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Tagebuch Endlessly
2005-05-15 17:06
Meine Geschichte (erfunden), Kapitel 1
Dies ist das erste und das letzte Mal, dass ich diese Geschichte erzählen werde. Wenn ich mit ihr fertig bin, werde ich sie nie wieder erzählen. Nie wieder wird ein Wort davon über meine Lippen kommen oder in irgendeiner Form von mir zu Papier gebracht. Ich werde sie verschliessen und sie in meinem Herzen aufbewahren, in meiner unsterblichen Seele. Dies ist die Geschichte wie ich die Liebe meines Lebens verloren habe, und es gibt keinen Weg sie wieder zu bekommen.
Es war ein Neujahrsabend als mein Freund mich verlassen hat. Ich weiss nicht genau warum, ich habe es nicht ganz verstanden, aber es hatte wohl etwas mit einer Frau und einer Bar zu tun. Es hat angefangen mit "Das hier macht keinen Sinn mehr, ich habe jemand anderes kennengelernt" und endete mit "Auf Wiedersehen, hat Spass gemacht mit dir". Habe ich geschrien? Habe ich geweint? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich habe ihn nur weggehen sehen, wie er mir ein letztes Mal zugewunken hat. Alles woran ich mich erinnern kann, ist, dass der Bastard mir eine meiner schönsten Halsketten gestohlen hat und alle Klamotten mitgenommen hat, die ich ihm geschenkt hatte- und die waren bei weitem nicht billig. Im Nachhinein hätte ich sie vor seinen Augen verbrennen sollen oder zur Altkleidersammlung bringen sollen. Ich wette ein Mann hätte sich über einen Versace-Anzug gefreut.
Ich habe wochenlang nicht meine Wohnung verlassen. Es schien als ob alles um mich herum zusammenfiel. Niemand der mich umarmte, niemand der mit mir redete, kein warmer Kaffee am Morgen, kein "Guten Morgen, Liebling". Meine beste Freundin Laura kam oft vorbei um mich aufzuheitern, oder mich dazu zu bringen den Bastard zu hassen. Aber alles was da war war dieser Schmerz, dieser übermäßige Schmerz, der einfach nicht wegzugehen schien. Und egal wie viele Valium ich auch nahm, mein Schlaf war nie friedlich zu dieser Zeit. Ich schloss meine Augen und sah ihn, sein Lächeln, seine Augen und fühlte seinen Körrper neben meinem. Der Traum war wundervoll, bis er die Worte sagte die mir das Herz brachen. Danach wachte ich immer schweissgebadet auf, mit einem tränenüberströmten Gesicht, als ob ich den schlimmsten Albtraum meines Lebens hinter mir hätte.
Es war schliesslich Laura die mir half: Sie nahm all seine Bilder und verbrannte sie, sie kaufte mir neue Klamotten, stellte den Fernseher aus, warf meine Valium weg und schrie mich an "Was weinst du dem Bastard überhaupt eine Träne nach? Lass ihn doch in der Hölle schmorren und mit dieser dämlichen hässlichen Tussi abziehen! Wir finden was besseres für dich! Der Idiot wird sich noch umschauen!". Rückblickend gesehen hatte sie recht. Er hatte mich nie verdient, und auch nicht diesen Schmerz und meine Tränen. Aber dieser Schmerz war nichts im Vergleich zu dem, was vor mir lag.
Sie schleifte mich zum Friseur, kaufte mir neue Sachen (im Eifer des Gefechts hatte sie nicht nur Sachen verbrannt, die er zurückgelassen hatte, sondern auch ein paar, die mir gehört hatten, die sie aber als scheusslich empfand) und schmiss ich unter meinem heftigsten Protest- ich nannte sie mehr als einmal "Zimtzicke" und "Miststück"- aus dem Bett und zwang mich, meinen heissgeliebten Fernseher zu verlassen. Zu dieser Zeit war ich versessen auf Filme, in denen Männer getötet wurden. Schliesslich tat sie das "einzig Richtige" und mietete ein Haus in Irland für mich, dem Land der "Elfen und Kobolde".
Das Haus war direkt an den Klippen gebaut, ein verträumtes kleines Häuschen mit einem schwarzen Dach, weissen Aussenwänden und Rosen über Rosen im Vorgarten. Zwischen den Rosen fanden sich auch noch Lilien und hin und wieder eine Sonnenblume. Es war ein Traum. In meinem ganzen Leben war mir noch nie ein Haus so lebendig und gleichzeitig so ruhig vorgekommen. Ich konnte mich ins Gras legen und den Sonnenuntergang über dem Meer betrachten während ich mir ein Sandwich genehmigte oder einfach nur leise Musik hörte. Diese Ruhe tat mir gut und ich war, nachdem mich mein Ex verlassen hatte, endlich wieder glücklich. Inmitten dieser Sonnenuntergänge, der langen Spaziergänge, des Malens- ich liebe es zu malen- und der Picknicks hatte ich endlich wieder zu mir selbst gefunden. Mir fehlte absolut nichts. Weder die Grossstadt, noch die dort lebenden Menschen. Allein Laura konnte sicher sein von mir zu hören, und sie war erleichtert, dass Irland mir zu helfen schien. Ich fühlte mich frein, niemand konnte mir wehtun oder mich stören, und so gab es nur mich, das Meer und das Sandwich in meiner Hand.
