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Tagebuch c.
2016-07-31 10:11
Wie das Leben so spielt
Manchmal führen merkwürdige Situationen wohl dazu, dass man dumme Entscheidungen trifft.

Es ist der Wurm drin, bei Mister Silvester und mir.

Eigentlich war alles perfekt zwischen uns. Wir haben uns verstanden, ohne nachdenken zu müssen, einfach gemacht und uns dabei wohl gefühlt.

Und dann ging plötzlich alles bergab.

Bei einem Telefonat an einem Samstag, noch während der EM, nach dem Portugalspiel mit dem Elfmeterschießen, da hatte ich innerlich so sehr das Bedürfnis, ein „Ich liebe dich“ in den Hörer zu hauchen.

Und gemeint hätte ich ihn, Mister Silvester, den Menschen, nicht ihn, Mister Silvester, den Mann.

Weil ich dann aber dachte, das könnte missverständlich sein, habe ich es unterdrückt und stattdessen überlegt, ob mir das wohl im Alkoholrausch mal versehentlich herausrutschen könnte und ob das dann besser wäre.

Leider habe ich den Fehler gemacht, ihn darauf anzusprechen, auf Dinge, die man unter Alkoholeinfluss sagt und ob die immer ernst zu nehmen sind.

Wie das so ist mit Missverständnissen, sie entwickeln sich oft schneller, als man gucken kann. Er dachte plötzlich, ich müsse mir Mut antrinken, um ihm etwas zu sagen, was ich ihm sonst nicht sagen kann, ich habe ihn in der Annahme nicht korrigiert und so führte sein Gedankenkarussell schließlich dazu, dass er mir zwei Tage später out of the blue sagte, dass unser Kontakt zu eng sei und sich spätestens dann ändern müsse, wenn er wieder in einer Beziehung sei.

Zwei Wochen hat es gedauert, bis wir sämtliche Missverständnisse aufgedröselt hatten. Wir haben uns vorgenommen, wieder „wir“ sein zu wollen, aber irgendwie … so richtig funktioniert es nicht. I’m holding back, denn er hat mich damals wirklich verletzt. Die Art, wie er es gesagt hatte … Ich habe es so aufgefasst, dass ich ihm schon jetzt lästig bin und ihn nerve. So war es nicht gemeint, aber dank meiner eigenen Geschichte höre ich ein „Du störst!“ oftmals wohl auch da, wo es gar nicht geäußert wurde.

Als wir vor einer Woche dann telefonierten … Bekam ich wieder tausend kleine Messerstiche ins Herz.

Er erzählte von all den Exen, mit denen er gerade Kontakt hat. Erzählte von seiner zweiten Freundin, die ihn neulich zu einem Wein auf dem Balkon einladen wollte, aber er hatte keinen Bock auf Knutschen und Ficken. Er erzählt mir, dass er noch nie mit einer Frau mit braunen Augen zusammen war, sich noch nie in eine verliebt hat. Ich habe dunkelbraune Augen. Er erzählt mir, wen er gerade besonders heiß findet und es schüttelt mich innerlich, weil sie so ganz anders ist als ich. Eine kühle Blonde, wogegen ich doch meistens sehr stolz auf meine Latinagene bin. Ihn zieht es mehr gen Osteuropa in seinem Beuteschema.

Und dann erzählte er noch von seinen beiden ältesten und besten Freunden, eine Frau und ein Mann, die ihn beide seit mehr als 30 Jahren durchs Leben begleiten. Sie ist sogar so was wie seine Nachlassverwalterin und hat Zugriff auf all seine wichtigen, privaten Dinge. Und er erzählt mir, dass ihn die Freundschaft zu beiden mittlerweile nicht mehr wirklich interessiert, dass beide mehr Wert auf seine Freundschaft legen als umgekehrt.

Und das erschreckt mich, weil ich das dann automatisch auf mich beziehe und mich frage, wann ich denn an der Reihe bin, wann er über mich so denken wird. Ich bin noch nicht bereit, auf ihn wieder zu verzichten und doch kann ich ihn im Moment auch nur schwer ertragen.

Zwei Dinge sind mir im letzten Monat klargeworden. Ich liebe ihn, von ganzem Herzen. Als Mensch. Und ich bin verliebt in den Mann, der er in meinem Kopf ist. Leider hat das nur wenig mit den Realitäten zu tun.

Als er um mich warb, Anfang des Jahres, da habe ich mich in ihn verliebt. All die Träume, die wir da zusammen hatten … Im Grunde träume ich sie noch immer. Meine Gefühle … sie beziehen sich auf das Potential, was ich in ihm sehe. Aber er hat sich entschlossen, es nicht zu nutzen. Er ist am Ende. In gewisser Weise.

Eine Beziehung mit ihm, wie er ist, könnte ich mir nie vorstellen. Er lässt sich gehen. Er trinkt viel zu viel. Er macht sich kaputt. Und … leider merkt man es ihm auch an, dass in seinem Leben ein wenig zu viel Alkohol und Drogen im Spiel waren. Er ist ein Alki, ohne Frage, ein halbwegs funktionierender zwar, aber eben dennoch einer. Und ich mache mir Sorgen, Sorgen, dass er doch noch abrutscht. Denn er hat tatsächlich die Hoffnung verloren, er hat sich aufgegeben.

