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2010-06-20 08:47 / Gr. WoMo Reise
Sa, 19.06. Cap de la Hague - Mont St. Michel
In der Nacht hat es wieder geregnet. Somit ist das Schönwetter wohl vorbei. Oh, nein, schau, der Himmel wird gen Osten hell, ich kann sogar blaue Flecken ausmachen, tatsächlich heute bekommen wir den ersten Sonnentag in unseren Ferien.
Heute haben wir keine Bäckerei in der Nähe, wir entscheiden uns zum nächsten Aussichtspunkt zu fahren, unterwegs Baguette einzukaufen und in Nez de Jobourg zu frühstücken. Bäckereien gibt es hier ja auf Schritt und Tritt - dachten wir. Bis nach Jobourg sind wir in 3 Ortschaften vorbei gekommen und nirgends haben wir eine Bäckerei entdeckt. Backen die auf dem Land ihr Brot alle selber? Naja, Nez de Jobourg ist auch nicht so schön, dass wir hier unbedingt hätten frühstücken müssen, man hat vom Parkplatz keine Aussicht, ausserdem stellen sie gerade Zelte auf, da heute Abend ein Musikfestival sein soll, die Aussicht haben wir gestern auf der Wanderung ja schon genügend genossen, also gehen wir weiter.
Auf der Weiterfahrt sehen wir, was wir bisher nur gelesen haben: hier gibt es Palmen. Ja, wirklich war, das Klima wird hier vom Golfstrom beeinflusst und ermöglicht sogar das gedeihen von Palmen - kurios. In Beaumont kennen wir bereits einen Supermarkt. es ist 8.30h, der wird ja wohl geöffnet sein. Zonk, ist er nicht, aber 2 Strassen weiter gibt es eine Boulangerie und auch einen Boulanger, können also nach Herzenslust Brot und Fleisch einkaufen und ziehen weiter.
In Vauville finden wir unser ersehntes Zmorge-Plätzli am Strand, die Sonne scheint, es ist super. Nach dem Essen gehen wir noch ein wenig den Sentir de Douanier, den wir ja gestern schon ein Stück gegangen sind. Hübsch. Eine Kuh auf der Weide frisst ein Fischernetz, dass der Wind vom Strand gebracht hat: „He, davon wird Dir nur schlecht!“ Naja, das ist das Problem des Bauern, nicht von mir.
Das Cap de Flamanville mit dem AKW lassen wir links liegen und steuern das Cap de Carteret an. Auf dem Hügel beim Leuchtturm hat man wieder eine tolle Aussicht über den Strand. Diesmal gehen wir nicht spazieren, wir wollen ja weiter kommen und unsere Ferien sind ja schon bald zu Ende.
Courantes mit seiner TOLLEN Kathedrale lassen wir links liegen, wir haben schon häufig Kathedralen gesehen und sagen doch immer nur: „Oh, schöön.“ Da wir keine Architektonisches Verständnis haben, wäre das also verlorene Zeit, also weiter zum nächsten Aussichtspunkt.
In Granville soll es eine schöne Altstadt haben. Wir machen einen Rundgang, da haben wir im Norden aber die hübscheren Gassen durchschweift, aber das Stadttor gibt uns zu denken. Es steht geschrieben: Am 16. Juli M DCCC LXXXX III sei irgend etwas passiert. Was, das ist und eigentlich egal, aber die Jahreszahl gibt uns doch zu denken auf. Vier „X“ das kann nicht sein. Rekapitulieren wir (ohne vor den Zahlen zu kapitulieren): M = 1000, D = 500, C = 100, L = 50, X = 10, I = 1 somit müsste diese verquere Zahl etwa 1893 sein. Das ist aber wohl zu einfach dargestellt, da es vier gleiche Zeichen nicht gibt, wäre es die 4 dann wird geschrieben minus 1. IV = 4; IX = 9, XC = 90. Wie heisst diese Jahreszahl aber nun richtig geschrieben? M DCCC XCIII ? Jetzt machen die Franzosen so ein Gschiss mit ihren Zahlen: 70 gibt es nicht, es heisst 60+10, 80 heisst 4x20 und 90 schiesst den Vogel ab 4x20+10 (quatre-vingt-dix) und nun könnten sie einmal was rechnen (oder sollten sei), dann schummeln sie sich mit vier X aus der Affäre, das ist einfach nicht konsequent. Naja, was soll’s.
In Carolles sehen wir das erste Mal den Felsen Mont St-Michel, er ist so eindrücklich wie er beschrieben wird. Wir werden uns aber nicht in den Kuchen stürzen, wir werden den Campingplatz bei Coutils nehmen und mit dem Fahrrad nach Mont St-Michel fahren, der hat Wireless Anschluss und wir können uns wieder einmal sportlich betätigen. Hoffentlich hält das Wetter. Ich schaue gleich mal nach. Nach ein paar Login-Problemen sehe ich: Schönes Wetter soweit das Auge reicht. Super, jetzt, wo unsere Ferien bald vorbei sind… Naja, wenigstens für die letzten Tage schönes Wetter, das haben wir verdient.
