Willkommen auf Tagtt!
Wednesday, 12. May 2021
Tagebücher » for-now » News, Bilder, Videos - Online
Tagebuch for-now
2011-05-20 16:15
Die erdrückenden Fakten

Möchte man sich irgendwo das Herz ausschütten, fängt man in der Regel von vorne an zu erzählen. Ich glaube in meinem Fall ist das langsam nicht mehr möglich und ich werde wohl rückwärts meine Gedanken und Fakten ordnen müssen. Für ein paar Monate dachte ich noch daran, dass ich alles niederschreiben müsste, um ja nichts zu vergessen - wie aufregend ich das alles fand. Jetzt weicht dieses Aufregende langsam der Normalität und DAS als normal anzusehen, ist bedenklich. Ich bin sowieso leicht bedenklich, wenn man sich ansieht, was ich mit meinen 24 Jahren aus meinem Leben gemacht habe. 

Kommen wir zu den Fakten. Ich bin 24 Jahre jung und habe mit 21 geheiratet. Er war nicht meine große Liebe und auch nicht mein erster Freund. Ich bin in diese Hochzeit reingestolpert und passte dort sehr gut hinein - für meinen Mann ist ein Traum in Erfüllung gegangen und für mich auch, dachte ich zumindest. Ich wollte einen lieben Ehemann, Kinder und eine schöne Wohnung. Dazu ein paar Freunde, einige Tiere und einen super Beruf und mein Leben wäre perfekt gewesen.

Wenn da nicht der Tag gewesen wäre, an dem mein Chef und ich ein wenig zu weit gegangen sind und über die normale Barriere hinaus privat gechattet haben. Locker. Flirtend. Spaßig. Er war auf der Suche, trotz zehn Jahren Ehe und zwei kleinen Kindern. War ich auf der Suche? Nein! Hatte mir etwas gefehlt? Anscheinend. Ich hasse es, dass einem so etwas immer zu spät auffällt und man bis dato gar nicht genau wusste, was los ist. Erst wenn ein Mann daherkommt, dem es ähnlich, genauso oder schlimmer geht, fallen einem die ganzen Sachen auf - der Alltag, die Liebe, der Sex, das Kribbeln. Wo ist all das geblieben? Och, Sex und Alltag hatten wir genug. Von der Liebe und von dem Kribbeln hätte mir mein Mann ruhig etwas abgeben können, das hätte ich auch gerne gehabt. Aber es fehlte mir. Ich war nicht verliebt. Ich schätze und ehre meinen Mann und ich fühle mich ihm gegenüber sehr verbunden. Abgesehen davon, dass er der Vater unseres Sohnes ist und wir jeden zweiten Abend miteinander schlafen, hätte er auch mein bester Freund sein können. Wobei wir dafür wohl zu wenig miteinander reden. Alltag eben.

Mein Chef und ich kamen uns näher. Näher. Näher. Verabredeten uns und waren uns schon vor dem Treffen über einen möglichen Seitensprung im Klaren. Wie kam den so etwas so schnell? Plötzlich war man auf einer Ebene und alles war klar und eindeutig. Keine Fragen. Keine Zweifel. Ich habe mich selbst nicht wiedererkannt. ICH, die in frühen Jahren krampfhaft eifersüchtig war und damit meine erste große Liebe vergrault habe. ICH, die sehr viel von Treue und Familie hielt und dachte, dass alles was ich im Leben möchte, nur ein lieber Ehemann und ein tolles Kind wäre. Habe ich! Ja, und nun? 

Der Seitensprung kam. Aus dem Seitensprung wurde mehr. Wir verliebten uns, ich erfuhr das Kribbeln. Das Aufregende. Den Nervenkitzel. Mein Chef war überhaupt nicht mein Typ, wenn man bis dahin überhaupt "Typ" zu einem Mann sagen konnte. Wir Frauen nehmen diesen Begriff ja immer sehr gerne in den Mund. Wenn man also danach geht, welchem Mann ich in der Vergangenheit "verfallen" war, dann entsprach mein Chef nicht meinem Typ - sowohl äußerlich als auch charakterlich. Ich meine, dass ich auf dunkelhaarige, eher dominant charmante Männer stehe. Mein Chef ist groß, blond und äußerst zurückhaltend devot. Seine Frau herrschsüchtig und laut. Wir gaben uns irgendetwas, was dem anderen fehlte. Uns war klar, dass diese "Liebe" keine Liebe ist, die wir im normalen Leben gehabt hätten. Diese Liebe war etwas außergewöhnlich anderes, etwas das uns einfach Halt gab, uns beisammen hielt und uns gut tat. Nicht mehr und nicht weniger - genau das.

