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Tagebuch freveline
2015-06-28 11:54
Tod eines 13jährigen Buben
Lexi ist an einer Herzmuskelentzündung plötzlich gestorben. Er war unser ehemaliger Nachbarsjunge.
Er war nett, die Eltern sehr religiös. Ich wollte an die Mutter einen Brief schreiben, aber ich habe ihn nie abgeschickt, aus Angst, etwas falsches zu sagen:

Liebe Barbara,
für ein Kondolenzschreiben ist es vermutlich schon zu spät, aber es ist einfach schwer, tröstende Worte zu finden.
Obwohl es in mir brodelt und meine Gedanken um nichts anderes mehr kreisen als um die Frage warum. Warum gerade deine Famimlie ? Eine Familie, die ein Leben führt, wie Gott es von uns erwartet, die Vorbild ist. Ihr zeigt ihm doch jeden Tag, dass ihr an ihn glaubt, warum will er diesen Glauben nun so prüfen, auf solche schreckliche Art und Weise.
Ich versuche mich in deine Lage zu versetzen. Wie musst du dich jetzt fühlen, jeden Tag aufs Neue, mit der Gewissheit, deinen Sohn nie wieder zu sehen. Als wenn man ein Stück aus dir heraus gerissen hätte. Alles was bleibt ist die Erinnerung.
Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Familie, Freunde, alle sind für dich da und geben dir Halt, aber ich weiß, es wird jeden Tag Nacht. Da ist man alleine mit seinen Gedanken, Vorwürfen, Gewissenbissen. Hilflos, verzweifelt mit seinen Kräften einfach am Ende. Aber es wird wieder Tag und das Leben geht weiter, nur nicht so wie gewohnt, man hat ein Päckchen zu tragen, dass man nicht mehr los wird, aber vielleicht wird es irgendwann wieder ein bißchen leichter. Ihr habt einen starken Glauben, deshalb versucht ihr selbst im Tod noch etwas Gutes zu sehen.
Ihr seid davon überzeugt, dass es Lexi nun gut geht und freut euch auf ein Wiedersehen im Paradies. Ich hoffe, dass ihr an diesen Glauben festhalten und daraus Kraft schöpfen könnt.
Erfreue dich an den schönen Dingen des Lebens, an einen Regenbogen, an einen Schmetterling, an den Wind der dir durch die Haare fährt, denn genau dann, wenn du alles um dich vergisst und den Moment genießt, dann wirst du deinen Sohn so nah sein, wie nie zuvor.
Ich bewundere euren Zusammenhalt und wie ihr die Situation meistert. Fragt nicht, so wie ich nach dem Warum, denn darauf gibt es keine Antwort. Ihr habt bestimmt nichts falsch gemacht. Es ist einfach nur das Leben. Ich trauere mit euch und habe sogar zwei Schultern zum Anlehnen und Ausweinen.
Man sagt, du musst sich damit abfinden, du kannst es nicht ändern, was geschehen ist, ist geschehen. Aber du willst dich nicht einfach damit abfinden, es nicht wahr haben und erst recht willst du nicht stark sein. Du willst schwach sein dürfen, weinen, trauern, wütend sein. Wütend auf diese Ungerechtigkeit, du willst dein altes Leben zurück, den Alltag, wo noch jeden Tag die Sonne schien. Aufwachen und sagen können, Gott sein Danke, es war nur ein Traum ..
Ich wünschte, es wäre so, ich wünschte ich könnte dir etwas von deiner Last abnehmen. Aber alles was ich tun kann, ist ein Stück mit dir zu gehen. Wir sind für dich da.

Kommentare

03:40 29.06.2015
Schön geschrieben, sie hätte sich sicher gefreut
Good luck!
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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2015-06-28 11:54