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Tuesday, 16. September 2014
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Tagebuch Gottergeben
 1945-05-20 hh:mm
Der Krieg ist aus !!!
Weitere Ereignisse 1945

Der Krieg ist aus. Eine trübe Flut wälzt sich auf den Landstraßen. Soldaten kehren heimwärts, einzeln u. in kleinen Trupps. Sind das noch Soldaten? Sind sie nicht das Symbol der gänzlichen Zerschlagenheit unseres Volkes? Wie Landstreicher kehren sie zurück, scheu, verschämt, verängstigt, barfuß, barhaupt, halb in Uniformen, halb in geschenkte Zivilkleider gesteckt. ein Bündel unterm Arm oder ein selbstgebautes Wägelchen hinter sich, hungrig u. obdachlos. Mit diesem Elendsstrom oder ihm entgegen wälzt sich eine 2. : Die evakuierten Zivilisten, die nach der Heimat zurückdrängen mit „Kind u. Kegel“, die nicht warten können u. wollen, bis für Zivilisten wieder Eisenbahnen fahren u. nun 100 km auf der Landstraße hinter sich bringen, ein Bild des Elends, das nur vom 3. Strom der Straße ergänzt oder verdrängt wird, je nach dem – vom Strom der Heimatvertriebenen, der Flüchtlinge aus dem Osten, aus Schlesien, Ostpreußen.
Die ersten Zeitungen erscheinen wieder, eine „Neue Zeitung“ der amerik. Behörde für Deutschl. Sie bringen Grauenberichte eines Regimes der Gottlosigkeit in den KZ. Man möchte nach Abzug aller propagandister Tendenz diese Berichte als Wahnwitz krankhafter Phantasie bezeichnen, wenn nicht Tatsachen belegten, daß in diesen Lagern das Mysterium der Bosheit mitten unter uns sich austobte. Nun spricht man von unserer Kollektivschuld. Vor Gott muß gesühnt werden in vielleicht furchtbarer Sühne, daß solche Mordtat in unserem Volke geschah; aber Menschen haben kein Recht den unwissenden Bruder zu richten für den Frevel des XXXX Bruders.
Einzelschicksale werden bekannt wie das des Dompredigers v. Regensburg u. das des Rechtsanwalts Wölfle v. Bamberg.
Am 1. Mai fährt die Eisenbahn wieder, bewundert, bestaunt, bejubelt wie annodazumal ihre Stammutter.
Aber die Eisenbahn fährt nicht für uns.
Man „tippelt“. Große Wege, kleine Wege, Riesenwege. Eigentlich darf man nur 25 km im Umkreis sich aufhalten. Es gibt Sperrzeiten. Aber sie werden häufig großzügig umgangen. Es hat sich ein regelrechter LKW Verkehr mit „Anhaltebahnhöfen“ entwickelt. Ich selbst komme auf diese Weise zum ersten mal wieder nach Bbg., in die Trümmerfelder des einst schmucken Nürnbergs u. des heimatl. festlichen Würzburg - u.- habe geweint. Auch in Münsterschwarzach war ich auf diese Weise. Der Abt u. die bereits teilweise zurückgekehrten Mönche sind wieder im Besitz ihrer Heimat, mir selbst aber schien es nicht mehr so heimatlich wie früher u. andere Gäste stellten die gleiche Wahrnehmung. Welcher Vorhang hat sich da zwischengeschoben?
Die Zeitungen bringen das Ende des 1000 j. dritten Reiches: Göbbels hat sich mitseiner Familie das Leben genommen, Göring ist verhaftet, Himmler nimmt bei seiner Verhaftung Zyankali; des unsterblichen Führers Ende ist in mysteriöses Dunkel gehüllt; sensationell wie sein Leben ist sein angeblicher Tod: am Ende, beim Zusammenbruch heiratet er in seinem Bunker, erschießt sich u. seine Frau; die bezingetränkten Leichen werden verbrannt. O veritas, veritatem!

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1945-05-20 hh:mm