Diese Liebesaffäre hielt einige Monate. Wir trafen uns regelmäßig zu Terminen im Büro (ich Freiberufler, er Chef) und im Cafè, bei mir oder bei ihm. Dann kam unsere Woche in einer anderen Stadt. Der Beruf führte uns in das gleiche Hotel und wir genossen eine Woche im gemeinsamen Zimmer. Es war wahnsinnig gefährlich, denn der gesamte Betrieb war mit im Hotel und wir durften des Öfteren rumtricksen, um niemanden auf uns aufmerksam zu machen. Aber es war auch heiß, es gab uns einen Kick, wir haben es nahezu darauf angelegt, dass es jemand erfuhr. Wir waren leichtsinnig, wir wollten entdeckt werden. Da sprach die Liebe aus uns und der Verstand schaltete sich ab. 

Nach unserer Woche fuhr er zwei Wochen mit seiner Familie weg. Absolute Funkstille durch einen Auslandsaufenthalt. Das brach unsere Affäre. Das zerbrach ihn. Er hielt es nicht länger aus und beendete unsere Affäre, immer wieder kamen wir aufeinander zu, wollten es probieren, wollten uns nicht verlassen. Es ging nicht, es konnte gar nicht klappen mit uns. Nur durch Wut schaffte ich es, mich von ihm zu lösen. Ich versuchte immer mehr Wut anzuhäufen und endlich loslassen zu können - es gelang mir. Monate nach der Trennung von ihm. Dazwischen lagen einige Monate Funkstille und jetzt nähern wir uns wieder sachlich und als Freunde. Er ist nicht mehr mein Chef, denn er hat den Betrieb gewechselt. 

Nach dieser Zeit mit ihm, ich war tottraurig. Mir fehlte das Gefühl. Das Gefühl unbedingt gebraucht und gewollt zu werden. Mein Mann gab mir das Gefühl, aber ich empfand es nicht. Ich spürte es nicht. Er war ja "nur" Alltag. "Nur" der Ehemann. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Nicht, weil ich fremdgegangen bin, sondern weil ich ihn nicht liebte. Weil ich in dieser Ehe steckte ohne meinen Mann zu lieben. Ich hätte all die Energie, Kraft und Liebe so gerne ihm gegeben - er hätte es verdient. Stattdessen war ich auf der Suche nach dem Kick, um mich glücklich zu machen und anschließend meiner Familie Glück zu schenken. Ging es mir gut, strahlte ich das aus und mein Mann bezeichnete mich als "tollste Ehefrau der Welt". Was sollte ich tun? Ich schätze ihn sehr und wollte und möchte ihm nicht weh tun. Er weiß bis heute von nichts und wird es auch nie, so Gott es denn will, erfahren. Dafür schätze ich ihn zu sehr und ich möchte, dass er ein ruhiges und schönes Leben hat. Meinem Sohn will ich zudem niemals seinen Vater wegnehmen, ich möchte, dass er ihn jeden Tag sehen kann. Dass sie sich beide jeden einzelnen Tag haben und wir jeden Tag eine Familie sind. Dass ich dafür gewisse Dinge in Kauf nehme, dafür habe ich mich entschieden und damit lebe ich. 

Nach meinem Chef ging es mir schlecht. Ich war ständig auf der Suche nach dem Kick. Er hatte aus unserer Affäre so einiges gelernt und ihm ging es anscheinend gut danach. Ich stand da, allein und mit der Gewissheit: "Hey, du kannst ja doch noch lieben". Scheiß Gefühl. Diese "Liebe", die wir da hatten, lässt sich natürlich nicht durch ein Fingerschnippsen mit irgendeinem anderen Mann erzwingen. 

Ich ließ mich auf einen Typen ein, der schon über Jahre scharf auf mich gewesen ist. Mein Ex-Chef. Nur um es mal kurz anzumerken - Chefs in meiner Branche und allgemein Kollegen (denn die trifft es irgendwie immer wieder) sind allesamt keine alten Knacker, sondern ganz normale junge Typen. Das liebe ich ja so an meiner Branche. ;) Wenig Frauen, viele Männer, 20-40 Durchschnitt. Herrlich! :P

Er kam in meine Stadt, wir gingen ins Kino, anschließend ins Hotel. Es fühlte sich falsch an. Ich habe schon so oft offen mit ihm geredet, kannte ihn sehr gut, der Sex war schlecht. Seit dem haben wir ein sehr komisches Verhältnis zueinander, ich gehe eher auf Abstand, er ist einer Wiederholung nicht abgeneigt. Gut, dass wir uns nicht sehen, wenn ich das nicht möchte. 

