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Tagebuch Doc12
2010-09-21 08:11
Der weinende Clown - 61

Seltsam. Er war im Zwiespalt. Obwohl er einerseits froh gewesen war, wieder allein zu sein und seine eigenen vier Wände um sich zu haben, in denen er sich einigermaßen sicher fühlte, so empfand er jetzt so etwas wie eine schon lange nicht mehr gekannte Einsamkeit – und dieser Zustand kam nicht nur etwa daher, dass er abgeschieden in seiner Wohnung war. Nein – da war gleichzeitig auch eine unerklärliche innerliche Leere. Was war das? War Sarah daran schuld? Über Jahre  war er allein gewesen, sich selbst genug. Er war die Zurückgezogenheit gewöhnt, hatte sich freiwillig in die Isolierung begeben und dabei nichts entbehrt. War es dennoch möglich, dass er sie bereits vermisste, kaum zwei Stunden nach ihrem  Auseinandergehen?
Liebte er sie wirklich? Oder war sie nur eine willkommene Abwechslung in der Eintönigkeit seiner Tage? Wenn er sie liebte, wie konnte das so schnell geschehen? Innerhalb so kurzer Zeit? Wie war es ihr gelungen, seelisch so in ihn einzudringen, dass er kaum etwas tun konnte, ohne an sie zu denken? Was genau war da passiert?
Zögernd nahm er sein Handy. Sollte er oben nachfragen? Schließlich kam er zu der Überzeugung, es wäre wohl das Beste, zudem hatte er sich schon lange nicht mehr gemeldet. Doch kaum, dass er damit begonnen hatte, die Nummer einzutippen, fiel ihm schlagartig ein, dass heute Sonntag war – und da kam sein Anruf höchstwahrscheinlich ungelegen ...
Bruno beschloss, den Anruf auf den nächsten Tag zu verschieben, erst einmal eine Nacht drüber zu schlafen – und eigentlich hatte er ja vorgehabt, seine Wohnung auf Vordermann bringen ...
So holte er Schrubber, Lappen, Putzkübel und Reinigungsmittel aus dem Schrank, begann sorgfältig und beinahe andächtig, die Bodenfliesen von Küche, Flur und Bad zu putzen und freute sich anschließend über die glänzenden Fliesen. So muss es einer dem Putzwahn verfallenen Hausfrau gehen, dachte er amüsiert. Dann überzog er sein Bett frisch, sortierte die Schmutzwäsche, befüllte die Waschmaschine und fing später damit an, die Möbel abzustauben und  zu polieren.
Gegen Abend verspürte er ein ungutes Gefühl im Bauch, sein Magen begann zu knurren und forderte seinen Tribut. Er schlug sich schnell ein paar Eier in die Pfanne und entschied sich dann dafür, an seinem Roman weiterzuarbeiten ...

„Mama, ich möchte eine Gitarre. Ich will Gitarre spielen lernen“, sagte Donatello eines Tages zu seiner Mutter.
„Du weißt doch, mein Sohn: Für so etwas haben wir kein Geld. Weder für eine Gitarre, noch für einen Lehrer. Wenn du ein Instrument richtig gut lernen willst, solltest du Unterricht nehmen – und das kostet eine Menge Geld. Lern du erst mal was Vernünftiges und hab nicht solche Hirngespinste im Kopf. Wenn ich an deine schulischen Leistungen denke ... “
„Ach Mama – ich möchte mit ein paar Klassenkameraden eine Beatband gründen. Die andern haben alle ...“
„... vermutlich mehr Geld als wir“, ergänzte seine Mutter und fuhr fort ...


Er brach ab, las die lustlos und mühevoll in die Tastatur getippten Sätze und stellte fest, dass er nicht in der Stimmung war, um zu schreiben. Es lief einfach nicht, so sehr er sich auch quälte. Zudem wusste er nicht, wie er die Geschichte weiterführen sollte. Ihm fehlte anscheinend die Inspiration von oben ...
Vielleicht bin ich auch nur zu müde, dachte er – ich sollte ins Bett gehen und mich wieder einmal richtig auspennen. Er nahm ein heißes Bad und legte sich schlafen.

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2010-09-21 08:11