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Tagebuch c.
2016-02-27 19:02
Die Liebe ist ein Trampolin
Heute vor vier Wochen, da ging es mir nicht gut. Kurz nach 17.00 Uhr am Nachmittag und ich wartete auf den Menschen vom Lieferservice-Supermarkt, der mir meine Schränke wieder füllen sollte. Ich hatte geheult, gewütet und meinen rechten Oberschenkel zerschnitten, nur kurz vorher. Und ich habe mich so schuldig gefühlt, so mies, so unbelehrbar.

Heute vor vier Wochen habe ich Mister Silvester am Flughafen stehen gelassen.

Erst vier Wochen? Schon vier Wochen? Ein wenig fühlt es sich an, als seien Jahre seitdem vergangen.

Noch heute tut es mir leid, dass ich dem Reflex nachgegeben habe und geflohen bin. Aber auch heute weiß ich, dass es mir nahezu unmöglich war, anders zu reagieren.

Vier Wochen später und so vieles hat sich geändert. Ganz so, wie ich es geplant hatte, habe ich einige Dinge in meinem Leben verändert.

Ich verzichte radikal auf Zucker, Backwaren (egal ob Weizenmehl oder andere Mehlsorten verwendet wurden) und alles, was mit den wunderhübschen E-Nummern verarbeitet wurde. Neben Obst, Gemüse, Reis, Quinoa und Kartoffeln ist Tofu das am stärksten verarbeitete Produkt, das ich verwende. Meine Pflanzenmilch (Mandelmilch) mache ich schon lange selbst, doch nun süße ich sie ausschließlich mit Datteln, nicht mal mehr Ahornsirup oder Agavendicksaft verwende ich derzeit. Gegönnt habe ich mir in diesen vier Wochen lediglich ein paar Rohkostriegel (Raw Bite und nakd), einen Riegel Rohkostschokolade (lovechoc) und ein paar mit dunkler Schokolade überzogene Amarenakirschen.

Das klingt womöglich ein wenig radikal, aber schon einmal vor zwei Jahren habe ich erlebt, wie gut es mir tut, wenn ich so clean wie möglich zu essen versuche. Und das Schöne daran ist: Man muss nicht mal hungern.

Besonders an den Bürotagen esse ich richtig viel. Neben den 2 Litern Smoothie, die ich mir morgens mixe und über den Tag verteilt trinke, besteht mein Frühstück aus Haferflocken/Müsli mit Mandelmilch und Tiefkühlfrüchten, während ich mittags warm esse und eine im Vergleich zu den Kollegen recht große Portion einer Kartoffel- oder Reis-Quinoa-Gemüse-Variante esse.

Heute, vier Wochen nach diesem Samstag, den ich am liebsten aus meiner Erinnerung streichen würde, bin ich fünf Kilo leichter als zuvor. Aber eigentlich ist die Zahl gar nicht so entscheidend.

Besonders mein Gesicht war der Grund, warum ich vor vier Wochen die Flucht antrat. Ich meine, der Rest, auch daran muss sich einiges ändern, aber mit am meisten machte es mir zu schaffen, dass ich mich selbst im Spiegel nur noch schwer erkennen konnte.

Und heute … Man sieht meine Wangenknochen wieder und auch, wenn das verhasste Doppelkinn immer noch nicht verschwunden ist, ist es doch wesentlich kleiner geworden und lässt sich ganz gut mit Hilfe eines Schals kaschieren.

Aber vor allem ist es der Sport, der mir wirklich guttut. Ich liebe mein Trampolin über alles. Fünf Kilo sind für vier Wochen natürlich auch eine hohe Zahl, aber mich faszinieren vor allem die Veränderungen an meinem Körper, die sich schon seit der ersten Woche bemerkbar machen.

Endlich bin ich wieder eine klassische Sanduhr, Taille, Hüften, der Unterschied ist deutlich zu erkennen. Natürlich noch in einem Gewichtsbereich, der nicht zu verherrlichen ist, aber mein Körper formt sich wieder und das finde ich wahnsinnig schön.

Ich kriege eine Ahnung davon, wie meine Statur eigentlich sein müsste, wäre sie nicht unter dem ganzen Fett vergraben. Ich spüre den Verlauf meiner Muskelstränge wieder und kann kaum in Worte fassen, wie umwerfend das ist. Seit ich alleine wohne, weiß ich es sehr zu schätzen, die Möglichkeit zu haben, nackt zu schlafen. Und jetzt … Ich kann es kaum erwarten, nachts ins Bett zu schlüpfen. Dort sind sie für mich am dramatischsten spürbar, all die Dinge, die sich geändert haben.

