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Friday, 15. December 2017
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Tagebuch Sommer
2017-08-13 18:25
Drei ist einer zuviel

Ich weiß nicht warum, aber ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir schon am Mittwoch zurück fahren können, aber wenn man die Gelegenheit hat, drei Tage länger zu bleiben, sollte man das auch ausnutzen. Der Urlaub war zwar schön und ich habe die Zeit auch genossen, aber es ist mir noch nie passiert, daß ich nach nur einer Woche die Nase gestrichen voll hatte. Wenn ich das Vorhaben in die Tat umgesetzt hätte, hätte ich mich vermutlich geärgert, weil wir am Bodensee das bessere Wetter hatten. Bis auf Donnerstag und Freitag hatten wir echt tolles Wetter, teilweise gab es 36 Grad. Ich habe ja nichts gegen den Sommer, doch wenn es zu warm ist, habe ich so meine Probleme. Es ließ sich aber aushalten und ich habe ein wenig Farbe bekommen. So kann ich auf der Arbeit ein wenig angeben. Wir haben  nicht das gesehen, was auf dem Plan stand. Wir waren nicht im Allgäu und von Friedrichshafen haben wir nur ein Hinweisschild gesehen. So was soll ja vorkommen. Was das angeht, sind 14 Tage dann doch zu kurz. Wenn alles klappt, fahren wir nächstes Jahr noch mal an den Bodensee. Es sei denn, daß es mich wieder erwischt und das Schicksal es anders mit mir meint. Ich male den Teufel mal nicht an die Wand. Irgendwann muß ja auch mal Schluß sein. In diesem Jahr war der Wurm drin. Meine Mutter hat ihren Schlafanzug vergessen, dafür hat sie ihr kleines Kissen einen Kissenbezug eingepackt. Doch der Schlafanzug war nicht das einzige Teil, das sie vergessen hat. Ihr Lockenstab hing zu Hause im Bad, also wurde auch so ein Teil neu gekauft. Mein Vater ist aber auch nicht  viel besser: er hat nämlich Duschzeug und Shampoo vergessen. Er hat sich nämlich gewundert, warum sein Kulturbeutel so leer war. Und wenn man schon mal im Geschäft ist, kann man sich auch gleich eine Dose Creme kaufen. Den Kauf hätte nicht sein müssen, wenn ich mich nicht geweigert hätte, ihm von meiner Creme was abzugeben. So wie ich meinen Vater kenne, hätte er sich am Tag fünfmal eingecremt und ich hätte ins Blaue geguckt. So was muß ich nicht haben und wer nicht hören will, muß fühlen. Es hat mir schon gereicht, daß ich mal wieder die Klamotten für den Rest der Familie getragen habe. Meine Mutter nimmt einen Rucksack mit, in dem eine Brotzeit für zwei Tage gepaßt hätte, aber sie drückt mir ihre Sachen aufs Auge. Ich kenne es gar nicht anders, als die Brieftasche für meinen Vater zu tragen. Hält so was nicht jung? Ich habe keine Ahnung. Vielleicht habe ich nächstes Jahr Rücken. Sollten wir im Herbst an die Nordsee fahren, nehme ich nur meine Handtasche mit.

