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2026-01-27 12:00
Der Unbesiegbare
Das trifft momentan auf meinen Vater zu, denn er ist wirklich ganz optimistisch, was den nächsten Schritt angeht. Der nächste Schritt ist die Herz-OP, die leider keinen Aufschub duldet. Gestern wurde die Halsschlagader untersucht und dann rückte man auch mit der Sprache raus, daß das unbedingt gemacht werden muß. Wann mein Vater nach Essen kommt, weiß er noch nicht. Er weiß auch nicht, wie lange er in Essen bleibt und wie lange er dann noch im Krankenhaus bleiben muß, wenn er aus Essen wieder zurück kommt. Dafür will mein Vater nicht zur Reha. Ich kann das schon ein wenig verstehen, daß er da keine Lust drauf hat, aber wenn es doch der Genesung dient, sollte er das ernsthaft in Anspruch nehmen. Vielleicht bekommt er in der Reha Dinge gezeigt, die er auch für zu Hause anwenden kann. Aber so weit ist mein Vater noch lange nicht. Er muß erst mal die OP überstehen, alles andere ergibt sich dann von selbst. Ansonsten scheint es bergauf zu gehen. Die Schwestern freuen sich jedes Mal, wenn sie meinen Vater sehen. Man kann es gar nicht mehr zählen, wie oft sie ihm schon gesagt haben, daß man nicht damit gerechnet hat, daß er das alles so gut überstanden hat. Als er vor drei Wochen auf die Station kam, hat man ihm nur zwei Tage gegeben. Ich habe auch nicht damit gerechnet, daß es ihm wieder so gut geht. Nachdem, was der Chirurg mir am 08.01. gesagt hat, bin ich echt davon ausgegangen, daß er nicht mehr lange macht. Ich darf nicht daran denken, denn sonst läuft es mir wieder eiskalt den Rücken runter. Ich mache einen Haken dran und gut ist. Mein Vater sieht das mit der Herz-OP völlig entspannt. Und das ist auch gut so, denn wenn er den Kopf in den Sand steckt, kommt er gar nicht mehr auf die Beine. Er weiß allerdings noch immer nicht, wann er nach Essen kommt, man muß warten, wie lange der Streik noch dauert. Da kann man echt nur abwarten und Tee trinken. Man hat ihm gesagt, welche Möglichkeiten es bei der OP gibt: durch die Leiste, durch das Handgelenk oder am Schlüsselbein vorbei. Das mit dem Schlüsselbein leuchtet mir ja noch irgendwie ein, aber am Handgelenk oder durch die Leiste wird das schon schwieriger. Aber die Ärzte wissen hoffentlich, was sie tun. Und mein Vater hat gesagt, daß ihm die Waden beim laufen weh tun. Die Venen sind wohl wieder zu, aber das ist erst mal nicht so eilig. Man macht jetzt erst das fertig und dann kümmert man sich um den Rest. Wenn das so ist, ist ja alles gut. Ob mein Vater in diesem Leben überhaupt noch mal nach Hause kommt, wage ich an der Stelle zu bezweifeln. Ich sehe uns auch noch nicht in den Urlaub fahren. Aber selbst da ist mein Vater ganz optimistisch. Ich kann ihn dann ja im Urlaub verwöhnen. Verwöhnen ist ja gut und schön, aber wer verwöhnt mich denn? Nach dem ganzen Hin und Her habe ich mir doch wohl auch etwas Ruhe verdient oder etwa nicht? Ich finde schon. Ich will mich an der Stelle wirklich nicht beschweren und ich mache das auch gerne, aber ich komme so langsam auch an meine Grenzen. Was habe ich denn noch vom Tag? Nicht viel, wenn ich ehrlich bin. Ich stehe um 4.30 Uhr und verlasse um 5.40 Uhr das Haus. Die Stunden im Büro schaffe ich irgendwie mit links und wenn ich Feierabend mache, fahre ich ins Krankenhaus. Da bin ich dann aber auch nicht nach 5 Minuten raus. Bin ich zu Hause, schiebe ich mir eine Pizza in den Ofen und räume in der Zwischenzeit auf. Es sei denn, ich bringe mir von unterwegs was mit, dann wird erst gegessen und dann aufgeräumt. Danach lege ich mich auf die Couch und wundere mich am Ende, daß ich vom Fernsehprogramm so gar nichts mit bekommen habe. Mit dem Ergebnis, daß am nächsten Tag alles wieder von vorne anfängt. Mich wundert es echt, daß ich noch nicht schlapp gemacht habe. So ein paar freie Tage würden mir an der Stelle gut tun. Vielleicht komme ich ein wenig runter, wenn mein Vater in Essen ist. Da fahre ich dann nicht hin. Ich will ja irgendwann auch mal zur Ruhe kommen. Wie gesagt, es ist alles gerade etwas viel. Wenn ich mir das aussuchen könnte, würde ich den ganzen Mist ungeschehen machen. Aber da das Leben eine dumme Kuh ist, kann man sich so was eben nicht aussuchen. Kommentare |
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