Leider gab es aber einige Leute, die mich unbedingt wieder sehen wollten. Mein Chef zum Beispiel, der mir aufgrund meiner überstürzten Abreise die Hölle heiss zu machen drohte. Ich arbeitete für eine PR Agentur in London, und offensichtlich hatte mein Chef beschlossen, dass ich genau zu dieser Zeit unabkömmlich war. Er benutzte sogar meinen vollen Namen, als er mich auf meiner Mailbox zusammenschrie, sonst nannte er mich nur Lisa. Zum Glück konnte er sich beherrschen, das "blöde Kuh" blieb mir erspart, dass er sonst seinen Sekretärinnen an den Kopf warf. Ich rief ihn schliesslich an meinem vorletzten Tag an, und unglaublicherweise war er sehr verständnisvoll. Bei genauerer Nachfrage fand ich heraus, dass Laura ihn angerufen hatte, ihn einen "arroganten Arsch", "unfähigen Idioten" und "Mann" genannt hatte. Einschüchterung half bei diesem Mann offensichtlich, oder er wusste einfach nur, dass die Frau am Telefon eine wandelnde Furie war. Mein Job blieb mir erhalten.
An meinem letzten Tag lag ich am Nachmittag in der Sonne und genoss die Wärme, während ich die Vögel hörte, die im nahegelegenen Wald ihr Lied zwitscherten. Ich hätte meine Eltern verkauft um noch bleiben zu können, wenigstens für eine Woche oder zwei.
Irgendwann spürte ich einen Schatten auf meinem Gesicht und hatte das Gefühl, dass mich jemand ansah. Beim Öffnen der Augen sah ich einen Mann, der mir ins Gesicht lachte und den mein Anblick offensichtlich zu erfreuen schien- ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, meine guten Kleider zu tragen, sondern hatte nur Jeans und ein T-Shirt an, auf dem stand "I'm not strange, you are". "Hi, was tun Sie hier?", fragte ich ihn nicht besonders freundlich. Das letzte, was ich an diesem Tag wollte war ein Mann, auch wenn ich über das männermordende Stadium hinweg war. "Nichts besonderes, ich habe nur einen Spaziergang gemacht und bin hierher gelaufen." Na klasse, wieso konnte er nicht in den Wald laufen?, dachte ich mir. "Mein Name ist übrigens Kevin, Kevin Richards." Entzückend, wollte ich das wissen? "Ok, das ist schön, würden Sie mir jetzt bitte aus der Sonne gehen? Ich versuche mich hier zu entspannen." Er machte keine Anstalten, zu gehen. Ich seufzte und beschloss, ihm zumindest mitzuteilen, wer so unfreundlich zu ihm war. "Ok, ich heisse Lisa Kare, würden Sie mich jetzt bitte in Ruhe lassen? Ich will keine Gesellschaft, dafür bin ich nicht hergekommen." "Und weswegen sind Sie hier?" Er kniete nieder und sah mich an, offensichtlich hatte er keine Lust mehr, zu mir herunter zu sehen. Er sah ziemlich gut aus, schwarze Haare, grüne Augen und ein nettes Lächeln- wenn ich zum Flirten aufgelegt gewesen wäre, hätte ich keine Sekunde gezögert. Allerdings war heute nicht sein Tag. "Verzeihung, aber ich denke nicht, dass Sie das etwas angeht." Unglaublicherweise lachte er mich an. Wer zum Teufel war der Typ? Und was bildete er sich eigentlich ein? Ich hatte doch klar und deutlich gesagt, dass ich meine Ruhe haben wollte, war er denn schwer von Begriff oder missverstand er mich absichtlich? "Schon gut, schon gut, ich gehe ja schon. Übrigens, wie gefällt ihnen das Haus?" "Es ist ziemlich schön." "Gut, es gehört nämlich mir." Bevor ich etwas erwidern konnte, stand er auf und ging. Nicht dass ich etwas erwidert hätte, der Mann hatte mich sprachlos gemacht.

Kommentare

23:06 15.05.2005
Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit! Wird in den nächsten Tagen erscheinen!
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20:25 15.05.2005
Das ist eine traurige Geschichte....gleichzeitig sehr schön. Und sie macht neugierig auf eine Fortsetzung. Gibt es eine?
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2005-05-15 17:06