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Tagebuch MI
2006-06-21 16:51
Hinter der Passivität (3)
Ich bekomme immer öfter Hinweise darauf, daß es tatsächlich diesen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Innen und Außen gibt, bzw. daß dies ein gleitender Übergang ist und es daher keine Grenze zwischen Innen und Außen gibt. Das Außen spiegelt mir immer nur das Innen wieder, ich sehe außen einfach nur, was innen los ist. Und damit lösen sich die Begriffe "Innen" und "Außen" in Luft auf.

(Nebenbei bemerkt: das ist nicht nur angenehm)

Ich finde solche Beobachtungen sehr spannend und aufschlußreich, denn genau damit fällt dieses Ich-Kartenhaus in sich zusammen. Wo soll denn da noch ein Ich sein, eine Instanz, eine Person, etwas Getrenntes, wenn es in Wahrheit gar keine Trennung gibt? Natürlich ist es diese körperliche Begrenztheit, sie ist manifestiert, da ist "mein" Körper, und da sind die Körper der "anderen".

Das verleitet dazu zu denken, daß daher ich auch ich bin, und der andere der andere, und nicht ich. Nur verschwimmt das alles, sobald man von der körperlichen Manifestation abrückt und sich nicht einfach auf einen Körper reduzieren läßt. Schlimm ist ja, daß auf diesem Irrtum unsere ganze "moderne" Welt aufbaut. Sie fördert in jedem Körper den Gedanken, da wäre nur dieser eine Körper und da wären die "anderen", gegen die ich mich irgendwie behaupten muß.

Rückt man von diesem Bild einmal ab, daß ich nur auf diesen einen Körper beschränkt sein soll, und mein ganzes Leben sich nur darum drehen soll, es diesem Körper gut gehen zu lassen, dann spricht eigentlich nichts dagegen zu sagen: ich bin auch die anderen Körper.

(Diesen Gedanken weitergesponnen ergibt das Ende jeder Identifizierung, das ist so ähnlich wie wenn man sich selber aufißt).

.

Wie geht das? Ich frage mal nach: wen oder was sehe ich denn, wenn ich jemand anderes ansehe? Sehe ich dann jemand anderes, oder sehe ich nicht einfach mich selbst als jemand anderes bzw. in diesem anderen? Ist es denn überhaupt möglich mich nicht im anderen zu sehen?

(Diese Frage hat viel Kraft. Selbst eingefleischte Individualisten kommen da ins Schwitzen).

Es ist ein lustiges Gedankenexperiment sich während eines Gespräches mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß ich eigentlich auch mein Gegenüber sein könnte und es sogar bin. Es spricht da gar nichts dagegen. Und daß ich es sogar bin, oder mal ganz lapidar gesagt: daß da vor mir genau der gleiche Trottel steht, wie ich es bin, das schlägt dann dem Illusionsfass den Boden aus.

Ich beobachte noch etwas an mir: ich vergesse diesen Zusammenhang dann besonders gerne, wenn sich mir etwas zeigt, was ich nicht gerne bin. Dann ziehe ich mich auf die Ich-Vorstellung zurück, wobei dieses Ich dann seine Hände in Unschuld wäscht und so gar nichts mit dieser Spiegelung zu tun haben will. Spiegelungen nehme ich dann gerne an, wenn es sich "gut anfühlt". Stehe ich vor einem Menschen, dem meine uneingeschränkte Sympatie gilt, für den ich sogar Liebe empfinde: wie leicht fällt es mir da, die Ich-Illusion fallen zu lassen und zu fühlen: wir sind eins. Aber wehe, es passt mir da etwas nicht in den Kram.

Das sind so Fallen, in die ich gerne hineintappe. Gut ist es dann, wenn ich rechtzeitig einen Riegel vor die Realitätsverweigerungstaktik geschoben bekomme. Nicht, damit ich reumütig erkenne: "Hey, das bist AUCH Du!". Doch, das zwar auch. Aber viel wichtiger ist, daß dies das Ende vorgeschobenen der Passivität bedeutet. Ich kann dann nicht länger so tun, als "könne ich nichts dafür" und ich halt "nur warten kann, bis sich was ändert". Sondern ich komme dann wieder ins Spiel und kann selber etwas tun. Und muß sogar was tun, wenn ich mit mir im Frieden sein will.

Michael

Kommentare


unbekannt
09:16 24.06.2006
> Ist es denn überhaupt möglich mich nicht im anderen zu sehen? <

Alles ist möglich. Es kommt darauf an, was du sehen willst.

Lieben Gruss, pit


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11:19 23.06.2006
Hallo diffisill, danke für deinen netten Kommentar. Grüße, MI
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21:08 22.06.2006
Kenne ich sehr gut den Gedanken und finde ihn hier echt treffend beschrieben.
Körperlich hab ich sowas auch mal erlebt, dass ich irgendwann vergessen hab, wo meine Hand aufhört und das Knie meines Partners anfängt... Da wirds dann auch echt komisch.
Ansonsten beschäftigt mich genau dieser Gedanke schon seit Jahren eigentlich.
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