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Friday, 24. October 2014
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Tagebuch Gottergeben
 1945-05-10 hh:mm
Christi Himmelfahrt 1945 – Ein großer Tag
Lange sind die Seiten dieses Buches nicht mehr geöffnet worden. Da ich die ersten Worte wieder niederschreibe, ist ein großer Tag. Der hohe Festtag im Leben der Kirche ist nach langen Jahren wieder Feiertag im Leben des Volkes. Mit (unsrer) tiefer Beglückung sind in den letzten 3 Tagen die Bewohner der Dorfschaften wieder betend durch die Felder gewallfahrtet u. heute trug man in feierlicher Passion den Herrn durch die Fluren, daß Er segne die Menschen u. ihrer Hände Arbeit, die Häuser, die Felder u. unser täglich Brot. Wie nötig werden wir den Segen haben! Was hat der Herr uns für die Zukunft zugemessen?
Wir wissen nur was hinter uns liegt. Es scheint mehr zu sein – fast für jeden – als ein Mensch ertragen kann. Aber der Herr war mitten unter uns, als die Drangsal über uns hereinbrach u. er hat mitgetragen, hat unser Kreuz zu seinem hinzugenommen oder – hatte er uns nur gerufen wie Simon, daß wir – begnadet – mittragen sollten an seinem Kreuz in der Welt?
Sequere vielu! Konnten wir darum tapfer bestehen? Gewaltiger als in Meeresbrausen u. Gewitter.
Außen hat der Herr im Zeitgeschehen dieser Jahre u. besonders ihren letzten Wochen seine absolute Herrschergewalt uns geoffenbart u. handgreiflicher hätte die Ohnmacht des Bösen, die feige Erbärmlichkeit hochmütigen Übermenschentums, ruhmloses Ende ruhmbegierlicher gottfremder Menschheitsträumer sich nicht bekunden können.
„Wer ist mein Gott??“ u. Satan der großen Versucher stürzte wie der Blitz vom Himmel.
„Ihr werdet sein wie Gott?“ Es schlossen sich den ersten Verführten die Pforten des Paradieses hier u. dort.
Immer wieder erliegen die Adamssöhne der falschen Verheißung des Vaters der Lüge u. immer wieder stürzt der Michaelsruf den Versucher vom angemaßten Gottesthron u. weißt der Engel mit dem Flammenschwert die Verführten aus dem heiligen Bezirk.

Was liegt hinter uns an Erfahrung, an Leid an Prüfung? Schriftsteller u. Dichter werden einst Bücher mit dem Geschehen der letzten 6 Jahre u. ihrer letzten 6 Wochen füllen. Was das Herz, die Seele der Einzelnen getragen hat, faßt kein Buch der Welt, aber es steht im Buche Gottes u. dabei steht die Frage: Wie hast Du Dich bewährt?
Gottes Liebe, die mich durch diese Tage, Wochen Jahre barmherzig führte möge darüber barmherziges Gericht über mich (führen) halten.

