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Tagebuch Doc12
2010-09-23 08:54
Der weinende Clown - 63

Er nahm sein Handy und wählte die Nummer.

„Hallo Bruno, lange nichts mehr gehört.“
„Hallo Gott, wie läuft’s bei dir?“
„Es plätschert so dahin – wie schon seit Äonen.“
„Und gesundheitlich?“ feixte Bruno und grinste über das ganze Gesicht.
„Du beliebst zu scherzen, mein Freund.“
„Du merkst auch alles.“
„Verzeihung. Gott – allwissend.“
„Dann brauche ich dir die letzten Neuigkeiten gar nicht zu erzählen, oder?“
„Eigentlich nicht.“
„Aber sag mal, musste das sein, dass der kleine Karsten abgestürzt ist und sich eine Gehirnerschütterung geholt hat?“
„Der war selbst schuld, ich kann da absolut nichts dafür. Er hat nicht auf seine Mutter gehört – und du weißt: Jede Wirkung hat eine Ursache... Ich greife da selten ein, es läuft ganz automatisch. Hab ich dir doch schon gesagt. Außerdem hatte es einen Vorteil.“
„Ach!“
„Du musstest dich intensiv um den Jungen kümmern. Das bindet. Er mag dich und vertraut dir.“
„Ich will keine Vaterrolle übernehmen, Herr! Bitte nicht!“
„Und weshalb nicht? Du wärest ein guter Vater und könntest einem Kind allerhand vermitteln.“
„Nein! Nicht du auch noch!“
„Es ist die Wahrheit“, beharrte Gott.

„Außerdem weiß ich nicht, ob ich die Mutter des Jungen wirklich liebe.“
„Momentan bist du verliebt, mein Sohn. Es ist zumindest ein Anfang.“
„Ja, aber es ging alles so schnell. Wie ist das möglich? Obwohl ich sie erst ein paar Tage kenne, habe ich bereits Sonntag Nacht mit ihr ...“
„Ich weiß, dass du mit ihr geschlafen hast. Aber die Initiative ging von ihr aus. Du bist unschuldig und standest genau genommen unter Handlungszwang – ich verstehe das doch. Außerdem hattest du Alkohol in dir und warst nicht klaren Sinnes. Diese Sünde ist dir vergeben.“ Gott lachte schallend.
„Quatsch!“, entfuhr es Bruno, „Ich habe das noch nie als Sünde betrachtet!“
„Ist doch gut, mein Freund, ist doch gut! Warum regst du dich auf? Wenn ich es nicht befürworten würde, hätte ich euch euer Spielzeug nicht gegeben, sondern es so gemacht wie mit den Bienen und den Blumen. Aber ich wusste von Anfang an: Neunundneunzig Prozent aller Männer – bis auf Priester und Mönche – wären nicht damit zufrieden, eine Frau nur zu bestäuben.“ Ein dröhnendes Lachen kam aus dem Handy.

„Und ich wette fast, neunundneunzig Prozent aller Frauen wären mit einer Bestäubung auch nicht ganz glücklich“, entgegnete Bruno.
„Du hast Recht. Es hätte aber Vorteile für die Männer.“
„Ach so? Und welche?“
„Dann könnten die Männer endlich auch einmal behaupten: Ätsch, ich habe diese Bestäubung nur vorgetäuscht ...“
Bruno musste schallend lachen. „Und das aus göttlichem Munde ...!“

„Ach, siehe mein Sohn – ich sehe das locker. Nur manche Leute machen so ein Trara um die Sache. Meine Ansicht ist immer schon die gewesen: Wachset und vermehret euch – so steht es geschrieben – aber überschreitet bitte nicht die Zehn- Milliarden-Grenze, sonst wird es eng ...“
„Dennoch: Mir ist nicht so richtig wohl bei der Sache. Mir geht das alles zu schnell mit Sarah. Es macht mir irgendwie Angst.“
„Dann solltest du dich besser in deine Yucca-Palme verlieben – das ist risikoloser.“
„Ach was!“

„Doch, wahrlich, denn ich sage dir: Du brauchst dich der Yucca-Palme gegenüber nicht öffnen und sie kann dich nicht verletzen.“
„Was soll das nun wieder? Ich versteh’s nicht. Erklär mir das genauer.“
„Mein guter Bruno! Wie alt bist du eigentlich, hm? Du müsstest doch genügend Erfahrung haben, dass man dir diese Dinge nicht mehr erklären muss!“
„Vielleicht bin ich schon zu alt und habe einiges vergessen ...“, murmelte Bruno.
„Du? Mit deinem Gedächtnis? Noch vor Kurzem hast du dich gebrüstet und damit angegeben, dass du nicht vergessen könntest ...“
„Das gilt vermutlich nicht für alle Lebensbereiche.“

„Gut. Zunächst beseitigen wir mal einen Mythos: Für die Liebe ist man nie zu alt, denn sie ist zeitlos und ewig, weil sie aus mir kommt. Nun, mein Sohn, so fange ich bei Adam und Eva an: Willst du einen Menschen lieben, dann musst du bereit sein, ihn ganz in dir aufzunehmen. Du musst dich öffnen, ohne zu wissen, wie er sich daraufhin verhalten wird und du musst das Risiko auf dich nehmen, verletzlich zu sein – ohne zu wissen, welche Probleme er dir aufbürdet. Die Angst, die du vor Sarah hast, ist lediglich die Angst, nicht von ihr geliebt zu werden. Aber sei unbesorgt, sie hat dich und deine Individualität bereits angenommen und damit einen guten Grundstein für eine Beziehung gelegt. Momentan seid ihr verliebt – ein sehr angenehmer, anregender Zustand, der noch mit sehr viel Phantasie verbunden ist.“

Kommentare


unbekannt
09:59 23.09.2010
Mh...ich bin ja beharrlich

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08:55 23.09.2010
Ich glaube, dass wird nix mehr.
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2010-09-23 08:54