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Tagebuch Eulchen
2011-12-31 13:58
Warum bin ich nicht einfach gegangen? Ach ja, weil ich eine Idiotin bin!
Darf ich sagen, dass ich denke, dass ich verrückt bin?
Ich meine mal abgesehen von der Tatsache, dass ich in der Psychiatrie bin. Ich könnte schwören, nein ich weiß, dass sie mich absolut nicht leiden kann. Sie konnte es nie und sie wird es nie können. Den Grund weiß ich. Jetzt, nachdem wir uns ausgesprochen haben. Eigentlich gehen wir uns aus dem Weg. Sie durchbohrt mich mit wütenden Blicken; ich kann sie spüren, ohne es zu sehen. Wir gehen uns aus dem Weg. Es ist nicht leicht, sie duftet so wundervoll. Sie sieht aus wie ein Engel. Doch für sie bin ich einfach nur ein fünfzehn Jähriges Mädchen. Es ist nicht einfach, von jemandem gehasst zu werden, doch inzwischen habe ich mich damit abgefunden und man lernt damit umzugehen. Wenn auch nicht von heute auf morgen. Ich lag auf dem Sofa im Wohnzimmer. Bei ihnen zu Hause. In diesem riesigen Wohnzimmer. Ob es nur so groß aussah, weil so wenig Möbel drinnen standen? Wer weiß das schon, jedenfalls war es groß. Größer als nötig, für sechs Leute. Maresa (21), Angelíne (25), ihr Bruder und deren Eltern. Sie sind so warmherzig, ja, vor allem Ole, ihr Vater. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Ich war kurz davor einzuschlafen, es war warm, ich schaute die ganze Zeit in den weißen Kamin, wo das Feuer brannte und hin und her tänzelte, als es plötzlich an der Tür klopfte. Eigentlich dachte ich ja, es sei Maresa. Doch da sah ich ihr atemberaubend schönes Gesicht. Angelíne stand dort und schaute mich an. Sie fragte, ob sie reinkommen darf, und außerdem ob sie mich geweckt hatte. "Nein, hast du nicht." antwortete ich. Als sie sich neben mich setzte, zog sich mein Magen nervös zusammen. Warum wollte sie mich wohl sehen? Worüber wollte sie wohl mit mir sprechen? Sie. Bei jedem anderen hätte ich eine Ahnung gehabt, doch bei ihr... sie hasst mich. "Ich habe in Vergangenheit bestimmt schon oft deine Gefühle verletzt", sagte sie entschuldigend. "Meinen Gefühlen geht´s super, mach dir keine Sorgen. Was gibts?" Ich verstand um Gottes willen nicht, warum sie das sagte. Als wir so lange schwiegen, dachte ich, sie bereut es schon, dass sie gekommen war, also setzte ich zum Reden an "Ich kann verstehen, dass du mich hasst." Ich presste es unsicher heraus. Sie lachte bitter auf und schaute mich an. Was ist denn nun der Grund? Nein, sie hasst mich nicht. "Ich hasse dich nicht.", sagte sie ganz leise, "...ich beneide dich." Ja, klar. Das wirds sein. Ich dachte, sie machte sich gerade ein Spaß daraus, doch es war ihr todernst... Ab da an sprach sie anders weiter... ohne jede Wehmut.... trotz der unglaublichen Geschichte, die sie mir erzählte. Es hörte sich für mich mehr an, wie ein Märchen, als wie etwas, das sich wirklich zugetragen hatte. Doch nun kann ich es verstehen und finde es leichter damit umzugehen, dass sie mich nicht leiden kann (weil sie mich beneidet) ich hoffe, es wird besser... Kommentare |
Eulchen Offline15 Jahre, DE 2011-12-31 13:58 |