Im Grunde genommen vor jetzt bald zwei Jahren, im Herbst 2014, als ihn seine Frau verlassen hat. Das hat ihn getötet, innerlich. Darüber ist er auch heute noch nicht hinweg. Er schreibt ihr regelmäßig. Ich will ehrlich gesagt nicht wissen, wie oft tatsächlich. Es klang nach deutlich zu oft. Sie reagiert nicht. Er kann nicht abschließen.
Auch das ist einer der Punkte, warum ich im richtigen Leben gar nicht mit ihm zusammen sein wollte. Mit dieser Vergangenheit kann man nicht konkurrieren und ich bin mir mehr wert als nur der Ersatz zu sein für die verlorene Liebe seines Lebens.

Seine Lethargie, sein Phlegma, all das sind Dinge, die ich nicht gebrauchen kann. Er würde mich eher aufhalten damit als weiterbringen. Es passt nicht.

Ich liebe ihn trotzdem. Vielleicht gerade wegen seiner Gebrochenheit, vielleicht zieht mich das magisch an. Ich liebe ihn, aber ich weiß, wir sind nicht füreinander bestimmt. Und eigentlich wäre das ok, wenn wir trotzdem weiterhin unsere einzigartige Freundschaft genauso hätten pflegen können wie bisher. Aber irgendwie geht es nicht.

Wir hatten eine Chance auf mehr. Er und ich. Damals, Anfang des Jahres. Ich weiß, dass er da wieder Hoffnung hatte. Dass er da Licht sah und dachte, alles könnte sich ändern. In den Mann von damals habe ich mich verliebt. Und leider habe ich diese Chance damals dann versaut. Die Flucht vom Flughafen, die leidige … Sie hat dafür gesorgt, dass er jegliche Hoffnung, die er damals hatte, wieder begraben hat.

Und ich weiß, der Mister Silvester von damals lebt nur noch in meiner Erinnerung und er ist heute nicht dazu bereit, ihn wieder hervorzuholen.

Jedenfalls … hat mich dieser Satz „Wenn ich mal wieder irgendwann eine Beziehung haben werde, wird unser Kontakt auch anders aussehen und nicht mehr so eng sein.“ herausgefordert.

Ich wollte es auf keinen Fall so weit kommen lassen, dass er mich fallenlässt. Ich wollte ihm zuvorkommen. Ich wollte dafür sorgen, dass ich diejenige bin, die zuerst jemand anderen gefunden hat.

Nun … Das ist mir jetzt wohl auch gelungen.

Kurz nachdem er mir diesen Satz vor den Kopf geknallt hatte, habe ich einen Italiener kennengelernt. Er war süß, er war nett, Dinge entwickelten sich, wobei ich gestehen muss, dass er für mich eigentlich sehr lange nur reine Ablenkung war.

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich merkte, dass er mich sehr mag, der Italiener. Also dachte ich, wir sollten uns treffen. Möglicherweise könnte das ja hilfreich sein, für uns beide.

Gestern war er hier. Eben ist er gegangen. So war das nicht geplant.

Wir hatten Sex. Die erste Runde war wunderbar. In der zweiten habe ich mich plötzlich gefragt, was ich hier eigentlich tue. Und die Stimmung war versaut. Er hat trotzdem seine Sachen aus dem Hotel geholt und bei mir übernachtet. Neben mir. Der erste Mann in meinem Bett. Sonst habe ich es ja immer vorgezogen, meine Abenteuer außer Haus zu erleben und nie über Nacht zu bleiben.

Es war ungewohnt. Aber auch schön. Und ich weiß, er mag mich sehr und er hofft auf mehr.

Und ich? Nun … eigentlich ist er perfekt, der Italiener.

Er sieht gut aus. Er ist genau mein Typ. Ein ganz klein wenig erinnert er mich an Filipe. Back to the roots, sozusagen. Er riecht richtig, er schmeckt richtig, er fühlt sich richtig an und er behandelt mich richtig.

Aber … er ist nicht Mister Silvester, der Mister Silvester, den es sowieso nicht gibt.

Und das ist wirklich ein Problem. Ich sollte ihn vergessen, den Mann in meinem Kopf und mich stattdessen lieber auf den Mann konzentrieren, der vor drei Stunden noch neben mir lag und mich fest in seine Arme geschlossen hatte.

Leider wohnt der Italiener nicht gerade um die Ecke, sondern mehr als 600 Kilometer weiter südlich, in der Nähe von München, aber fast schon an der Grenze zu Österreich. Das wird es nicht einfacher machen, etwas aufzubauen. Zumal er schlechte Erfahrungen gemacht hat und nicht schnell Vertrauen fast und es mir genauso geht. Neben den ganzen anderen Ängsten, die ich sonst noch so habe.

Nun gut, die Zeit wird wohl zeigen, was kommt … Wie es weitergeht … Vielleicht höre ich ja am Ende auch doch nie wieder was von dem Italiener und alles ist gut. Dann muss ich nur noch meine komplizierte Gefühlswelt rund um Mister Silvester auflösen und alles ist perfekt.

Kommentare

03:05 01.08.2016
Schon ein wenig kompliziert und vom Ideal entfernt, das Liebesleben.
Was macht die Kanada-Idee? Vielleicht hat die neue Welt auch diesbezüglich Neues und Gutes zu bieten?
Good luck !
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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2016-07-31 10:11