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Tuesday, 10. December 2019
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Tagebuch MissTesa
2019-11-17 08:54
Freud und Leid ..

Selten, wirklich selten lagen Freud und Leid so nah beieinander wie in den letzten 4 Tagen. Ich schreibe vermutlich etwas wirr, aber muss man mir jetzt einfach nachsehen. Ich weiß auch gar nicht ob ich alles schreiben kann.

Mittwoch abend, trotz Infekt ging es mir ja schon besser. Total verrotzt, ich war gerade die Spülmaschine am einräumen, klingelt mein Handy. Ich habe die Stelle in Essen. Zu meinen Konditionen. Beide wären total begeistert von mir gewesen. Und trotz aller Bedenken vorher habe ich zugesagt und mich wirklich gefreut. Hab dann über die Alexa eine Sprachnachricht an MAma geschicht und fast geweint, vor Freude. Sie hat ja doch etwas mitgefiebert und in solchen Situationen möchte man solche INfos an seine Lieben natürlich loswerden. Ja, anstoßen dann am Wochenende, noch gelacht, weil ich doch noch den Sekt zuhause habe, den mir die Firma zum 5 jährigen schenkte. Kündigung dann nach meiner AU sobald die Tinte auf dem Vertrag trocken ist.

Donnerstag. Die Freude hält an. Hab mir ein Buch bestellt. Gebraucht, weil neu kostet das fast 70 Euro. Kollegin von der Arbeit schickt eine Mail weiter die in der Firma verschickt wurde. Pesonalabbau bla, einvernehmlich bla bla, .. Es gibt ein Freiwilligenprogramm, die betreffenden Kollegen bekommen dann einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung. Ich dachte nur ich träume. Wie geil wäre das?! Da jetzt mit zu machen, die Kohle kassieren und schon eine neue Stelle zu haben. Freitag sollte ja Betriebsversammlung sein.

Freitag. Ich hatte mich abends noch belesen und freitag morgen bei unserer Rechtschutz und beim Anwalt angerufen. So ein Aufhebungsvertrag wird ja individuell ausgehandelt. Ich hab von sowas keine Ahnung. Rechtschutz übernimmt die Beratung beim Anwalt aber nicht weil es kein Schadensfall sondern nur eine Beratung sei. Kosten würde ich dann notfalls selber tragen. Termin habe ich am Montag. Die Betriebsversammlung war zu ende und die Kollegin schrieb mir, wir sind auf der Sperrliste, also auf der Liste derer die unverzichtbar sind und am Programm nicht teilnehmen können. Schade! Aber da ich eh den Termin habe, frage ich den Anwalt wie da die Rechtslage ist. Zudem habe ich nun ANgst, das man mich nicht, wie besprochen, eher aus dem Vertrag lässt und auf die 2 Monate Kündigungsfrist pocht. Anderen wurde das aber bereits gewährt. Auch das wollte ich absprechen.
Gegen Nachmittag rief mich dann das Pflegeheim an. Meiner Mama ginge es nicht so gut, Erbrechen seit Montags, Hausärztin hätte auch schon was verordnet aber sie behält nichts drin und er würde jetzt den Transport bestellen damit sie ins Krankenhaus kommt. Sie sei dehydriert. Da ist das die beste Entscheidung. Die peppeln mit Tropf auf und können schauen was sie braucht um den Infekt los zu werden. Ich telefonierte abends mit dem Pfleger von der Station. Er war sehr nett. Mama läge in Isolation da man nicht wisse ob es ansteckend ist. Da ich selber auch noch mit meinem Infekt kämpfe riet er auch davon ab Samstags zu kommen. Ich sagte ihm, er solle ihr ausrichten das wir dann Montag kommen. Sie war klar bei Verstand und er versprach dies zu tun.

Samstag. Es war noch früh, so gegen 9 Uhr glaube ich. Ich war schon munter, Nico auch, mein Mann döste noch im Bett vor sich hin als unser Telefon schellte. Dr. keine Ahnung wie er hieß vom Krankenhaus. Mein erster Gedanke "bitte nicht wieder Intensivstation". Nein, keine Intensivstation, er sagte mir am Telefon ziemlich unverblümt das meine Mama morgens im Bett eingeschlafen ist. Sehr überraschend, nachts um 3 Uhr sei noch alles ok gewesen. Eine Entzündung, aber ich weiß nicht wo, ich habe das Telefon an meinen Mann weiter gereicht. Und da ist es nun, dieses Mega große Loch, welches ich aus 2012 und 2015 kenne. Tausend Dinge zu regeln. Und ich bin nun ganz alleine. Keine Eltern, keine Schwester mehr. Mein Mann hilft mir wo er kann. Ihn nimmt das aber auch mit. Und er macht sich Vorwürfe weil er letzte Woche nicht mit war. Sowas, konnte keiner wissen. Und letzte Woche ging es ihr ja noch gut. Ich bin am Ende. Das einfach alles zu viel. 3 Todesfälle aus dem engsten, ja wirklich engsten, Familienkreis in 7 Jahren. Dazu die Monate wo Mama im Krankenhaus lag, auf Intensiv, künstliches Koma etc. Mich tröstet, das sie so gestorben ist wie sie in ihrer Patientenverfügung schrieb. Die Frage dort war, welche Gedanken man ans Sterben hat und würde man heute sagen, das man morgen früh nicht mehr aufwacht, wie wäre das und sie antwortete darauf das sie beim Sterben an meine Schwester und meinen Papa denkt, das sie keine Angst hat und das eine schöne Art zu sterben sei, Augen zu und weg, sie sähe dann alles von oben und fühlt sich leicht. So war es.
Nun steht viel für uns an. Auf dem Weg zum Bestatter haben wir unseren Briefkasten geleert, ein großer weißer Umschlag, mein Arbeitsvertrag. Freud und Leid, momentan emotionaler Ausnahmezustand.

Kommentare

19:23 19.11.2019
Mein Beileid. Wünsche dir für die kommende Zeit viel Kraft.
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03:35 18.11.2019
Oh schlimm, einerseits, andererseits ist so ein ruhiges Einschlafen doch tröstend - und vorher wart Ihr ja ganz oft beisammen, so dass Du auch hier ein gutes Gewissen haben kannst. Mein Beileid für diese Tage und alle notwendige Kraft!
Und schön, dass es mit dem neuen Job geklappt hat, das wird Dich dann sicher auch ablenken. Ein neuer Start
Good luck!
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14:25 17.11.2019
Mein Beileid zum Tod deiner Mutter. So unerwartet! Ein Schock. Gut, dass du schon das Positive an diesem Einschlafen sehen kannst.

Zum neuen Arbeitsvertrag gratuliere ich. Immerhin etwas Gutes!
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12:12 17.11.2019
Mein Beileid ! Viel kraft für die kommende Zeit ...
Und dennoch.. herzlichen Glückwunsch zum neuen Job..
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12:03 17.11.2019
Das ist toll, daß das mit dem neuen Job geklappt hat.
Es tut mir leid mit Deiner Mutter. Ich weiß, wie sich das anfühlt.
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10:44 17.11.2019
Puh, das ist ja heftig.
Herzlichen Glückwunsch zum Job.
Und es tut mir sehr leid, dass deine Mutter dann doch so unerwartet gestorben ist.
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