Der Kick blieb aus. Ich flirtete weiter und sendete Signale in mehrere Richtungen aus. Es traf einen Kollegen. Ebenfalls vergeben und in der Nähe meiner Stadt wohnhaft. Wir arbeiteten gerade an einem gemeinsamen Projekt (freiberuflich) und flirteten ein wenig miteinander. Wir trafen uns zum Kinect-Abend in meiner Wohnung. Ehemann verreist. Ja, Kinnect war an diesem Abend auch dabei, doch schon währenddessen fing er an, an mir herumzufummeln. Anscheinend waren meine Signale äußerst deutlich. Auch er entsprach überhaupt nicht meinem Typ, denn er war schmächtig, richtig richtig schmal und so etwas mag ich in der Regel überhaupt nicht. Dafür war er aber dominant, auch beim Sex und dadurch war es dann doch richtig nett, wenn ich auch ständig an seine Statur denken musste, die so gar nicht zu mir (normal fraulich) passen wollte. Danach unterhielten wir uns gute drei Stunden über ihn und seine Beziehung und er ging mit einem guten Gefühl und vielen guten Ratschlägen zur Verbesserung der Beziehung wieder nach Hause. Wir sind noch immer befreundet, als hätte der Sex niemals stattgefunden. Hatte ich erwähnt, dass es der kleine Bruder von meiner Chef-Affäre gewesen ist? *lach* Er wusste auch von unserer Affäre, weil mein Chef es hat durchblicken lassen bei ihm. Umgekehrt weiß er aber bis heute nichts, außer er hats seinem Bruder anvertraut. 

Der Kick blieb aus. Schon Monate zuvor flirtete ich mit einem weiteren Kollegen, der mit meinem Chef und seinem kleinen Bruder und mir zusammenarbeitete. Wir trafen uns einmal im Monat zum Meeting und machten uns mit unseren Blicken scharf. Dazwischen folgten gelegentlich mal eins zwei Chat-Nachrichten, in denen klar war - wenn die Situation mal passt, dann wollen wir uns unbedingt mal beschnuppern. Auf dem Weg nach Hause von einem Meeting küsste er mich unvermittelt. Nur einmal ausprobieren hieß es. Er konnte nicht gut küssen, aber scharf sah er aus. Ich war schon ewig unglaublich heiß auf ihn. Ein toller Typ! Fast 40, dominant, reif und unfassbar gutaussehend. Natürlich ebenfalls verheiratet. 

Im Januar stand ein Event an, bei dem ich und ein Kollege (wohnen beide sehr weit entfernt) teilnehmen sollten. Haben wir auch. Der Veranstalter zahlte Essen und Getränke, wir kippten ein paar Gläser und zogen anschließend gemeinsam um die Häuser. Schon nach der Taxifahrt küssten wir uns mitten auf der Straße und zogen anschließend noch durch die Bars. Tanzten. Feierten. Tranken. Landeten in meinem Hotelzimmer, badeten gemeinsam und setzen das ganze Badezimmer unter Wasser (am nächsten Morgen habe ich mich wirklich über das Chaos erschrocken) und hatten unfassbar guten Sex. Auch ein sehr sehr heißer Mann, Mitte 30, verheiratet und an einer längeren Affäre interessiert. Er kam eine Woche später nochmal in meine Stadt, wir buchten ein Hotel und genossen ein paar Stunden zusammen. 

Dann stand im Frühjahr ein berufliches Wochenende an, bei dem jede Menge Personen aus der Branche anwesend waren und auch wir beiden erneut von unserer Firma. Er festangestellt, ich wie immer freiberuflich. Wir chatteten zuvor bereits wild und schmiedeten Pläne für das Wochenende. Ein Besuch im Swingerclub! Am Freitag jedoch holte ich zuerst meinen Kollegen (von damals mit den Meetings) ab und wir setzten unseren "wenn die Situation mal passend ist"-Plan in die Tat um. Gingen etwas trinken, feiern und landeten anschließend in seinem Zimmer. WoW! Das ist seit Jahren der beste Sex überhaupt gewesen. Der Typ sieht nicht nur wahnsinnig gut aus, lässt sich sogar beim Küssen anlernen (jetzt ist es toll) und weiß auch im Bett genau, was er tut. Ihm ist jedoch (trotz Branchenkontakt) absolute Funkstille dazwischen wichtig und ich denke, dass wir uns erst im Sommer zum nächsten Event treffen werden. Das läuft eine Woche und da lässt sich sicher die ein oder andere Gelegenheit schaffen... ;) 

Am Samstag... auf dem Event traf ich meinen Kollegen, mit dem ich dort ein paar Termine wahrnehmen musste. Gegen fünf verließen wir das Event und fuhren in sein Hotel. In unser Hotel für die Nacht, wir buchten sogar gemeinsam, man hielt uns für ein Paar. Lustig war jedoch, dass die Angestellte am Empfang direkt wusste, wohin wir wollten, als wir uns dann ein Taxi auf acht Uhr bestellen wollten. Wahnsinn... anscheinend ist der Swingerclub dort die einzige Anlaufstelle in dem winzigen Ort, wenn man sich ein Hotel ein paar hundert Meter entfernt bucht. 

