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Tagebuch Doc12
2010-11-29 18:37
Der weinende Clown - 128
Wieder zu Hause, war sein erster Griff zum Handy.

„Nun Bruno, wie geht’s?“, fragte Gott.
„Nicht sonderlich gut. Und Sarah übrigens auch nicht. Musstest du ihr das ausgerechnet jetzt antun?“ Brunos Stimme klang vorwurfsvoll.
„Dumme Frage, mein Sohn! Wenn nicht jetzt, wann dann? Ihr richtet euch nach meinen Gesetzen und nicht umgekehrt. Hätte ich dich oder jemand anderen vielleicht vorher fragen sollen, ob es so genehm ist?“
„Natürlich nicht. Aber Karsten hätte seine Oma durchaus noch ein paar Jahre brauchen können, meine ich.“
„Ihre Zeit war abgelaufen.“
„So einfach ist das also für dich?“
„Genau. So einfach ist das für mich.“
„Aber warum?“
„Was warum?“
„Weshalb musste sie sterben? Sie war doch gesund und putzmunter.“
„War sie eben nicht. Sie hatte schon seit Jahren Herzprobleme, nur hat sie nie darüber geredet. Außerdem ist sie nicht gestorben, sondern nur in einem anderen Zustand. Wenn eine Raupe stirbt, wird ein Schmetterling geboren. Gerade du solltest das wissen, denn auch darüber haben wir schon einmal gesprochen. Und sie hatte ihre Bestimmung in diesem Leben erfüllt.“
„Aber das nützt Sarah und dem Jungen nichts. Bestimmung? Bestimmung hin, Bestimmung her – ich kann mit diesem Begriff nichts anfangen, lieber Gott. Das musst du mir schon genauer erklären“, meinte Bruno.

„Gut, wenn du willst ... Aber dazu muss ich etwas ausholen.“ Nach einer kleinen Pause fuhr Gott fort: „Das Leben hat einen Sinn, auch wenn du selbst ihn für das deinige schon oft hinterfragt und nicht erkannt hast. Die Bestimmung eines Menschen ist es, seine Aufgaben zu erfüllen und das heißt nichts anderes, als dass ihr euch in meinem Sinne verwirklichen sollt. Ihr seid im Grund dazu ausersehen, vollkommen zu werden – doch momentan seid ihr noch sehr weit davon entfernt, aber es besteht Hoffnung, denn die Menschheit steht erst am Anfang ihrer Existenz. Sie wird sich verändern. Und wie ich schon einmal sagte: Der Mensch ist ein Geistwesen, auch wenn er tief im Materiellen verwurzelt ist. Ich habe dir einmal gesagt, dass Gedanken die größte Kraft des Universums sind, denn Gedanken sind Taten, so unglaublich dies für dich klingen mag und das, was ein Mensch immer wieder denkt, tritt in sein Leben und sein Denkinhalt wird zu einem Teil seines Wesens. Jedoch ist es nicht die Erkenntnis, die Einfluss auf die Seele nimmt. Es kommt nicht darauf an, was jemand weiß oder glaubt, der Stand seines Wissens ist nicht maßgebend, sondern es kommt lediglich darauf an, wie er handelt und was er tut. Die Seele mag sich vielleicht im materiellen Bereich auszudrücken versuchen, doch immer ist der Geist der Verursacher, der Motor, der antreibt und über alle Ebenen hinweg wirkt. Tut der Mensch etwas im materiellen Bereich, muss er es materiell bezwingen, verursacht er geistig etwas, setzt er sich geistig mit dem Problem auseinander und tut er etwas mit der Seele, dann muss er sich seelisch damit auseinandersetzen. Es ist also ganz einfach, wie du siehst.“

„Klare Worte“, bemerkte Bruno.
„Ich bin das Alpha und das Omega – der Anfang und das Ende und ihr alle tragt einen Teil meines Geistes, der schöpferisch ist. So ist alles Wachsen, jede Entwicklung, alles Schaffen zunächst einmal eine Anregung, die aus dem Geist kommt – aus meinem Geist. Er ist überall, selbst in der Materie – und er ist stets meinem Willen unterworfen, über die Seele auch dem euren und damit habt ihr einen Anteil auf ein Recht an der Schöpfung, die ihr nicht immer sehr gut behandelt. Hast du das verstanden?“
„Klingt zwar etwas kompliziert, aber bis hierher kann ich noch folgen“, erwiderte Bruno.

