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Thursday, 27. July 2017
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Tagebuch PetraM
2017-04-21 03:20
Do. 20. April 2017
Irgendwie bin ich "kaputt" und müde. Die Luft ist raus sozusagen. Tagsüber bin ich voll und ganz einsatzbereit, aber abends möchte ich am liebsten nur noch "abschalten" und schlafen.

Noch 3 Wochen arbeiten, dann habe ich es geschafft. Dann habe ich endlich 2 Wochen (bzw. 10 Arbeitstage) Urlaub. Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich freue mich schon total darauf. In der ersten Woche haben wir beide zusammen Urlaub. Da haben wir ein paar kleine "Tagesauflüge" geplant. Also nichts "wildes", einfach mal für ein paar Tage raus, kleine Stadtbummel machen (in Städte, wo wir nicht so oft sind), mal was anderes sehen und hören.

An einem Tag müssen wir auf jeden Fall zeitig aufstehen, weil dann morgens um 8 Uhr die Fensterfirma kommt. Wegen dem defekten Rollo. Wir hoffen, dass die schnell damit fertig werden, damit wir danach noch was schönes machen können.

In der zweiten Woche geht mein Freund 3 Tage arbeiten. 3 Tage für mich. Zum einen will ich mich mit meiner Mutter treffen (ich hoffe, dass sich ihr Zustand bis dahin wieder stabilisiert hat), und wenn wir uns nur gemütlich ins Wohnzimmer setzen. Dann plane ich etwas Haushalt ein. Ansonsten Zeit für mich auch mit Lesen usw.

Den Sport plane ich im Urlaub auf jeden Fall täglich ein. Die Zeit dafür werde ich mir auf jeden Fall immer nehmen.

An dem Donnerstag ist dann Feiertag und am Freitag hat mein Freund ebenfalls frei, dann wollen wir wieder was zusammen machen.

Ich habe dann von Montags bis Montags Urlaub, also halt 10 Arbeitstage. Weil der Donnerstag halt der Feiertag ist, habe ich den Montag direkt noch mit drangehangen.

Heute ging es meiner Mutter nicht so gut. Das hat mich seelisch auch total beschäftigt und belastet. Normalerweise schreiben wir uns tagsüber zwischendurch, also wie es ihr so geht. Meistens kommt ein "Alles klar". Heute kam und kam nichts. Das hat mich schon total unruhig gemacht.

Mittags schrieb ich sie an, was los ist, wie es ihr gehen würde. Über Stunden keine Antwort. Ich habe noch gedacht, entweder sie schläft, oder sie hat Besuch, oder sie spielt mit ihrer netten Bettnachbarin Karten, so dass sie meine SMS gar nicht mitbekommen hat.

Stunden später, gegen Abend bzw. kurz vor Feierabend, kam dann erst ihre Antwort-SMS. Heute kamen die Nebenwirkungen der Chemo so richtig durch. Ihr war schlecht ohne Ende, sie hat so gebrochen, dass sie im ganzen total schlapp war, fast den ganzen Tag nur geschlafen hat, gar nicht richtig wach geworden ist. Die Krankenschwestern haben gesagt, dass das bei einer Chemo völlig normal ist. Weil sie ja nicht wussten, wie sie darauf reagieren würde, haben sie ihr gestern (die Spritze) nur eine kleine Dosis gegeben. Nächste Woche bekommt sie vorher eine höher dosierte Spritze.

Ja, es ist wirklich besser, wenn sie demnächst dafür wöchentlich ins Krankenhaus geht. Was ist, wenn sie alleine zu Hause ist, ihr so schlecht wird und sie zusammen klappt? Und das war ja erst die kleine Chemo. Sie fingen mit einer kleinen Dosis an. Mal sehen, wie der Körper darauf reagiert. Um den Krebs einzudämmen soll diese Dosis im Laufe der Zeit noch gesteigert werden. Mal sehen, wie sie das dann verträgt.

Heute Abend war ich noch kurz Einkaufen. Meine Kollegin hat morgen Geburtstag. Wir verstehen uns gut, arbeiten auch (in manchen Bereichen) eng und gut zusammen. Sie hat im ganzen (arbeitsmäßig und auch privat) auch immer so viel "Gebrassel" (um die Ohren). Ich möchte ihr morgen eine kleine Freude machen und habe ihr vorhin deswegen noch was schönes geholt.

