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Monday, 13. July 2020
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 1910-02-15 hh:mm
Dienstag den 15. Feb. Herr Pro...

Dienstag den 15. Feb. Herr Professor hatte durch einen Bekannten Zimmer bestellen lassen im Winter Palace Hotel u. Luxor Hotel. Dort war jedoch alles überfüllt u. nicht ein Zimmer mehr frei. Nur in der Deprudena genannt Karnak Hotel waren noch Zimmer zu haben. Wir ließen nun die Damen im Vestibül sitzen nahmen einen Wagen u. fuhren mit dem Besitzer des Luxor Hotels hin uns die Zimmer anzusehen. Wie waren wir jedoch entsetzt beim Anblick des unbewohnten Hauses in welchem nur ein Araber Portier Dienste versah. Ganz verwüstet sahen die Zimmer aus, welche Jahre lang so dalagen, ohne daß jemand darin geputzt hätte. Bevor wir uns entscheiden konnten die Zimmer zum Preis von 50 Piaster zu nehmen wollten wir bei Frau Professor Rat holen u. fuhren erst noch ins Larry Hotel wo uns auch kein Platz gegeben werden konnte. Die Damen nahmen nun einen Wagen u. wir fuhren wieder zu dem Hotel Karnak. Inzwischen hatte der Hotelier die Dienerschaft mobil gemacht, so daß wir wirklich angenehm überrascht waren u. uns einmieteten. Nun besahen wir  etwas das Logie, das uns bewahren sollte vor dem Übernachten bei Mutter Grün. Ein niedriges Gebäude, Schloß ähnlich, inmitten eines verwahrlosten Gartens, welcher noch die Spuren verflossenen Glanzes aufweist, so liegt das Karnak Hotel am Ufer des Nils in Luxor. Wir besahen uns den Garten u. genossen die entzückende Aussicht auf die sonnenbeschienene Landschaft. Ein Heer von Fliegen umschwärmte uns so daß wir vorzogen uns in die Gemächer zurückzuziehen. Dort hatte Frau Professor einstweilen ein Gabelfrühstück hergerichtet recht gemütlich sah der gedeckte Tisch in den kahlen Räumen aus. Die Polstermöbel waren mit großblumigem Stoff überzogen u. ebenso bunte Teppiche lagen auf dem Steinboden. Nach dem Frühstück machten wir etwas Toilette, packten das Gepäck aus u. begannen das Haus etwas zu inspiziren. Vor den Zimmern dehnte sich ein endloser Gang, etwa 1/2 km lang auf einer Seite 30 Zimmer enthaltend, und da nun alles schön geputzt war, hatte unsere Sommervilla einen recht gemütlichen Anstrich. In dem einstigen Salon war Konzert dort übten täglich die Musiker, was für uns oft unterhaltend war. Der Speisesaal barg altes Gerümpel, er faßte mindestens 100 Personen. Nur die Zimmer waren bewohnbar, weshalb wir zu den Mahlzeiten vom Hotel Omnibus abgeholt wurden. In unserem Zimmer hielt ich genauestens Umschau u. verstopfte sämtliche Mauslöcher aus Furcht vor Taranteln u. Meerbienen. Allmählich wurde es Zeit Herrn Professor u. Galet an der Bahn abzuholen u. gleich verkündigten wir ihm unsere großartigen Wohnverhältnisse, mit den Bemerken nicht länger als eine Nacht dort zuzubringen. Das Essen im Luxor Hotel war sehr gut; nach Tisch bestellten wir uns Esel u. ritten nach Karnak, dem früheren Theben. Fritzchen hatte einen famosen Esel, ich dagegen ein fürchterliches Vieh das stets stolzirte. Kaum saß Jula auf dem Esel. So fiel sie herunter, es hat ihr nichts gebracht. Erst ritten wir zusammen, das Ehepaar Dinkler u. Galet blieb zurück. Da jedoch mein Esel stets stolzirte kam ich auch etwas zurück u. ritt allein. Unglücklicher Weise kam ein Sprengwagen des Wegs dessen Pferd an einem Kamel scheute, was mein Bist veranlaßte einen Berg hinab zu eilen, so kamen wir vorbei. Dicht bei Karnak stolperte mein Esel u. fiel ich sprang ab, mein Sattel war auch lose geworden, was Herrn Professor veranlaßte den Eseljungen durchzuprügeln. Nun besichtigten wir die noch gut erhaltenen Ruinen 5 Jahre vor Christi wurde dieser Tempel erbaut u. prachtvoll ausgemeißelt, noch jetzt sieht man die Säulen mit schön ausgeführten Skulpturen. Die Hallen 20 – 50 m Höhe u. mehr sind von Boden an reich mit Skulpturen versehen teilweise sieht man noch die Farben, die trotz dem Wetter ausgesetzt nicht ganz verlöscht sind. Wundervoll sind die Sphings-Alleen. Was haben die alten Ägypter geleistet, dessen Nachkommen so zum Tier herabfallen konnten. Überall sieht man  Verherrlichung ihrer Könige Ramses II scheint am beliebtesten gewesen zu sein, auch am mächtigsten; man sieht ihn in über Lebensgröße ausgehauen an jeder Wand, meist das Schwert in der Hand, die Leute köpfend, die als kl. Puppen dargestellt sind, oft auch als Stier mit menschlichem Körper, wie er eine Göttin führt! Ein noch schön erhaltener Obelisk ragt aus Trümmern hervor, welcher jetzt ausgegraben werden u. aufgestellt sieht man Götter u. Mauerstücke nebst Säulen welche alle noch nach früheren Plänen nachgebildet werden müssen, wer weiß, wann dieser Riesenpalast fertig sein wird! Wir gingen über Steingeröll u. kamen an den heiligen See, dessen Wasser salzig ist, man sieht auch am Ufer das klare Salz blitzen es sieht völlig weiß aus. Nun sahen wir den großen Ammontempel prachtvoll vor uns liegen, beleuchtet von den roten Sonnenstrahlen, da es doch gleich Nacht wird so war es Zeit zum Heimritt. Unsere Esel standen bereit u. nachdem mein Treiber wieder verschiedene Ohrfeigen von Herrn Professor erhalten hatte, stiegen wir auf u. fort ging es, ich mußte auf meinem Stolperer im Schritt reiten u. kam ½ Std. nach den anderen heim, begleitet von einem Diener, Herr Galet ritt mir entgegen, weil ich so lange nicht kam, Fritzchen hat nicht nach mir geschaut.—

 

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