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Thursday, 20. June 2019
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Tagebuch c.
2016-06-12 15:55
Du fehlst mir ...
Am Freitag habe ich mich mit Mister Silvester getroffen.

Er ist zu mir nach Berlin gekommen und wir beide haben etwa 25,5 Stunden miteinander verbracht. Aber wer zählt schon?

Es war lange überfällig, dass wir uns endlich sehen. Den Gedanken, dass es gerade an diesem Wochenende passieren soll, hatte ich schon lange.

Am Freitag vor einem Jahr hatte er mich zum ersten Mal angeschrieben. Und ja, ich mag es, solchen Tagen auch nachhaltig Bedeutung zu geben.

Bereit zu einem Treffen war ich schon länger, aber jetzt hat sich alles doch recht angenehm gefügt.

Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen. Und doch bin ich nun verwirrt.

Er hat mir viele erste Male geschenkt an diesem Wochenende.

Das erste Mal Besuch in meiner Wohnung, der nicht mit mir verwandt ist.

Das erste Mal auswärts essen mit jemandem, mit dem ich nicht arbeite oder verwandt bin.

Der erste Kombucha meines Lebens.

Das erste Mal rohköstlich essen gehen.

Das erste Mal kiffen.

Ja, auch das war Teil unseres Wochenendes. Es war nicht wirklich eine zwingend notwendige Erfahrung, aber sein Ausflug nach Holland vor einigen Wochen war der Stein, der unserer Treffen ins Rollen brachte und somit war es fast folgerichtig, es dann hier auch zu tun.

Ich habe nur positive Gefühle zu der Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben und doch, oder vielleicht auch gerade deswegen, bin ich heute ein wenig verwirrt, sehnsüchtig und vielleicht auch ein wenig melancholisch/traurig.
In gewisser Weise stand natürlich auch die Frage im Raum, ob es zwischen uns funken würde.

Als er dann vor meiner Wohnungstür stand und wir uns zur Begrüßung umarmten, was mein erster und spontaner Gedanke: „Da ist nichts. Wir sind nur Freunde.“

Und das war völlig ok. Keine Enttäuschung, keine schlechten Gefühle. Denn Freundschaft ist nicht geringer in ihrem Wert als eine Verliebtheit, im Gegenteil, sie ist eigentlich sogar so viel mehr wert.

Es war super. Wir haben uns auf Anhieb so verstanden wie bisher immer übers Telefon. Wir haben viel zusammen gelacht.

Für mich war es ein besonderes Wunder, wie entspannt ich war.

My Home is my Castle und ich mag es eigentlich nicht, hier Leute um mich zu haben. Besucher kommen mir immer wie Eindringlinge vor und ich bin froh, wenn ich wieder für mich bin. So war das auch schon damals in Bonn, wenn sporadisch mal Freundinnen bei mir waren.

Aber mit ihm … Ich habe mich so unheimlich wohl gefühlt mit ihm. Es war, als würde er hierher gehören, es war nicht einen Moment seltsam, ich war nicht einen Moment angespannt. Auch nicht, als wir schliefen, in einem Raum und auch am nächsten Tag, nach der Dusche, ungeschminkt … Normalerweise hätte ich den Zustand nur sehr kurz ausgehalten, so spielte es keine Rolle.

Ich war ganz ich selbst, er war ganz er selbst und alles war so herrlich entspannt.

Wir haben so lecker gegessen. So geschlemmt. Es war total. Wir haben das Fußballspiel gemeinsam gesehen. Und nachts um drei noch eines der NBA Finals.

Das Kiffen … war interessant. Aber es hat mich so verdammt horny gemacht. Sehr verwirrend, auch wenn sonst nichts weiter passiert ist.

Einerseits kann ich mir Erotik, ja, nicht mal einen Kuss, mit ihm nur schwer vorstellen. Andererseits war da doch eine gewisse Anziehung, auch am nächsten Morgen noch.

Einerseits kann ich mir das, was ich mir unter einer Beziehung vorstelle, zwischen ihm und mir nicht vorstellen. Es fühlt sich falsch an. Andererseits … ich vermisse ihn und hätte ihn gerne auch heute noch bei mir gehabt.

Nachdem ich gestern Nachmittag nach seiner Abreise und einer kleinen Einkaufstour wieder nach Hause kam, fühlte sich die Wohnung seltsam leer an ohne ihn. Wieder alleine zu sein, das tat fast ein wenig weh.

Sonst kenne ich den ersten Moment alleine, nachdem man Zeit mit jemandem verbracht hat, immer nur als Erleichterung. Sonst fällt immer eine gewisse Spannung von mir ab und ich bin froh, wieder durchatmen zu können.

Es ist mir unglaublich schwer gefallen, die Spuren seines Besuchs zu beseitigen, benutztes Geschirr und benutzte Gläser zu spülen, die Dinge wieder an ihren Platz zu stellen.

Einige Male habe ich nun schon an dem Kissen geschnuppert, auf dem er geschlafen hat und habe ihn dabei vermisst.

Es ist ganz seltsam.

Ich weiß, wie ich mich gefühlt habe, wann immer ich verliebt war. So fühle ich mich nicht. Kein Herzrasen, kein Schwindel, keine Achterbahn, keine Schmetterlinge. Keine Aufregung.

Wir sind Freunde, sehr gute, die besten. Ich habe mich schon lange niemandem mehr so verbunden gefühlt wie ihm. Und ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt Freundschaften gab, die ähnlich eng waren, selbst mit den Leuten, die ich für Jahrzehnte kannte.

Im Vorfeld schon waren wir uns einig: Zwischen uns ist bereits so viel Liebe, eine tiefe, universelle, menschliche, ohne Romantik, ohne Erotik … Sie kann nur mehr werden und es ist völlig gleich, ob noch eine andere Komponente hinzukommt oder nicht. Denn sie wird dadurch nicht weniger, in keinerlei Hinsicht.

Und so ist es ja auch gekommen.

Vielleicht ist es einfach nur ein tiefes, innere Bedürfnis nach Nähe, Wärme, Vertrautheit, Verbundenheit, nach Gemeinsam sein, das gerade in mir hoch kommt.

Denn all das waren wir an diesem Wochenende, wir waren uns nah, vertraut, verbunden, da war so viel Wärme.

Ich fürchte, das alles klingt so zweifelnd, so negativ.

Aber das ist es gar nicht.

Ich hatte eine wunderbare Zeit mit ihm. Ich bedauere nur, dass sie so kurz war.

Wir werden uns wiedersehen. Bei mir. Und bei ihm. Das ist keine Frage.

Ich bedauere nur, dass es nicht gleich morgen sein wird. Wohl eher in einigen Wochen, wenn nicht sogar Monaten.

Und auch, wenn weiterhin alles so bleibt, wie es ist und wir vertraut miteinander sind, in jeder Hinsicht und alles einfach ist … ist es doch ein wenig schade, dass wir noch lange warten müssen, bis wir das Gefühl dieser Verbundenheit auch wieder tatsächlich sehr räumlich und sehr körperlich erleben können.

Es war toll. Und ich bin so froh, es endlich gemacht zu haben. Es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.

Kommentare

12:52 13.06.2016
ich finde auch, dass das toll klingt
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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17:17 12.06.2016
Ich finde, das klingt richtig richtig toll
Soll der Kommentar wirklich gelöscht werden?
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