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Sunday, 25. August 2019
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 1914-12-30 hh:mm
Gestern hatten wir einen großen...

Gestern hatten wir einen großen Schrecken! Es kam nämlich am Nachmittag die Nachricht, daß die Oesterreicher in einem Paß der Karpaten von den Russen geschlagen und zurückgetrieben worden seien. – Obwohl der Bericht des oesterr. Hauptquartiers sagt, die kl. Schlappe habe keinen Einfluß auf die Gesammtaktion, so ist doch allgemein ein ängstliches Gefühl in der Bevölkerung zu bemerken. Wir sind so gewohnt, nur von Siegen zu hören und wir sind durch Hindenburg so sehr an die „drei Hüllen“ d. h. tausende von Gefangenen gewöhnt, daß wir es nicht begreifen, wenn einmal etwas nicht klappt. – Wir hören immer noch, ab und zu, fernes Schießen es wird an allen Ecken gekämpft, sogar an den Weihnachtstagen hielten die Engländer nicht Ruhe. – Wieder kommen neue Verwundete an, viele mit inneren Krankheiten. Unser M`er Landsturm, der oben bei Stallupönen kämpft, leidet sehr unter der Kälte! – Nachdem  schon seit Monaten das Wort „adieu“ verpönt und allgemein dafür das schöne deutsche „Auf Wiedersehen“ eingeführt wurde, ist jetzt ein neuer Gruß u. Gegengruß aufgekommen: „Gott strafe England“ – „Er strafe es“, - Viele Leute gebrauchen diesen „Gruß“, der uns Allen aus tiefstem Herzen kommt! Möge Gott diese elenden Krämerseelen strafen, welche für ihre Interessen Frankreich, Belgien und Rußland in den Krieg mit uns hetzen und nun in der Not ihre Freunde verlassen, - stets darauf bedacht sind, ihre eigenen Knochen in Sicherheit zu bringen und allein die Schuld an diesem schrecklichen Völkerkriege tragen! – Wie lange soll dies traurige Kämpfen noch dauern? So fragt Jeder am Jahreswechsel! Aber ach, es ist noch kein Ende abzusehen, wenn Gott keine Wunder thut. –

Das einzige Glück ist noch, daß bis jetzt ein milder Winter gewesen ist, sonst wäre noch mehr Not, da ohnehin etwas Kohlenmangel herrscht. –

Die Preise aller Lebensmittel steigen, die Zeitungen mahnen täglich zu äußerster Sparsamkeit. – Es geschieht außerordentlich viel für die Hinterbliebenen der Krieger und Arbeitslosen, so viel – daß kürzlich eine arme Frau (welche für sich monatl. 12 M. und für jedes ihrer 6 Kinder je 6 M. bekommt) in unserer Redaktion sagte: Meinetwegen kann der Krieg lang dauern – ich habe noch nie so viel Geld gehabt, wie jetzt. –

Die Offiziere schicken Hunderte aus d. Feld nach Hause, sie brauchen die doppelte Löhnung nicht! Wäre es nicht besser, wenn diese dem Vaterland am nächsten stehende Kaste das nichtbenötigte Geld den Kriegskassen zur Verfügung stellte, anstatt aufzuspeichern, was das Reich in bitteren Sorgen aufbringt? ? Wie lange werden wir im Vaterlande dafür erhöhte Steuern tragen müssen! Es sind doch noch manche sehr fühlbare Mängel vorhanden, trotz aller sonstigen guten Einrichtungen.

 

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