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Wednesday, 10. August 2022
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 1915-06-19 hh:mm
Heute ist unser Sohn nach Trie...

Heute ist unser Sohn nach Trier abgereist. Sein Scheiden aus dem Elternhause – ein ganzes Jahr früher, als es unter normalen Verhältnissen der Fall gewesen wäre – ist ein schwerer Schlag für mich! Gebe Gott, daß er nicht mehr an die Front muß!-

Inzwischen haben unsere Heere ihren Siegeszug in Galizien fortgesetzt und stehen vor Lemberg! Der russ. Höchstkommandierende Nicolajewitsch (Großfürst) hat einen Armeebefehl erlassen in welchem er befiehlt, Lemberg zu halten, und wenn es Millionen Opfer koste! Aber die russ. Armee ist demoralisirt, es gärt überall, Munition mangelt etc. Allgemein hört man, daß mit dem Falle  Lembergs, Rußland entgültig zum Rückzug genötigt, Galizien befreit sei! –

Hindenburg ist wieder seit Wochen aus den Zeitungen verschwunden, er soll beabsichtigen, in der Richtung auf Moskau vorzugehen. Russische Zeitungen bringen besorgte Artikel und fragen, wo er sei! Sie wissen doch auch dort, daß Hindenburgs Schweigen die Vorbereitung eines neuen gr. Schlages bedeutet. –

An der Westgrenze haben die Franzosen auf Wunsch der russ. Regierung seit 2 Wochen eine neue Offensive eröffnet, es sind blutige Kämpfe, alle werden aber, Gott sei dank, zu unseren Gunsten ausgefochten.Zu gleicher Zeit fingen auch die Engländer am Yperkanal und bei La Bassee wieder zu kämpfen an! Diese Kämpfe werden mit furchtbarem Artilleriefeuer eingeleitet, ganze engl. Regimenter vernichtet. –

Durch diese Offensiven sollen Frankreich u. England uns zwingen, Truppen aus Rußland zur Hilfe zu holen und so die Russen zu entlasten, welche v. Makensen mit seinen tapferen Schaaren schon seit 3 Wochen vor sich hertreibt unter schweren Verlusten. Gott sei Dank ist dieser russ. Plan zu nichte geworden, wir haben nach beiden Seiten siegreich gekämpft und hoffen auch ferner durchzudringen. Italien hat uns immer noch nicht offiziel den Krieg erklärt; die Kämpfe an der oesterr. - italienischen Grenze sind sämtlich zu Gunsten unserer Verbündeten ausgefallen! Ganz Italien ist voll Aufrufe, die Kriegsschreier ziehen sich zurück, das arme Volk ist gegen den Krieg! Die Zeitungen verheimlichen die Verluste und so steht dem betrogenen Volke dasselbe Schicksal bevor, wie Frankreich: eines Tages zu erkennen, daß es, von falschen Führern getäuscht, sich leichtsinnig in einen Kampf eingelassen, dessen Ende für sie nach unerhörten Opfern, ein Unterliegen sein wird. –

 

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