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Tuesday, 16. September 2014
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Tagebuch Gottergeben
 1947-04-04 hh:mm
Nachkriegselend – Hunger - Kälte
Kartage 1947.

Auf das in allem Gott verherrlicht werde!
Mit diesem Motto St. Benedikts beginne ich den ersten Eintrag dieses Buches, der eigentlich ein Nachtrag aus losen Blättern ist, nachdem ich lange Zeit nichts aufgezeichnet habe. In der Einsamkeit drängt es wieder hin zum dinglichen, zum stummen Papier. Es ist ja geduldiger u. duldsamer als die Menschen. Sei ½ Jahr u. länger habe ich wohl manche Liebe, aber keine (oder ganz wenig) Freude erfahren. Fam. Edelmann, bei der ich noch möbliert wohne, ist herzensgut u. in ganz echter christlicher Liebe rührend besorgt, den bitteren Hunger u. die beißende Kälte des kohlen- u. nahrungsarmen Winters (mein Zimmerofen hat nur Dampfheizg., die nicht geheizt werden kann) erträglich zu machen u. auch den inneren Menschen zu wärmen –
Aber die Zeit ist zum Verzweifeln trostlos und die Menschen, auch die positiven Christen, haben aus der Vergangenheit nichts gelernt. Egoismus, Mißtrauen, Leidenschaft, Mißgunst, Lebensgier suchen den Nebenmenschen aus der Bahn zu drängen, Unzucht feiert Orgien auf der Straße, Flüchtlingselend schreit auf der Gasse, die Not wird zur Korruption u. zum Geschäft gemacht u. die Freunde verweigern einander die Liebe.
Ich bin über allem innerlich so alt u. schwach geworden, daß ich mir greisenhaft vorkomme. In der Schwachheit des Menschen wird Gottes Stärke offenbar. In seiner schwächsten Stunde hat Christus die Welt erlöst.
Über diese Stunde ist nichts mehr gestanden als der Gehorsam. Der Gehorsam bis in den Tod. Bis zum Tod am Kreuz. Noch jeder Hora stelllt in diesen Tagen die Kirche diesen Gehorsam in seinem erschütternden Ausmaß vor unsere Seelen.
Ohne das fiat am Anfang durch Maria u. ohne das fiat am Ende des gottesmenschlichen Lebens wäre Erlösung nie geschehen.
Hätte Christus am Ölberg nur – von Todesnot übermattet – zum „Vater laß vorübergehen“ gefunden, ohne zum „fiat voluntas tua“ vorzudringen, das Holz des Heils wäre nie aufgerichtet worden.
Viele haben im Lauf der Weltgeschichte ihr Leben gegeben für eine Idee u. sind doch nie Retter geworden – sind vielfach Empörer geblieben – auch im Opfertod Empörer u. ihr Tod wurde Saat der Zerstörung, weil sie im Ungehorsam standen.
Zum reinen u. wahren Opfer gehört die Unterordnung unter einen höchsten Willen. Unseren Weg hat der Herr vorgezeichenet: „ Einen Leib hast du mir gegeben.“ Ich komme zu vollbringen deinen Willen.

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