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Friday, 24. November 2017
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Tagebuch PetraM
2017-04-19 02:43
Di. 18. April 2017
Heute war seelisch nicht so ganz mein Tag. Ich habe zwar versucht, alles in den Griff zu bekommen, so gut es geht zu "funktionieren", aber so ganz hat es dennoch nicht geklappt.

Ich fand es schön,

dass ich, obwohl ich heute morgen erst spät und langsam in die Gänge kam, trotzdem 18 Minuten Plus gemacht habe.

dass ich von der "Warteliste" in den Vortrag (Mitte Mai) rein gerutscht bin, an dem ich von der Arbeit aus teilnehmen soll. Das könnte durchaus interessant werden. Dann muss ich zumindest nach keiner Ausweichlösung mehr suchen. O. k., es ist an einem Mittwoch, aber darüber hatte ich mit meinem Trainer eh schon gesprochen. Und die Arbeit geht immer vor (für ihn als Lehrer mussten wir im Laufe der Zeit wegen Elternabend usw. auch schon ein paar Termine verschieben).

dass ich mich auf der Rückfahrt im Bus wieder so gut mit meiner Bus-Bekanntschaft unterhalten haben. Eine junge Frau hat beim Aussteigen eine Flasche Wasser (neben sich auf dem Sitz liegend) vergessen. Irgendwie entstand daraus dann ein sehr gutes, interessantes Gespräch über Sachen, die im Laufe der Zeit im Bus liegen geblieben sind. Was man halt so mitbekommen hat. Über Schirme usw. Dabei fielen sogar ein paar so gute und originelle Sprüche, so dass wir beide Lachen mussten.

Ja, aber ansonsten war dieser Tag eher negativ.

Der Vormittag verlief zunächst relativ ruhig, da kam ich mit meiner Arbeit auch gut voran (wobei ich Nachmittags auch noch einiges geschafft habe).

Nachdem Mittags die Post (Paketpost) durch war, hatte ich "Druck" und wollte mal eben schnell aufs Klo flitzen. Eine Kollegin trinkt immer sehr viel, geht deswegen auch sehr oft aufs Klo. Das mache ich ja eh schon nicht. Ich halte auch immer so lange ein, bis nichts mehr geht. Ja, aber irgendwann muss auch ich mal gehen.

Ich habe mich wirklich beeilt. Ja, aber in der kurzen Zeit kam dann prompt eine Lieferung und keiner kannte sich bei "mir" am Empfang so richtig aus (mit Schelle usw.). Meine Kollegin, die sich auskennt (oft meine Vertretung macht), war gerade kurz in der Pause. Sofort war Unruhe, weil keiner genau wusste, was zu tun war.

Nein, Ärger habe ich deswegen keinen bekommen, aber ich habe mir selber Vorwürfe gemacht. Wäre ich an meinem Platz geblieben (hätte ich noch länger eingehalten), dann wäre diese Unruhe nicht passiert. Ich hätte genau gewusst, was zu tun ist, wo die Schelle (Türöffner) usw. ist.

Ja, und letztendlich habe ich mich danach dann auch nicht mehr so schnell (für die nächsten Stunden, also bis kurz vor Feierabend) dort weg getraut, aufs Klo getraut. Ich habe eingehalten, bis die Bauchschmerzen zu heftig wurden. Dadurch konnte ich mich zeitweise auch nicht mehr richtig konzentrieren.

Das ist halt der Nachteil an der Zentrale, zumindest wenn man so pflichtbewusst ist wie ich. Ja, o. k., zeitweise auch schon "zu" pflichtbewusst ist. Ich möchte mit meinen Aufgaben (als Vertretung) anderen nicht zur Last fallen und so entstehen halt solche Situationen wie heute.

Dazu kam das Seelische bezüglich meiner Mutter. Die Chemo wurde verschoben. Auf der Arbeit erfuhr ich es nur Allgemein per SMS, dass es wahrscheinlich morgen durchgeführt wird, sie auf jeden Fall noch länger im Krankenhaus bleiben wird. Das hat mich zusätzlich nervös gemacht.

Als ich im Bus saß, hat sie mir geschrieben, dass sie wieder am Tropfer liegt.

Zu Hause hatte ich zuerst einen total toten Punkt. Ich wollte mich ein viertel Stündchen hinlegen und bin sofort für rund eine Stunde eingeschlafen.

Danach habe ich mir das Telefon geschnappt, habe erst mal meine Mutter angerufen.

Die Leberwerte sind wieder so hoch, ihre Augen ganz gelb. Mit so hohen Leberwerten können sie keine Chemo machen.

