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Tagebuch Limes
2006-05-27 15:20
Farewell
Freitags gibt es nur selten Grillabende und freitags trifft man sich auch nur selten bei jemanden zu Hause, es sei denn zum Vorglühen. Freitag ist Partytag, ob Disco, Burschenparty oder private Geburtstagsfete, ganz egal. Hauptsache Feiern, egal wo, egal wie und bedingt auch, egal mit wem.
Heute ist eine dicke Party auf dem Land, nicht unbedingt mein Fall, aber was solls, Party ist Party und so stehe ich um sieben vor meinen Spiegel und werfe meinem Abbild einen letzten prüfenden Blick zu. Heute trage ich rot, auffallend, leuchtend und absolut passend zu meiner Stimmung. Körperbewusst, entspannt und in bester Laune.
Dann klingelt es an der Tür, dass Warm-up ist heute bei mir und nach und nach trudeln die Leute ein, besetzen meine Couch, meine Stühle und zuletzt den Boden. Flaschen von Alkohol, die sich auf dem Tisch zusammengetragen haben, Kronkorken, Flaschenöffner und gefüllte Gläser. Er ist auch da und sie klebt an seiner Seite, aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, wie Er sich ein bisschen von Ihr zurückzieht. Ich spüre seinen Blick auf mir, aber ich sehe ihn nicht an. Denn ich unterhalte mich vorzüglich, lache, trinke und bin ganz in meinem Element. Ein Mädchen unter vielen Jungs, nicht gleich, aber gleichwertig. Männer sind meist die besseren Freunde geht es mir durch den Kopf, sofern da nicht mehr ist, unausgesprochene Gefühle und Begierden. Ich sehe mich in meiner Clique um, lauter gute Freunde und die Hälfte davon Männer, die mir einmal mehr bedeutet haben, denen ich mehr bedeutet habe. Ich sehe sie an und sehe keine traurigen und sehnsuchtsvollen Blicke und ein Lächeln streift über mein Gesicht. Es gibt Männer, die mit ihren Exfreundinen, Exliebhaberinnen und Exgeliebten nichts mehr zu tun haben möchten, aber diese gehören nicht dazu. In meinen Verbindungen zu ihnen, haben wir uns alles gegeben, was wir uns zu geben vermochten, unsere Beziehungen, Affären waren erfüllt und wurden bis zum letzten ausgeschöpft und so haben wir uns in Freundschaft getrennt und sind noch immer Freunde.
Später fahren wir dann gemeinsam mit diversen Taxis auf die Party, es ist laut und voll und die Zahl der Betrunkenen übersteigt die Zahl der Nüchternen deutlich. Ein typisches Bild und auch wenn ich zur Minderheit gehöre, stürze ich mich voller Vorfreude in das Getümmel. Grüße hier, grüße da, lasse mich auf einen Drink einladen, tanze und stehe dann plötzlich Ihm gegenüber.
"Ich würde gerne mit dir reden."
Ich nicke und folge Ihm, dass mit uns ist zwar beendet, aber die Geschichte noch nicht aufgeklärt. Er geht aus der Halle, auf den Parkplatz, weg von all dem Lärm und Trubel, in der Dunkelheit bleibt er stehen und dreht sich zu mir. "Es tut mir leid."
"Was genau?", frage ich und nehme einen großen Schluck von meinem Becks Green Lemon.
"Na, wie jetzt alles so gelaufen ist und so!"
Ich lache: "Was gibt es da zu bedauern, ihr seit doch jetzt zusammen, dass war es doch was du immer wolltest, oder? Sie?"
"Du weißt, dass das nicht stimmt!"
"Mag sein und dennoch bist du mit ihr zusammen, oder?"
"Ich habe deinen Blick gesehen, als ich dich geküsst habe." Er schweigt, dreht sich um und rammt seine Hände in die Hosentaschen. "Ich war nicht so betrunken, als das ich das nicht bemerkt hätte." Er dreht sich wieder zu mir und sieht mich mit diesem komischen, traurigen Blick an. "Für mich war es das größte, als du mich angesehen und zum ersten Mal wahrgenommen hast. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden, als sich diese kleine Geschichte zwischen uns entwickelte und ich habe jeden Tag darauf gewartet, dass das zwischen uns endlich offiziell wird. Aber du hast nichts gesagt, bist nicht auf mich zugekommen und auf der Party habe ich eingesehen, dass du auch niemals auf mich zukommen wirst. Und ich habe erkannt, dass ich dir niemals das geben könnte, was du dir wünscht, denn ich bin nicht das was du suchst!"
Ich stehe immernoch da, stumm, was soll ich dazu sagen? Er spricht mir aus der Seele, formuliert dass, was ich gefühlt und auch gedacht und selbst erkannt habe. Auf der anderen Seite, fühle ich mich jetzt verdammt schäbig!
"Es hat nicht an dir gelegen," sage ich. "Wir haben einfach nicht zueinander gepasst."
"Du spielst in einer anderen Liga, wie ich, wie wir alle!"
"Das ist nicht wahr," doch in dem Moment, als ich ihm widerspreche, sehe ich ein, dass es hier nicht wirklich um die Wahrheit geht. Er braucht jetzt seinen Ärger über mich, genauso wie er es braucht bei mir die Schuld zu suchen.

Später in der Halle, tanze, trinke und lache ich und weiß, dass ich ihm damit vielleicht das Herz breche. Er wollte mich verletzen, er wollte mich leiden sehen, aber ich kann ihm diesen Gefallen nicht tun und so verhalte ich mich wie immer. Seine Reaktion ist unmissverständlich und kommt sofort, er zieht Sie mit einem Schwung in seine Arme und küsst sie, küsst sie und küsst sie.
In diesem Moment wird mir Gewahr, dass die Beziehung zu Ihr von Ihm ausgegangen ist und Trotz der Antriebsfaktor war. In diesem Moment erkenne ich, dass Sie das Opfer ist und das Er Ihr höchstwahrscheinlich das Herz brechen wird. In diesem Moment kann ich ihm nur zustimmen, wir spielen wirklich in völlig unterschiedlichen Ligen. In diesem Moment sehe ich endlich klar vor Augen, was die letzten Wochen verborgen geblieben war, denn er ist kein Mann, sondern irgendwie noch ein Junge.

Kommentare

18:17 27.05.2006
ja, ich wusste ja, dass da noch was kommt...
du schreibst wirklich toll
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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2006-05-27 15:20