Wir machen es uns gemütlich, erst einmal einen Kaffee, vom guten, der aus der Nespresso-Maschine. Dann duschen wir ausgiebig und Pius schaut besorgt zum Himmel - grillieren, bei diesem Wind?! Wind hin oder her, Auftrag ist raus gegangen, Auftrag wird ausgeführt (oh, hat das viele Militär von den letzten Tag etwas abgefärbt?).
Naja, Suchtpotenzial haben diese Würste nicht gerade. Es ist 19.30h was machen wir jetzt? Stellen wir uns verrückt und gehen mit den Fahrrädern nach Mont St-Michel? Es sind 8 km auf der Strasse oder 16 km auf dem Radweg. Was soll’s, wir können ja noch nicht ins Bett und das Fahrrad haben wir noch weiss Gott nicht oft gebraucht, wir fahren mal ein Stück und schauen.
Wir haben die Sonne im Gesicht, das Korn strahlt golden. Bald haben wir den Felsen vor uns, es ist herrlich. Wir müssen immer mal wieder halten und Fotos schiessen. Natürlich ist auch meine Lenkradkamera installiert, bin schon gespannt, was die für Bilder gemacht hat. Wir kommen auch am Campingplatz vorbei, der gleich beim Monte St.-Michel gewesen wäre. Was ist das für eine Musik? Oh, die haben hier drüben, gleich neben dem Campingplatz ein Musikfestival, Gott-sei-Dank wohnen wir nicht hier!
Wir kommen über den Deich. Oh, ist es hier windig. Oh, wir sind bis jetzt gut vorwärts gekommen, vom Campingplatz hierher, hatten wir Rückenwind? Werden wir auf dem Nach-Hause-Weg Gegenwind haben? Oho… na, warten wir mal ab. Der Felsen ist grossartig. Wir streifen durch die Gassen, hier werden seit 1000 Jahren die Pilger und die Touristen geschröpft und ihnen billige Souvenirs angedreht, das hat Charme. Es ist 20.30h es hat kaum mehr Touristen und wir haben die Gassen so gut wie für uns, schöön! Es ist Ebbe, kilometerweites Wattenmeer. Wir sehen Wandergruppen und Reitergruppen. Was ist am Wandern im Wattenmeer interessant? Man wandert und wandert und doch kommt man nicht vom Fleck, es sieht immer gleich aus. Da lob ich mir die Alpen- oder Küstenwanderung, da ist man immer gespannt, was hinter der nächsten Ecke kommt. Naja, jedem Tierchen sein Plaisierchen.
Auf dem Heimweg haben wir wirklich Gegenwind, aber es geht gerade noch. Es ist 21.00h, die Sonne geht langsam unter: sooo schööön. Wieder müssen wir ständig anhalten um das mit der Kamera festzuhalten, so gut man soetwas eben festhalten kann. Das Schönste, das vergeht, das muss man im Herzen einschliessen. Der Felsen sieht aus, wie ein Märchenschloss. Herrlich.
Wir kommen an einem Haus vorbei, der Mühlen verkauft. Die sind schön, die wollen wir uns näher ansehen. Als wir auf den Hof treten, hören wir schon eine Klingel. Aha, Diebstahlsicherung, da will wohl jemand sicher gehen. Der Platz ist Video überwacht, naja, das stört ja nicht weiter. Die Mühlen sind hübsch und kosten € 140.--. Als wir noch näher zum Haus kommen geht die Alarmanlage los. Eine Alarmanlage sage ich Euch, wir sind erschrocken zurück gewichen, die Sirene hat uns noch ein gutes Stück verfolgt.
Als wir uns um 19.30h auf den Weg gemacht haben, haben wir noch gewitzelt, wir brauchen das Licht nicht mitzunehmen, wir sind lange vor Sonnenuntergang zurück. Jetzt ist es 22.00h, wir haben noch einmal eine schöne Aussicht gefunden und geniessen den feuerroten Sonnenball der sich tiefer und tiefer neigt. Nun müssen wir aber schauen, dass wir nach Hause kommen, bevor es dunkel ist. Es ist nicht mehr weit um 22.10h sehen wir die ersehnten Dächer. Am Schluss mache ich noch beinahe Unfall, ich komme viel zu schnell den Hügel runter, hier ist nur noch Kies und es geht um die Ecke. Ups, wäre da nicht der Busch gewesen, ich glaube ich wäre im Wohnwagen gelandet - und es war nicht unser eigener. Ja, ja, nach über 10 Jahren Veloabstinenz muss man es erst langsam angehen!
Oje, oje, wir haben ja noch das Geschirr vom Abendessen, das gewaschen werden muss und Tagebuch sollte ich auch noch schreiben - und das um diese Zeit, so ein Ärger. Pius ist lieb, er kümmert sich um das Geschirr, während ich das Tagebuch nachführe um 23.45h gehen wir ins Bett (auch ich, ich, die ich am liebsten um 22.00h, oder noch ein bisschen früher, verschwinde). Es war einfach herrlich!
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2010-06-20 08:47 |