Am 1. Kriegssonntag vor 6 Jahren schrieb ich aus dem Evang. d. Sonntg.: Die Vorsehung Gottes sorgt, darum seid nicht ängstlich besorgt.“ Es hat sich in der Vergangenheit bewahrheitet, es soll auch über der dunklen Zukunft stehen.
Die Waffen ruhen. Am Dienstag, 8. Mai um 12.01 min Sommerzeit trat der Waffenstillstand in Kraft. Die allierten Mächte haben die (voll) bedingungslose Kapitulation Deutschlands entgegengenommen. So endet dieser glorios begonnene Krieg, der Wunder äußerer u. innerer heldenhafter Tapferkeit aufweist, der mit unerhörten Drangsalen gesättigt war, der ungeheure Blutopfer forderte, mit einer Demütigung unseres Volkes u. Vaterlandes, wie sie die Geschichte nie verzeichnete. Seit Beginn dieses Jahres dringt der Gegner im deutschen Land von Ost u. West vorwärts, hat Gau um Gau, Stadt um Stadt erobert. Die Fliegerangriffe häuften sich u. steigerten sich immer mehr in ihrer Furchtbarkeit. Am 16. März leuchtete die furchtbare Brandfackel von Würzburg uns entgegen. Ein Großangriff verwandelte die einzigartige Stadt, das Herz der Frankenstädte, an dem das Herz eines jedes Franken hing, in eine Trümmerstätte. Es war eine Bewährung des Glaubens die Marienstadt der Vernichtung anheimgegeben zu sehen.
Auch das altehrwürdige Nürnberg ist nur noch Ruine seiner stolzen Schönheit.
Bei Tag u. Nacht zitterten die Menschen vor Sirenengeheul u. Tieffliegerangriff. Wir wagten uns kaum mehr ins Freie. Wie oft drückte ich mich allein auf dem Weg nach Hausen wegen Tieffliegergefahr in den Straßengraben, rannte um das Leben zur nächsten Deckung! In der Passionszeit, in der Karwoche vor allem lebten wir beinahe unter Daueralarmen. Am Dienstag der Karwoche wurden alle mainfränk. Schulen plötzlich geschlossen. Am Palmsonntag waren die amerik. Panzerspitzen bereits in Aschbg. Trotzdem versuchte die Gauleitg. die Tatsachen zu dementieren. Die Flackhelferinnen waren bereits ab Montag entlassen, d. h. auf die Straße gesetzt worden. Ein wilder Kampf setzte um die letzten noch fahrenden Züge ein. Auf den letzten Kohlentendern, auf den Dächern, Trittbrettern, Puffern standen Menschen. In den Wagen preßten sich die Menschen wie Heringe in der Tonne. Am Dienstag (Karwoche, Osterwoche) fuhr der letzte Zug. (1 Woche vorher war zu allen Ängsten u. Nöten beim Bahnwärterhaus noch ein schwerer Zugzusammenstoß erfolgt. 2 mit Menschen u. Material schwer beladene sehr große Truppentransportzüge fuhren aufeinander.) Flüchtlinge, bes. aus Aschbg. U. Würzburg, Flackhelferinnen, Arbeitsmelder, die ebenfalls entlassen waren, zurückweichende Soldaten, Soldaten, Soldaten belebten die Straßen bei Tag u. Nacht.
Das Bild des Elends – waffenlos, verschmutzt, erschöpft, mit Handkarren, geklauten Fahrrädern, abgetriebenen Pferden an Bauernkarren strömten die Soldaten von der Front zurück – steigerte sich zum trostlosen Jammerbild als man auch alle gehfähigen Verwundeten auf die Straße gesetzt hatte. Nein – ganz trostlos war das Bild doch nicht, denn die Barmherzigkeit öffnete überall die Türen u. Herzen u. spendete aus dem Überfluß, gleichermaßen aber auch aus dem Mangel. Christl. Barmherzigkeit ist noch lebendig in Franken. Gott sei Dank!
Inzwischen kamen die Nachrichten von der Front immer bedrückender, das Kampfgebiet rückte immer näher. Die Kar- u. Ostergottesdienste feierten wir unter ständigem Donner der Artillerie u. dem Knattern der eigenen Flack. Es war z.B. am Ostersonntag unmöglich nur bis Schwf. zu kommen. In den letzten Tagen war Daueralarm v. früh 7 h bis abends 7 h. Am Karsamstg. fuhr ich um ½ 6 früh n. Schwf. Noch während der hl. Zeremonien krachten Einzelbomben, schoß die Flack. Gleich nach Beendigung gab es Vollalarm. Wir rannten unter Gefahr zum Bunker; saßen dort bis gegen Mittag Vorentwarnung gegeben wurde. Noch während wir endlich eilig im Stehen das Frühstück einnahmen, gab es neuen Alarm. Ich ging zur hl. Beichte. Schon krachte es wieder, daß die Wände der leichten Barackenkirche zitterten u. die Türe auffuhr. Endlich nachm. gegen 3 h gab es Entwarnung. Kaum war ich aus der Stadt drohte erneute Gefahr u. ich war dankbar als ich mich halben Wegs ein Auto mitnahm.
