahren zusammen an einer Schule, da hab ich ihn kennen gelernt. Er war wirklich super, wurde aber für die Erlaubnis abgelehnt, weil er ja z.B. keine Injektionen ausführen könne und Hygienemaßnahmen nicht richtig befolgen können mangels Sehkraft. So ein Blödsinn - er hat damals auch die Injektionslehre mitgemacht, hat sogar besser abgeschnitten als manch Sehender (weil er die Vene gleich gespürt hat und einfühlsam genug war...) Das Umfeld ist manchmal das wahre Handicap.
03:39 14.06.2025
Die besten Wünsche der jungen Mutter! Good luck!
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Jacqueline82 Offline43 Jahre, AT mehr... 2025-06-14 00:18 |