Ja, und wenn ich schon mal in der Stadt war, dann habe ich direkt noch einen kleinen Bummel gemacht, hier und dort noch etwas gucken, auch noch (für mich) ein paar Kleinigkeiten geholt.

Zu Hause habe ich dann erst was gegessen, eine Schale Chicken Nuggets (immer 200 g), dazu Krautsalat.

Dann bekam ich schon eine SMS von meiner Mutter, nach dem Motto, nicht böse sein, ich fühle mich so schlapp, werde jetzt schlafen. Ich rief dann noch kurz bei ihr an, aber nur knapp 2 Minuten, wollte nur kurz ihre Stimme hören. Sie klang total schlapp, leise und schläfrig. Sie fühle sich (nach dem vielen Brechen) so müde, wolle einfach nur schlafen, schlafen, schlafen. Nun gut, dann soll sie sich mal "gesund" schlafen, sofern man bei einer Krebserkrankung noch von "gesund schlafen" sprechen kann.

Eigentlich wollte ich dann Sport machen, aber ich hatte "keine Lust zu nichts", fühlte mich einfach nur total müde und kaputt. Ich habe es mir dann bequem gemacht, bin auch etwas eingeschlafen. Das letzte Wochenende, die Krankenhaus-Rennerei am langen Osterwochenende, dass wir keinen Tag zur Entspannung hatten, das steckt mir noch in den Knochen (wie gesagt, ich fühle mich so richtig Urlaubsreif). Das nächste Wochenende wird dann wieder genau so stressig. Ich hoffe, dass sich das wieder ändert (normalisiert), wenn sie nicht mehr ganz im Krankenhaus liegt (nur noch kurzzeitig für die Chemo rein muss, aber an den Wochenenden zu Hause ist).

Als mein Freund dann kam, haben wir uns erst wieder (so wie jeden Abend) etwas unterhalten, was es so Neues gibt (im Allgemeinen, aber auch bezüglich meiner Mutter).

Er hat dafür jetzt vollstes Verständnis (also wie es mir jetzt seelisch geht). Sein Vater war damals rund 10 Jahre lang ein Pflegefall. Er hatte schon Asthma und als wir ein paar Jahre zusammen waren, da bekam er 2 Schlaganfälle, konnte danach über 10 Jahre (bis zu seinem Tod) das Haus nicht mehr verlassen. Wir haben uns in diesen 10 Jahren intensiv um ihn gekümmert. Mein Freund sich sowieso. Seine Schwester kam 2 mal wöchentlich (mehrere Stunden) vorbei. Meine Mutter kam mindestens einmal wöchentlich für mehrere Stunden und auch ich (damals wohnte ich noch bei meiner Mutter im "Kinderzimmer") kam täglich nach der Arbeit (auch wenn mein Freund Spätschicht hatte) für mindestens eine Stunde vorbei. Diese 10 Jahre haben uns auch mächtig geschlaucht. Auch 10 Jahre ohne Urlaub, immer nur Tagesausflüge, immer "auf Sprung sein", falls mal etwas ist (immer im Handy-Kontakt). Nach einem weiteren schweren Schwächeanfall (mit Asthmaanfall) ist er dann schließlich gestorben.

Mein Freund war mir damals so dankbar, dass ich mich Tag für Tag nach der Arbeit noch um seinen Vater gekümmert habe (darüber haben wir am Wochenende noch gesprochen). Ja, und jetzt steht halt meine Mutter diesbezüglich im Mittelpunkt. Für meinen Freund ist es ganz klar, dass auch er sich jetzt (zumindest an den Wochenenden) regelmäßig um sie kümmern wird. Dass wir mit ihr jetzt mehr Zeit verbringen werden als früher (als sie noch relativ gesund war).

So, Schluss für heute. Heute habe ich auf der Arbeit immerhin wieder 21 Minuten Plus geschafft. Morgen will ich auch wieder was schaffen. Und dann ist erst mal Wochenende. Mal sehen, wie es meiner Mutter dann geht.

Kommentare

03:35 21.04.2017
Ach ja, ist schon traurig, dass der Körper (spätestens) im Alter immer schlechter funktioniert, man kann froh sein, wenn er wenigstens so einigermaßen durchhält ggf. auch mit "Nachhilfe"
Und 14 Tage ganz ohne größere Urlaubstour? Wenigstens mal kurz ans Meer? Da fühlt sich, für mich/uns, auch ein Tag wie Urlaub an
Good luck!
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2017-04-21 03:20