Gegen acht waren wir mit einem anderen Paar verabredet und betraten zum ersten Mal einen Swingerclub. Dort verbrachten wir eine richtig heiße Nacht, in der wir ein wenig "Partnertausch" vornahmen, bei dem es jedoch nicht zum Geschlechtsverkehr kam. Auch ein Mann/Mann/Frau-Dreier war für mich drin, ebenfalls ohne Geschlechtsverkehr. Der Swingerclub hatte eine Tanznacht an diesem Abend und es wurde richtig geile Musik gespielt. Für rund 100 Euro als Paar konnten wir das Buffet und sämtliche Getränke an der Bar nutzen. Acht Stunden in Dessous und Stiefeln tanzen - dazwischen ein bisschen auf den Matten schmusen und wieder tanzen. SEHR TOLL! Wir wollen es wieder tun und fassen schon die nächsten Termine ins Auge. Leider können wir uns durch die Entfernung nur sehr sehr selten sehen... aber na ja. 

Das war's. Mehr gab es nicht. Und das ist alles in nur EINEM Jahr passiert!! Nach der Affäre mit meinem Chef scheine ich ein wenig abzudrehen und suche ständig den Kick. Ich hoffe ihn jetzt durch den Swingerbesuch und einer langfristigen Affäre (die aber tatsächlich ausschließlich auf Sex beruht und nichts mit Gefühlen zu tun hat) zu finden und zumindest mit den Seitensprüngen aufzuhören. Wobei... dieser Kollege, der so unfassbar gut im Bett war. Den sollte ich im Sommer noch einmal aufsuchen, meine Güte... war das gut!

Tja, das sind die Fakten. Verheiratet. Kind. Freiberufler. Lauter Affären und Swingerclub-Erfahrung. Heideschlag! 

Kommentare

19:38 22.05.2011
Hehe, ihr seid ja süß. Mit einer Reaktion hatte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet, aber interessant zu sehen, wie diese Story auf andere wirkt. *grübel* Was ich daran genieße, kann ich gar nicht genau sagen. Einerseits den Sex und andererseits auch das Verbotene, das Kribbeln, das Aufregende. Das, was ich hier nicht habe - ganz typisch also irgendwie. An eine offene Ehe habe ich schon oft gedacht. Der Besuch mit meinem Mann im Swingerclub könnte hier so einiges wieder beleben glaube ich. Aber er ist so unglaublich glücklich und monogam, ich denke schon seit Monaten daran, dass ich - für den Fall, dass der Moment mal kommen sollte - definitiv im Kopf habe, so etwas vorzuschlagen. Aber das macht man ja nicht mit links.
Ich hoffe, dass der große Knall ausbleibt - das ist naiv, ich weiß. Aber hoffen darf man ja. Vielleicht brauchen wir aber auch einen Knall, der uns in eine offene Ehe treibt. Ich weiß es nicht. Ich hab's ja geschrieben: Wie gerne würde ich die Lust und die Energie meinem Mann schenken, er hätte es verdient - aber gefühlstechnisch ist da leider gar nichts. :(

Aber ganz lieben Dank für eure Kommentare!
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
Löschen | Abbrechen


unbekannt
07:52 21.05.2011
Klingt aufregend. Hätte ich grad auch alles gern Aber ich gebe Lucky recht, der Knall wird nicht ausbleiben...

Kommentar löschen
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
Löschen | Abbrechen

02:01 21.05.2011
genießt du das verbotene, heimliche - oder den sex? falls letzteres, vielleicht kannst du deinen mann ja auch für eine offeneRe ehe anfixen und so die eheliche basis stabilisieren und sichern? ansonsten ist der große knall mit trennung natürlich vorhersehbar und als alleinerziehende ist der spaßfaktor dann wohl doch eher begrenzt
ansonsten noch nachträglich alles gute zum geburtstag und ein gutes und dramafreies neues lebensjahr
Good luck!
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
Löschen | Abbrechen

20:05 20.05.2011
ich hoffe nur, dass du nie einem meiner kerle über den weg läufst
ansonsten seis dir gegönnt, wenn du meinst, dass dus brauchst.
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
Löschen | Abbrechen

Kommentieren


Nur für registrierte User.

for-now Offline

Mitglied seit: 20.05.2011
34 Jahre, DE mehr...
Wirklich beenden?
Ja | Nein

2011-05-20 16:15