Nun kann ich wieder im geradem Blick in den Spiegel schauen und stolz sein auf mich und das, was ich bereits erreicht habe. Mister Silvester heute gegenüberzutreten, es wäre immer noch eine große Herausforderung, aber es wäre möglich. Ich glaube nicht, dass ich dieses Mal fliehen würde.

Natürlich weiß ich, wie weit der Weg ist, den ich noch vor mir habe. Angenommen, die Erfolge des Februars würden sich Monat für Monat wiederholen lassen, bräuchte ich noch bis zum Herbst, um mit dem Feintuning starten zu können. Jedenfalls wenn man Wert auf Zahlen legt, würde es noch so lange dauern, bis ich im Bereich des so genannten Idealgewichts angelangt bin.

Wichtiger noch als die Zahl ist mir das optische Ergebnis und das ist in Bewegung, man erkennt die Fortschritte von Woche und das motiviert mich.

Ich setze mir überschaubare Ziele. Im März will ich in Sachen Ernährung auf jeden Fall noch so weitermachen wie im Februar. Die so genannte Fastenzeit mitnehmen und da Ostern ja am letzten Märzwochenende ist, kann man den Monat dann ebenso gut auch zu Ende bringen.
Sport, wie gesagt, ist ein wichtiger Aspekt. Schon lange bin ich von Yoga und Pilates überzeugt, weil es mir hilft und sich der Körper nach wenigen Wochen deutlich anders formt und das selbst bei starken Übergewicht einen Unterschied macht. Das Trampolin jedoch, das hebt alles noch mal auf ein ganz anderes Level. Ich liebe das Gerät abgöttisch. Es ist genau mein Ding und ich bereue keinen Cent der vielen Euros, die ich dafür bezahlt habe.

Praktischerweise ist es durch seine Größe auch ein ständiges Mahnmal, man hat fast ein schlechtes Gewissen, es nicht zu benutzen und so besteht mein Sportprogramm seit vier Wochen aus 45 Minuten Pilates und einer Stunde Trampolin. Jeden Tag.

Eine Woche muss ich nun noch arbeiten, dann habe ich eine Woche frei. Und auf meinen Urlaub freue ich mich ganz besonders. Ich sollte erwähnen, dass es mir insgesamt auch recht gut geht. Von der bleiernen Erschöpfung, die ich noch im Januar verspürte, ist nichts mehr da und der Urlaub ist schön, aber nicht bitter nötig und letzter Rettungsanker, wie es zuletzt der Fall war.

Für die zweite Märzwoche habe ich mir etwas ganz Besonderes vorgenommen: Juicing. Von Dienstag bis Samstag, fünf Tage lang, werde ich nichts essen, sondern nur Obst- und Gemüsesäfte trinken. Detoxen oder Saftfasten könnte man es auch nennen. Ich bin so gespannt, was es mit mir macht. Und obgleich ich selbst stolze Besitzerin eines Slow Juicers bin, habe ich mich nach langem hin und her doch für eines dieser überteuerten Programme entschieden, die man sich nach Hause bestellen kann.

Es ist so überflüssig, im Grunde, aber … Auf der Pro- und Kontraliste waren es vor allem zwei Punkte, die mich zu dieser Entscheidung gebracht haben. Die Wahrscheinlichkeit, durchzuhalten, ist größer, wenn man dafür richtig schweineviel Geld auf den Kopf haut. Und es ist bequemer. Beim Juicen sollte man über den Tag verteilt immer wieder seine Säfte trinken und muss sich nicht nur Gedanken um die Zusammensetzung machen, sondern muss auch tatsächlich immer wieder die Säfte vorbereiten. Nun werde ich einfach alle zwei Stunden einen Saft aus dem Kühlschrank nehmen können und gut ist. Ich werde den Kopf frei haben, um ganz bei mir zu sein und zu beobachten, was diese Erfahrung mit mir macht.

Wenn dann alles gut läuft, spricht schließlich nichts dagegen, zu einem späteren Zeitpunkt das Juicen mit dem eigenen Entsafter zu wiederholen. Aber für das erste Mal schien mir die geführte Erfahrung doch besser zu sen.

