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Sunday, 16. December 2018
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Tagebuch Gertrud_Herrmann
 1913-03-16 hh:mm
Was ich jetzt an Opern...
Was ich jetzt an Opern u.s.w. zu sehen bekomme, das ist einfach großartig! Gestern war erst wieder eine famose Sache“ Fritz Dürrbernd klingelt morgens bei uns an, ob Mutti und ich wohl Zeit hätten Nachmittag ins Theater zu gehen. Er hätte 2 Billets, sie kosten nichts, zu einer Wohltätigkeitsaufführung im Lustspielhaus zum Besten einer Schauspielerin unter Mitwirkung von Jadlowker, Clewing u.s.w. Wir sagten natürlich ja, wir hätten Zeit. Nur war die Sache noch nicht ganz sicher, ob Papa hingehen würde oder ich. Schließlich bin ich aber doch mitgegangen. Und es war großartig! Erst wurde ein kleines Reutherstück (Hanna Lüttes Abschied) in Szene gesetzt, gespielt. Der Herr Pastor war Junkermann und Hanna Lütte Clewing. Regisseur: Fritz Düttbernd, natürlich bloß mal hinter der Bühne geklappert. Das Stückchen war aber reizend.- Dann kam Hermann Jadlowker, ach, den höre ich zu gerne, eine Stimme wie Gold! Am Clavier ein Herr Coring oder so ähnlich. Notenumblätterer Fritz Düttbernd! Großansage. Rolle! Notenumblätterer!!!
Mir hat Jadlowker auch gestern wieder großartig gefallen, Muttin nicht so besonders. Sie war durch die Persönlichkeit enttäuscht. Na, Jadlowker ist eben nicht hübsch, alle Menschen können eben nicht hübsch sein, darüber muß man eben hinweggucken. Und dann war Mutti enttäuscht, weil er das zweite Stück italienisch gesungen hat, und man beim dritten den Text sehr wenig verstanden hat. Na, wenn man eben den Text nicht versteht, achtet man nicht mehr darauf und erquickt sich nur am Ton. Von der hat man dann bei Jadlowker schon genug. Danach war Pause. Zufälligerweise hatten wir Herrn und Frau Zickel dort getroffen. Mit denen gingen wir nun im Foyer umher. Auf einmal: „Guten Tag, Fräulein Herrmann“, - Fritz Düttbernd. Wir sind dann noch ein bißchen mit ihm herumgegangen und dann mußte er „Klingeln gehen“, der Herr Regisseur! Dann kam auch Marianne Alfermann, Frau Erlholz und Frau Denera. Das war auch noch sehr schön. Aber der schönste Teil war doch der erste mit Jadlowker: Und geklatscht und getrampelt haben sie als der gesungen hatte! Toll einfach! Er hat auch etwas zugeben müssen, wenigstens wiederholt hat er das letzte.
Das schönste ist, Herr Zickel hat gesagt, er würde uns mal seine Billets zum Charlottenburger Opernhaus geben und Fritz Düttbernd bekommt jetzt wo er öfter das Regie hat auch häufig Freibillets. Da könnte doch dann Mutti öfter mit Tante Lenchen und ich mit Frau Düttbernds Schwester gehen. Das wäre ja einfach großartig!
Unser Theaterstück neudlich hat sehr gut geklappt. Einen kleinen Anranzer von (nicht lesbar) habe ich ja bekommen, weil ich meine Rolle nicht mithatte, aber das ist alles schon wieder gut.

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