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Tagebuch Doc12
2010-12-07 23:39
Der weinende Clown - 132
Nachdem sich Donatello verabschiedet hatte, räumte Bruno noch kurz die Gläser vom Tisch, dann schnappte er sich das Handy und wählte ...

„Hallo Bruno.“
„Ich habe es ihm gesagt.“
„Ich weiß. Passt schon. Und jetzt wolltest du mich fragen, ob du es Sarah auch erzählen darfst, nachdem sie unbedingt wissen will, wer Gottfried ist.“
„Unglaublich, wie du immer alles sofort weißt.“
„Wundert dich das? Ich bin ja auch in dir – da bekomme ich so einiges mit, glaub mir“, antwortete Gott lachend.
„Und wie lautet die Antwort?“, wollte Bruno wissen.
„Darauf gibt es keine Antwort. Diese Entscheidung überlasse ich völlig dir, mein Sohn. Doch eines sollst du wissen: Ab dem Moment, wo du es ihr erzählt hast, bin ich nicht mehr für dich erreichbar. Zumindest nicht mehr mit dem Ding, das du Handy nennst. Wir werden dann nicht mehr auf diese Weise miteinander sprechen wie wir das jetzt tun. Das ist der Preis, den du bezahlst.“
„Das ist unfair!“, entfuhr es Bruno heftig.
„Nein, es ist nicht unfair, denn diese Gespräche werden dann nicht mehr nötig sein, denn siehe: Ich habe dir soviel erzählt, dir viele Fragen beantwortet, du weißt nun, auf was es ankommt und wie du dein Leben gestalten solltest. Du kennst auch die Lösungsansätze für deine Probleme. Und bedenke: Ich bin immer bei dir, egal, ob mit oder ohne Handy, denn eigentlich war dieses Gerät nur eine Krücke für dich – doch langsam bist du wieder in der Lage, deine Beine zu benutzen wie es sich gehört und aufrecht zu stehen. Was also ängstigst du dich?“
„Es wäre aber schade. Wir haben wirklich tolle Gespräche geführt.“
„Die führen wir auch ohne Telefon. Eben noch hast du zu Donatello im Brustton der Überzeugung gesagt: ,Er hört jedes Gebet und antwortet auch darauf – nicht direkt verbal, aber auf diese und jene Weise.’ Ich hoffe nur, du zweifelst jetzt nicht an deinen eigenen Worten – das würde mir sehr weh tun.“
„Nein, Herr, ich zweifle nicht daran. Jetzt nicht mehr. Nicht nach all dieser Zeit.“ Bruno senkte beschämt den Kopf.
„Dann entscheide du, wann der Zeitpunkt gekommen ist, es ihr zu sagen, mein Lieber.“

Bruno nickte traurig und fühlte gleichzeitig einen Anflug von Panik in sich hochsteigen – er würde diese Gespräche vermissen, dessen war er sich jetzt schon sicher. Aber es liegt ja in meiner Hand, dachte er.
„Ja genau. Es liegt in deiner Hand – und auch dein Schicksal“, hörte er Gott sagen.

Am anderen Tag saß Bruno gerade am Computer und schrieb an einer Kurzgeschichte, als das Telefon klingelte. Sarah war am Apparat.
„Du Schatz, was hast du heute Abend vor?“, fragte sie.
„Ich schreibe gerade. Bin aber in zwei Stunden fertig. Warum fragst du?“
„Ach, nur so ... Kommst du heute Abend zum Essen? Ich koche uns etwas ganz Feines.“
„Wie das? Gibt es einen besonderen Anlass?“
„Nö ...“, kam zögernd die Antwort.
„Du führst doch irgendwas im Schilde, meine Süße! Langsam kenne ich dich.“ Er lachte.
„Also – kommst du? Ja oder ja?“, wich sie aus.
„Ok. Bis wann soll ich da sein?“
„Bis sechs?
„Passt.“
„Ich hab dich lieb“, flötete sie und legte auf.

Bruno war sich unschlüssig und überlegte, was wohl der Anlass für diese spontane Einladung sein könnte. Er hatte ein eigenartiges Gefühl im Bauch und er wusste, dass ihn dieses Gefühl selten trog. Doch schob er seine vagen Gedanken gewaltsam beiseite und nahm die Arbeit an seiner Kurzgeschichte wieder auf, aber das Schreiben wollte ihm nicht mehr so richtig gelingen. Immer wieder schweiften seine Gedanken ab – hin zu Sarah ...
Er sah auf die Uhr. Es war erst sechzehn Uhr und da ihm die nötige Konzentration für das Schreiben schlagartig abhanden gekommen war, beschloss er, sich ein einstündiges Nachmittagsschläfchen zu genehmigen und legte sich auf die Couch.

Eine Stunde später stand er auf, stellte sich kurz unter die Dusche, zog sich um und verließ das Haus.

Kommentare


unbekannt
06:17 08.12.2010
Sie werden Verlobung feiern und ihr erstes Kind.

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23:40 07.12.2010
Man sollte ihm das verdammte Handy endlich wegnehmen.
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2010-12-07 23:39