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Thursday, 13. August 2020
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 1912-01-08 hh:mm
D. 8. Januar 1912. Es ist jetz...
D. 8. Januar 1912.
Es ist jetzt zu niedlich Anneliesels Fortschritte zu be-
obachten, sie möchte jetzt gern laufen u. hat keine
Ruhe im Stühlchen, auf dem Arme oder dem Schoß,
sie will immer „eisch“ machen (soll heißen „eins, zwei“)
so zählt man ihr beim Gehen vor, das macht dem
Kleinchen zu viel Spaß. Wenn man es hält läuft
es auch schon ganz nett u. ziemlich schnell, nur
allein geht es noch nicht. Auch „pielen“ möchte es
jetzt immer, d. i. Klavierspielen. Es sieht zu
drollig aus, wenn das Knirpschen sich am Kla-
vier in die Höhe reckt, um an die Tasten zu
gelangen, setzt man es auf den Klavierstuhl
ist es glücklich, singt auch „la, la“ zu seinem
Spiel. A. L. steht jetzt auch sehr gern auf dem
Fensterbrett u. beobachtet, was draußen auf
der Straße vorgeht, alles 4beinige das vorbei-
kommt ist „wau, wau“ bei ihr.
„Morg“ macht Anneliesel jetzt auch u. nickt mit dem
Köpfchen dazu (soll heißen, guten Morgen) auch „ja“
u. „nein“ „doch“ sagt es jetzt ganz deutlich, manch-
mal fängt es plötzlich kräftig an zu schelten, es
überstürzt sich dann ordentlich, was sich sehr drollig
ansieht und anhört.
Weihnachten hat sich das Kind sehr über den
brennenden Christbaum gefreut, es machte
mit glückstrahlender Miene „hatti“ als es
ihn sah. Am 1. Feiertag war A. L. mit in
Mlg. wo große Freude herrschte als wir
kamen, besonders die arme kranke Omama
freute sich so sehr, Anneliesel ist ihr Liebling.
Sehr drollig sieht es aus, wenn A. L. sein Näschen
rümpft u. die Äugelchen zukneift, sie macht
das oft vor lauter Übermut. Ich finde das Kind
viel lebhafter als Ilschen es war Ilschen war
ruhiger, A. L. ist ein kl. Wildfang dagegen.
D. 15.I.12. Wenn Anneliesel sich weiter so anstrengt, wird
es bald laufen, es will jetzt nicht mehr sitzen oder
auf dem Arm sein, immer nur „eins“ machen; ich
wundere mich über die Ausdauer die das Kind
dabei hat, wenn man es an den Händchen führt,
läuft es wohl schon eine Stunde lang. Frägt
man es „wie macht die Mutter wenn sie schimpft?“ so
droht es mit seinem kl. Fingerchen u. macht „du, du.“
Frieda nennt sie „Drida“; Ilschen kann sie noch nicht
sagen. Mittags will der kl. Schlingel fast gar-
nicht mehr schlafen, sie schläft meist nur noch
ein, höchstens 2 Stunden.

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