Natürlich gehe ich davon aus, dass ich in der Zeit auch abnehmen werde, aber das ist nur ein angenehmer Nebeneffekt, das ist nicht meine eigentliche Motivation. Ich hoffe viel eher auf Reinigung. Körperliche und seelische Reinigung. Im letzten Jahr bin ich so vergiftet worden mit den ganzen Medikamenten. Das muss raus. Viel zu viel Chemie war das. Und dann … so, so viele Lebensjahre, in denen ich mich selbst vergiftet und vergewaltigt habe. So viel Kummer, Schmerz, Verletzung, Kränkung … Ich muss loslassen und bin so gespannt darauf, mich mit mir und meinem Körper zu befassen. Und irgendwann, wenn ich auf meiner Reise ein wenig weiter bin, werde ich im Idealfall nie wieder von meinem Körper und mir sprechen, sondern uns beide endlich als Einheit begreifen und lieben, was ist, ganz gleich, wie der Zustand nun ist.

Was für ein emotionaler Esser ich bin, wurde mir am Donnerstag bewusst. Der Arbeitstag war stressig wie nie, der Wahnsinn galoppierte, wie eine ganze Wildpferde-Herde, und es hat mich total hochgepitched. Früher einmal, da bin ich regelrecht auf dieses Stresshigh abgegangen, da waren Tage wie dieser Donnerstag die besten Arbeitstage, die ich mir vorstellen konnte. Heute denke ich mir: Wozu? Am liebsten würde ich mich mit dem Wahnsinn nicht mehr befassen, aber gut, eine Weile muss ich wohl da noch durch.

Wie dem auch sei, der Feierabend am Donnerstag war in den vier Wochen der einzige Moment, in dem ich mit Heißhungerattacken kämpfen musste. Auf dem Weg nach Hause phantasierte ich von Brot, vor allem von Brot, von Pasta, von Pizza, von Seitancrap, Schokolade und Chips. Von vielen, vielen leeren Kohlenhydraten, fettig, salzig, süß, nährstoffarm.

Selbst zu meinen schlimmsten Zeiten esse ich vermutlich besser als die meisten Menschen, so im Bundesdurchschnitt, aber ich merke, wie schlecht manche Dinge für mich sind. Auf Fleisch, Milch, Eier, Käse und sonstige tierische Produkte zu verzichten, war überhaupt kein Problem für mich, als ich mich vor zwei Jahren für das vegane Leben entschied, auf Brot zu verzichten ist jedoch wirklich eine Herausforderung. Weil ich bei Brot auch nicht Maß halten kann. Sollte ich es im Haus haben, inhaliere ich es regelrecht, es ist mir fast unmöglich, es über eine Woche aufzuteilen. Und leider, leider merke ich auch, wie ich nach einigen Monaten voller Tofuwürste, Wraps, Pitataschen, Brotaufstrichen, Graubroten, Sojageschnetzeltem, Pasta und Co. regelrecht aufgehe. Das sind die Dinge, die sich in meinem Gesicht bemerkbar machen. Dort und auf den Hüften.

Dass ich reichlich esse und selten Hunger ab (immer nur unmittelbar vor den Mahlzeiten) ist einer der großen Vorteile des highcarb Lifestyles. So machen sich Gelüste zum Glück nur selten bemerkbar und Heißhungerattacken bleiben fast komplett aus. Trotz all der Gelüste entschied ich mich am Donnerstag übrigens, nicht einkaufen, sondern direkt nach Hause zu gehen, wo ich dann zu allererst ein bisschen Quality Time mit meinem Trampolin verbrachte. Und es blieb bei der Flüssignahrung in Form des restlichen Smoothies, wie an den anderen Arbeitsabenden auch.

Nie werde ich müde werden, ein Loblied auf dieses Sportgerät zu singen. Es ist wirklich genau mein Ding. Es macht so einen Spaß. Zehn Minuten auf dem Trampolin kommen angeblich einer halben Stunde Joggen gleich. Kein Wunder also, dass sich mein Körper in den vier Wochen so dramatisch verändert hat. Außerdem soll es so wunderbar wundervoll sein für den Stoffwechsel, das Bindegewebe, die Lymphe … Entgiften auf allen Ebenen.

Ich glaube daran, mittlerweile. Ich glaube daran, dass alles, was ich im Moment tue, dazu beiträgt zu heilen, Altlasten abzutragen und wieder gesund zu werden. In jeglicher Hinsicht. Deswegen kann es auch eigentlich nur bergauf gehen, mit jedem Monat, um den dieses verrückte Jahr 2016 älter wird.