„Aber was ist das nun genau – die Bestimmung des Menschen?“, hakte Bruno nach.
„Ihr sollt euch zu immer höheren Höhen aufschwingen, so lange, bis ihr wieder mit mir vereinigt seid – und dies unter Beibehaltung eurer Individualität“, antwortete Gott und fuhr fort: „Das ist die eigentliche Bedeutung des Lebens, dies ist der tiefere Sinn und dazu seid ihr bestimmt – und es ist mir völlig egal, wie lange ihr dazu braucht. Ich habe mehr Zeit als ihr alle zusammen, denn euch beherrscht die Zeit, ich jedoch beherrsche sie. Die Erde ist eure Spielwiese, euer Spielball, nenne es wie immer du willst – und auf ihr probt ihr eure Entwicklung, ihr habt euch zunächst auf der materiellen Ebene zu bewähren, seid deren Versuchungen ausgesetzt und erst, wenn ihr gelernt habt, damit umzugehen und ihnen zu widerstehen, dann erst seid ihr reif für die nächste Stufe.“
„Dies ist eine fast übermenschliche Aufgabe!“
„Ihr seid auch Übermenschen – nur der allergrößte Teil von euch hat das Über vergessen und genau das ist euer Problem“, antwortete Gott lachend und meinte weiter: „Macht euch klar: Der Weg ist schwerlich und dornig, es gibt dafür keine Formel, ein Gebet nützt nichts, auch keine geistige Akrobatik und ganz sicher auch keine bewusstseinsverändernde Droge. Ihr geht diesen Weg und keinen anderen und glaube mir: Ich bin da knallhart und ich denke, du weißt nun Bescheid.“
„Ich weiß Bescheid“, murmelte Bruno

„Sonst noch was?“
„Nein, momentan nicht. Ich werde Sarah jetzt mit Rat und Tat unterstützen, denke ich.“
„Eine hervorragende Idee. Du solltest bei ihr bleiben, denn ihr gehört zusammen. Hast du schon einmal daran gedacht, sie zu heiraten?“
„Das hat mir Donatello auch schon gesagt, aber ich sehe keinen Sinn darin. Die Ehe ist eine menschliche Erfindung und ich halte nicht all zu viel davon. Außerdem weiß ich nicht, ob ich Sarah das geben und sein kann, was sie braucht und erwartet. Ich tu doch überhaupt nichts für sie, wenn ich ehrlich bin.“
„Du gibst ihr sehr viel – mehr als du glaubst. Nur weißt du es nicht. Doch gesegnet sind diejenigen, die geben können, ohne sich daran zu erinnern und diejenigen, die nehmen können, ohne es zu vergessen, mein Freund. So lautet ein Sprichwort.“
„Das habe ich nie so gesehen. Ich weiß nicht ...“
„Das mag sein – aber für den Jungen wäre es besser, zudem lebst du in einer Gesellschaft, die Regeln hat. Und wenn du weiterhin in dieser Gesellschaft leben willst, dann solltest du dich wenigstens zum Teil deren Regeln unterwerfen – auch wenn dir viele davon unverständlich, unsinnig, überflüssig oder äußerst bürokratisch erscheinen und dir tiefst zuwider sind. Und im Übrigen solltest du konsequent sein, denn wer A sagt, muss auch Limente zahlen ...“
„Was soll denn das nun wieder heißen? Auf der einen Seite drückst du dich glasklar aus und dann wieder sehr geheimnisvoll. Da soll sich ein Mensch noch auskennen ...“
„Das ist auch nicht nötig, mein Guter. Keiner – nicht ein einziger unter euch – wird jemals den Plan Gottes durchschauen, dafür seid ihr mindestens drei Nummern zu klein“, kam es lachend aus dem Telefon.

„Ok, akzeptiert. Du wirst schon wissen, was du tust“, entgegnete Bruno grinsend.
„Da kannst du ganz sicher sein. Und nun versuche, weiterhin ein guter Mensch zu sein ...“
„... und sündige nicht mehr als unbedingt nötig, denn du bist nicht mehr der Jüngste und musst mit deinen Manneskräften haushalten“, ergänzte Bruno lachend und beendete das Gespräch.

Kommentare


unbekannt
06:15 30.11.2010
*seufz*

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18:38 29.11.2010
Nur gut, dass es bald vorbei ist. Das ist ja nicht auszuhalten.
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2010-11-29 18:37