Die Ärzte vermuten, dass das vom Wassermangel kommt. Sie hatte ja seit Monaten schon Wasser im Bauch, das immer mehr wurde. Umso mehr es wurde (der Abfluss der Galle war ja verstopft, in den Nieren kam kaum noch was an), umso weniger hat sie schon seit Monaten getrunken.

Deswegen kam sie heute erst mal an den Tropfer mit Kochsalzlösung. Heute Mittag und Abend je einen Liter. Für morgen Vormittag ist nochmals ein Liter geplant. Die Ärzte hoffen, dass sich die Leberwerte dann wieder normalisieren. Dann könnte Nachmittags die erste Chemo durchgeführt werden (dann könnte sie 24 Stunden später, also am Donnerstag Nachmittag entlassen werden).

Heute Nachmittag war jemand von einem Sterbehospiz dort, hat allen Krebspatienten (also auch meiner Mutter) Prospekte gegeben. Das hat sie sich heute Abend in Ruhe durchgelesen und mir heute Abend davon erzählt.

Sie wüsste ja nicht, wie es jetzt weiter geht. Ob (mit den hohen Leberwerten) überhaupt noch eine Chemo möglich sei. Und selbst wenn es klappt, was ist, wenn es dann in einem oder zwei Jahren steil bergab geht. Wir beide (mein Freund und ich) sind voll berufstätig und brauchen auch das Geld für Miete usw. Wir sind beide zeitlich und auch seelisch nicht in der Lage, ihr 24 Stunden zu helfen, wenn sie alleine nicht mehr klar kommt. Sie hat mir dann sehr positiv von diesem Prospekt erzählt.

Am Telefon war ich noch ruhig, aber danach flossen dann doch die Tränen. Ich habe es noch nicht so richtig realisiert, wie hart und ernst es aussieht (weil wir an Ostern doch auch so locker geredet haben, mit ihr noch ein paar Meter gelaufen sind). Wenn ich von ihr rede, dann wie "von einer dritten Person", von der man was gelesen oder gehört hat, aber nicht, von "meiner eigenen Mutter".

Es ist schon ein seltsames Gefühl, dass sie sich plötzlich so intensiv mit ihrem Ende, mit ihrem Sterben beschäftigt. Für uns war das bisher immer in so weiter Ferne. Aber so fern ist das jetzt nicht mehr. Höchstens in ein paar Jahren.

Ja, aber wie mein Freund schon sagte, mit diesen aktuellen hohen Leberwerten. Krebs ist heimtückisch, es kann unter Umständen auch schnell gehen. Wie die Ärzte schon sagten, eine Lebenserwartung von 6 Monaten, über 2-3 Jahre bis zu 5-6 Jahren, alles ist möglich. Wir hoffen jetzt, dass diese erste Prognose mit den 6 Monaten nicht zutreffen wird..... (Dass sie die Leberwerte wieder in den Griff bekommen und dann wirklich mit der Chemo beginnen können, die den Krebs dann hoffentlich etwas ausbremsen wird).

Nach dem Telefonat war es mir vor Aufregung (mit den Gedanken rund um das Sterbehospiz) so schlecht, dass ich noch nichts essen konnte, mich nochmals etwas hingelegt habe. Erst gegen 21.30 Uhr habe ich dann ein paniertes Schweineschnitzel und Krautsalat gegessen. Das hat mir für heute dann gereicht.

Den ganzen Abend über hatte ich noch ein flaues Gefühl im Magen.

Eigentlich wollte ich noch Sport machen, zumindest ein Grundprogramm, aber dazu hatte ich heute dann wirklich so gar keine Lust mehr. Aber nachdem ich über Ostern täglich was gemacht habe, habe ich mir heute dann halt mal einen sportfreien Tag gegönnt. Das muss auch mal sein.

Ja, im Moment ist alles nicht so einfach für mich.....

Morgen geht nun die "Vorbereitung" bei meinem Freund los. Davor ist er schon total nervös. Also nächste Woche Mittwoch ist ja seine Darmspiegelung. Morgen (also eine Woche später) ist die Blutabnahme und ein kleines Vorgespräch, was er (auch Essensmäßig) vorab beachten muss, ab wann er das Abführmittel nehmen muss usw. Wir sind froh, wenn das endlich vorbei ist (am Osterwochenende ist ein Kollege von ihm mit Mitte 60 noch an Lungenkrebs gestorben - langsam können wir das Wort Krebs wirklich nicht mehr hören....).

Kommentare

03:28 21.04.2017
Dann Deinem Freund mal alles Gute für seine Gesundheitstour!
Und Du solltest gehen wenn Du musst, hast Du keinen "Komme gleich wieder"-Zettel?
Good luck!
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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2017-04-19 02:43