Dennoch, ein bisschen Angst bleibt. Angst vor Rückschlägen, die mich aus der Bahn werfen. Der Anfang, den ich im September 2015 schon mal hatte, fiel den Krankheiten und dem Stress auf der Arbeit zum Opfer. Der März wird in Sachen Arbeit ein richtig übler Monat werden. Ich hoffe so sehr, dass ich nun schon weit genug bin, um das wegstecken und am Ball bleiben zu können. Aber ich bin zuversichtlich und will daran glauben. Zweifeln, das weiß ich, ist alles andere als gesund.

Kommentare

16:03 29.02.2016
Nein, das Trampolin steht in der Wohnung. Meine Decken sind recht hoch, aber auch in normalen Wohnungen hätte ich keine Bedenken. So hoch springt man ja auch nicht. Und dadurch, dass die Federung über die Gummiseile und nicht Stahlfedern funktioniert, ist es auch wirklich extrem leise. Man hört im Grunde nur das Geräusch des Absprungs, kein Quietschen und Knarren. Andere Heimfittnessgeräte wie Crosstrainer sind dagegen wirklich wesentlich lauter.
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20:47 28.02.2016
springst du denn in deiner wohnung auf dem trampolin? oder hast du einen garten? ich stelle mir das schwierig vor drinnen. laut und ist nicht die decke im weg?
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17:13 28.02.2016
Ich weiß, der Preis ist zum Heulen. Zum Glück hatte ich noch Geschenkegeld und eine unerwartete Stromrückzahlung, die auf den Kopf gehauen werden wollten. Die Investition lohnt sich auf jeden Fall und auf's Jahr gerechnet ist es dann gar nicht mehr so viel ...
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15:28 28.02.2016
ok, ich musste bei den Preise schlucken.. sowas kann ich mir ohne weiteres nicht leisten, aber es wäre eine Überlegung wert, mal dahin zu sparen
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11:21 28.02.2016
Ein Bellicon habe ich, mit der mittelgroßen Sprungmatte. Das System mit den Gummibändern und den verschieden starken Clips finde ich schon sehr überzeugend. Es ist so faszinierend, man hört wirklich nichts und die Federung ist auch angenehm sanft. Kann ich nur empfehlen, auch wenn es natürlich sehr teuer ist. Der Größe wegen habe ich auch mit der kleinsten Sprungmatte geliebäugelt, dachte mir dann aber doch, dass ich mich mit mehr Bewegungsfreiheit sicherer fühle, gerade am Anfang.

Zu den Smoothies, es sind grüne und bei mir ungefähr 50:50 Obst vs. Gemüse. Das ist dann oft der Klassiker Spinat, aber auch Erbsen, Rote Bete, Möhren, Gurken, manchmal Brokkoli. Beschwerden hatte ich damit noch nie, im Gegenteil, mir geht es immer besonders gut, wenn ich das regelmäßig mache.

Mandelmilch mache ich übrigens nicht so, wie es klassisch empfohlen wird (Mandeln über Nacht einweichen, dann alles pürieren und die Flüssigkeit als Milch abseien). Ich mache erst Mandelmus, das ich dann auch zum Kochen gebrauchen kann und mixe mir dann bei Bedarf das Mandelmus mit Wasser frisch. Das macht auf lange Sicht weniger Arbeit und die Milch ist natürlich auch etwas gehaltvoller.
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07:02 28.02.2016
Das ist ein schöner Eintrag! Ich liebäugel schon lang mit einem Trampolin, hab aber so wenig Platz und bin überfordert mit der Auswahl.. wo hast du deins denn her und darf ich fragen wie teuer das war?

Ich mag Obst / Gemüse total, aber mehr als 1-2 Obstteile vertrag ich nicht, ich könnt niemals 2 Liter Smoothie trinken, v.a. nicht die Sorten mit zu hohem Säureanteil. Geht das gut bei dir? Ich krieg immer eingerissene Mundwinkel und mein Magen rebelliert (Ananas, Orangen , Kiwi usw.)

Ich liebe Mandelmilch, aber krass dass du die selbst machst! (muss ich mal googeln )

.. ich mach seit Jahren relativ regelmäßig Sport, aber momentan auch wieder mehr als sonst.. und es ist der Wahnsinn, was das mit der Seele und dem Köper macht, wie gut es tut, wie es einen formt und positiv beeinflusst
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