Die Nachrichten von der Front überschlugen sich; immer bekannter wurden die Kampforte, immer persönlicher gefärbt die Berichte. Die unmittelbare Sorge kam für Schonungen mit dem Ostermontag.
Es war Erstkommunionsfeier, bereits um 7 h der Spätgottesdienst. Ich hatte infolge der Überanspannungengen u. der ersten Nacht der Sommerzeit verschlafen u. wollte darum nach Hausen zum hl. Osteropfer. Da traf ich die Bewohner des Ortes in heller Aufregung. Durch Anschlag war bekannt gemacht, daß unter Verhängung des Stadtrechts „d. i. d. Todesstrafe“ niemand den Ort verlassen. So blieb ich am hl. 2. Ostertag ohne Feier des euchar. Opfers. Das war ein großes Bitternis. Um ½ 9 h mußten alle Bewohner ab 14 Jahren zum Schanzen von Panzerfallen antreten. In mir kochte der Zorn, die Dorfbewohner standen in heller Erregg. Wir wurden vom Schanzdienst befreit durch sofortige Errichtung einer ständig besetzten DRK Unfallstellen u. hielten von nun an bis zum Einzug der Amerikaner bei Tag u. Nacht Wache.
Die Sorge, daß der Ort verteidigt würde und dadurch der Zerstörung anheimfalle, wuchs fast stündlich; die Angst mit jedem neuen Bericht der flüchtenden Soldaten. Ab Samstag, 7.4. lag Schwf. unter Artilleriebeschuß. Kein Ort wußte um das Schicksal der Nachbarorte genau Bescheid.
Am Weißen Sonntag war ich zur Erstkommunionsfeier n. Hausen, wo ich 4 Monate unterrichtet hatte, geladen.
Ich mußte in Uniform gehen. Den ganzen Tag beunruhigten Tiefflieger die Menschen, erschütterten Flack- u. Kanonendonner die Luft. Tiefer aber waren die Dorfleute darüber erschüttert u. erregt, daß in dem kleinen Ort, 5 Minuten vor dem Gottesdienstbeginn ein deutscher Soldat, Familienvater, Katholik, auf dem kl. Friedhof standrechtlich erschossen wurde. Der Fall bestätigte die Gerüchte, daß anderswo Soldaten, die wehrlos vor der Übermacht des Gegners v. der Front zurückgewichen waren, von der SS erhängt wurden.
Die Verwirrung wuchs. Die Organisation versagte total. So atmete Schonungen auf, als es seiner Parteigrößen Flucht erfuhr. Nun war die kampflose Übergabe gesichert. Schwf. aber wurde verteidigt u. erfuhre am 8. od. 10.4. seinen letzten Großangriff durch Flieger.
Am Dienstg., 10.4. kam Schonungen unter kurzen Artilleriebeschuß. Dabei wurde unser Haus getroffen, der Hausherr schwer verletzt u. mein Schlafzimmer zerstört.
Am 11.4. wurde Schwf. übergeben u. am Nachmittag gegen
5 h zogen die Amerikaner kampflos in Schonungen ein. Damit war für uns der Krieg praktisch aus, wenn auch lange noch bei Tag u. Nacht der Nachschub des amer. Heeres über die Straßen rollte.
Ein Gefühl als sei ein entsetzlich schwerer Traum gewichen oder ein böser Schmerz plötzlich geschwunden. Den durchlebte Leib u. Seele. Man konnte das Geschehen nicht mehr voll erfassen, so benommen war man von ihm. Ich konnte traumlos schlafen von einer Kanone sehen zur anderen u. konnte im heftigen Flehen beten. Als es ruhig geworden konnte ich beides nicht mehr. Aber ein wortloses Gebet demütiger ernster Dankbarkeit war (stand) in mir. Mein bewachtes Leben gehört bedingungslos Gott. Unser zerstörtes u. vernichtetes Deutschland rette Gott u. mache es für sich zum Reich Seines Namens.


Der Antchrist!

Er wird sich kleiden in des Herrn Gewand
u. seine heilige Sprache wird er sprechen
u. seines Richteramtes sich erfrechen
u. übers Volk erlangen die Gewalt.

Und Priester werden, wenn sein Ruf erschallt,
zu seinen Füßen ihr Gerät zerbrechen,
die Künstler u. die Weisen mit ihm zechen
um den sein Lob aus Dichtermunde hallt.

Und niemand ahnt, daß Satan aus ihm spricht
u. seines Armgeld Wunderbau zum Preis
die Seelen fordert, die er eingefangen;

Erst, wenn er aufwärts fahren will ins Licht,
Wird ihn der Blitzstrahl aus dem höchsten Kreis
ins Dunkel schleudern, wo er ausgegangen.

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