Am Mittwoch wollte meine Mutter von mir wissen, warum ich immer so aggressiv bin. Wenn sie das nicht weiß, kann ich ihr auch nicht helfen. Ihr fällt wohl nicht auf, daß sie oft die selben Fragen mehrfach stellt. Da stellen sich mir nun mal die Nackenhaare hoch. Ist es deswegen so schlimm, daß ich mal die Geduld verliere? Ich finde nicht. Immerhin ist das kein Problem, denn wir verstehen uns doch so gut. Da ist es doch egal, wenn ich so reagiere. Doch genau das scheint meine Mutter zu vergessen. Es hat ihr auch keiner gesagt, daß wir beim Aldi vorbei fahren und Toilettenpapier kaufen. Sie hat bestimmt die Packung nicht gesehen. So was kommt ja vor. Das Teil fiel einem schon ins Auge, wenn man zum Kleiderschrank ging. Mein Vater war auch nicht viel besser. Er hatte am Donnerstag seine dollen fünf Minuten. Eigentlich sollte man das nicht weiter erwähnen, denn das ist man ja schon gewöhnt. Bei einem bestimmten Lied mußte mein Vater das Radio lauter stellen. Wenn der Fernseher ein wenig zu laut ist, regt er sich auf, daß die Nachbarn das nicht mit kriegen müssen, aber im Urlaub kann man es den Leuten zumuten, laut Musik zu hören. Das ist noch nicht mal so tragisch, wenn er nicht dabei gesungen hätte. Und mein Vater singt falsch, sehr falsch sogar. Da muß man Angst haben, daß die Brille kaputt geht. Meine Mutter hat kurz was gesagt und schon ging das Gemecker los. Er glaubt, er steht im Wald. Es gibt Tage, da glaube ich das auch. Die Stimmung war natürlich total im Eimer und die Luft war so dick, daß man sie hat schneiden können. Irgendwann war auch das Thema vom Tisch und nun haben sich alle wieder lieb. Doch sonst war alles im grünen Bereich. Wir wurden sogar geehrt, weil wir schon seit 10 Jahren an den Bodensee fahren. Das hat schon was. Den Zeitungsartikel durften wir mit nehmen und irgendwann wird die Urkunde aufgehängt. Die Flasche Rotwein wird auch getrunken, auch wenn ich diejenige bin, die sich deswegen opfert. Man gönnt sich ja sonst nichts. Rotwein soll ja gesund sein. Und da ich im Jahr 2074 die WM gucken will, muß ich schon mal anfangen. Meine Mutter fand es nicht gut, daß ich ihrer Schwester und ihrem Schwager eine Karte geschrieben habe. Sie meldet sich nichtt und ich schreibe auch noch. Als ihr Schwager zur Rentenstelle mußte, war mein Vater gut genug und jetzt meldet sie sich nicht mehr. Sie will mir nicht erzählen, daß sie seit fast 20 Jahren keinen Kontakt mit ihrer Schwester hat. Rein zufällig ist ihr Schwager schon über 80, demnach ist er nicht erst seit einem halben Jahr Rentner. Auch das Thema ist vom Tisch und alle sind rundum zufrieden.

Morgen hat mich der normale Alltag wieder. Nach vier Wochen gehe ich ins  Büro. Es ist schon ein komisches Gefühl, nach vier Wochen um 4.30 Uhr aufstehen zu müssen. Ich werde mich nie daran gewöhnen, obwohl ich das schon eine ganze Weile mache. Aber es dauert nicht mehr lange und ich habe noch mal ein paar Tage frei. Darauf freue ich mich jetzt schon. Was ich aber auch weiß, ist die Tatsache, daß ich mich morgen durch sämtliche Mails kämpfen muß und daß A. mich anruft, weil sie wissen will, ob ich nun wieder da bin. Sie fragt mich garantiert, wann ich Feierabend mache. Sie will bestimmt wissen, was genau ich habe und ob das immer wieder kommen kann. Wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Lust, bis ins kleinste Detail zu berichten, was ich habe. Es ist halt so und fertig ist die Laube. Ich bin nicht so wie mein Chef, der jedem erzählen muß, wie schlecht es ihm geht. Ich muß nicht so tun, als sei ich sterbenskrank, nur damit ich meinen privaten Kram klären kann. Wenn ich krank bin, dann habe ich auch was und der Rest kann den Leuten egal sein. Ich weiß nicht warum, aber ich habe mir das alles anders vorgestellt. Es wäre nicht so tragisch gewesen, wenn mein Hausarzt Anfang Juni reagiert hätte. Ich habe mehr als einmal in der Praxis gesessen und habe ihm mein Leid geklagt. Und alles, was ich mir anhören konnte, daß ich Geduld haben muß. Ein Satz, über den ich bis heute noch nicht lachen kann. Die Geduld war im Krankenhaus so aufgebraucht, daß ich mehr als einmal in Tränen ausgebrochen bin. Was auch verständlich ist, wenn so gar nichts funktioniert. Doch jetzt habe ich alles überstanden und hoffe, daß ich nun meine Ruhe habe. Im Oktober muß ich noch mal in die Tagesklinik, aber das wird wohl nicht so schlimm. Wenn doch, habe ich Pech gehabt. So lange ich nichts geplant habe, macht es mir nichts aus, drei Wochen im Krankenhaus zu liegen. Dann ist mir alles egal. Das ist zwar übertrieben, aber es ist nun mal so. Dennoch drücke ich mir die Daumen, daß ich verschont bleibe. Weiß man so was vorher? Natürlich nicht und das ist auch gut so.

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