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2025-01-21 18:50
Beschworenes Unheil

Wenn man bedenkt, daß das neue Jahr nicht perfekt gestartet ist, kann ich gar nicht anders, als so anzufangen. Eigentlich sollte mein Vater heute ins Krankenhaus, um sich die Klammern entfernen zu lassen. Aber wie das nun mal so ist, mußte er den Termin kurzfristig absagen. Seit gestern plagen ihn ganz heftige Bauchkrämpfe und als er zum Krankenhaus fahren wollte, hatte er weiche Knie. So wollte er dann doch nicht fahren, weil er Angst hatte, in dem Zustand einen Unfall zu bauen. Die Klammern kann auch der Hausarzt ziehen. Das nimmt er dann morgen in Angriff. Was das angeht, läuft im Moment echt gar nichts. Ich frage mich gerade ernsthaft, warum nicht einmal was glatt laufen kann? Warum kann man sich nicht von dem erholen, was in den ersten Tagen des Jahres hinter einem liegt? Ich weiß es nicht. Ich hatte das Gefühl, daß S. fast schon Panik hatte, daß ich mich bei meinem Vater angesteckt haben könnte. Was wäre daran jetzt so schlimm? Dann wäre ich eben ein paar Tage nicht im Büro, na und? Davon geht die Welt auch nicht unter. Dann müssen sich die Kollegen auch nicht darüber aufregen, wenn mir was im Eifer des Gefechts untergeht. Ist doch wahr. Wenn man sich das Maul zerreißen kann, ist alles in Ordnung, aber wenn ich nicht so funktioniere, wie man das von mir erwartet, bekommt man Panik. So was muß ich nicht verstehen, aber egal. Mit dem Urlaub ist es nicht viel anders. Auf der einen Seite ist es nicht so dramatisch, wenn man sich mit dem Urlaub überschneidet, aber wenn ich Mitte September Urlaub haben will, kann ich das vergessen, weil T. an seinem Geburtstag nicht frei nehmen kann. Diese Logik kann ich nicht wirklich verstehen, aber das macht nichts. Ich kann mich aber auch komisch anstellen. Gewisse Dinge kann man nun mal nicht ändern.

Ich habe eigentlich auch gar keinen Grund zur Klage und mir geht es auch gut. Ich bin gesund, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich habe zu essen und zu trinken und ich habe einen Job. Dinge, die viele Leute nicht haben. Aber wenn ich so auf die letzten Tage zurück blicke, dann wird mir bewußt, daß mir das alles echt zu viel war. Ich habe meinen Vater gerne im Krankenhaus besucht und wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich vermutlich ein schlechtes Gewissen gehabt. Es war dennoch verdammt hart, eben weil ich auch einen langen Tag hatte. Seit letzten Donnerstag fallen die Besuche im Krankenhaus weg und ich bin auch froh, daß mein Vater wieder zu Hause ist, aber wenn ich sehe, wie mies es meinem Vater momentan geht, möchte ich einfach nur in Tränen ausbrechen. In ein paar Tagen geht es ihm auch wieder gut, das ist nicht die Frage, aber mich nimmt das alles trotzdem mit. Ich bin mal wieder an dem Punkt angelangt, an dem ich meine Sachen packen und abhauen könnte. Einfach mal für ein paar Wochen raus und vor dem ganzen Elend fliehen. Es sollte doch möglich sein, daß man für ein gewisse Zeit auf andere Gedanken kommt. Aber wie das nun mal so ist, mache ich so weiter wie bisher. Ob das immer so richtig ist, weiß ich nicht. Und wer weiß, vielleicht falle ich ja doch irgendwann mal aus. Deswegen muß ich den Teufel jetzt nicht an die Wand malen, aber ich würde es begrüßen, wenn ich mal nicht im Büro bin. Vielleicht sollte ich eine Nacht drüber schlafen. Gut möglich, daß es morgen wieder ganz anders aussieht und ich über diese Gedanken lache. Ich glaube zwar nicht wirklich daran, aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.

Kommentare

03:31 22.01.2025
Ja, momentan sind's wirklich viele Belastungen - für Euch Beide! Daumendrück, dass es bald wieder "normal" ist!
Good luck!
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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2025-01-21 18:50