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Sunday, 20. October 2019
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 1945-07-05 hh:mm
Donnerstag, den 5.7. Abends ka...
Donnerstag, den 5.7.
Abends kam Frl. Pimplin heran, um mir die Schlüssel zu bringen, da sie heute nach Pinnow lief. Aber sie kam nicht herein. Draußen stand Frau Mittelstädt mit einem Gandwagen. Ich begleitete Frl. P. bis zum Tor. Die Schuppenschlüssel hatte Frl. P. vergessen und wollte sie mir morgen bringen. Um ½ 7 Uhr. Sie werde rufen. Wo ich denn schlafe. Ich zeigte ihr das Kammerfenster. Frau M. aber flüsterte diskret: „Wo das russische Lexikon liegt, da schläft sie!“
Heute arbeiteten wir fleißig. Als wir zu Thoms gingen, um schwarze Johannisbeeren zu bringen, kriegten wir um derentwillen Befürchtungen. Vor dem Grundstück standen mehrere Lastautos mit Russen (mit grasgrünen Tellermützen). Mutig gingen wir dennoch hinein ohne gestört zu werden. Als wir uns draußen verabschiedet hatten, ging ich stracks zwischen 2 Autos durch auf den „Heimweg“ zu. Oh, da erhob sich ein freudiges Gelächter und Gerufe. „Komm doch her!“ auf Deutsch. Und sie streckten mir die Hände entgegen. Hinter mir her ging’s weiter. Ich höre halb hingewendet: [russisch] Und noch unverständlich Weiteres. Doch ich sauste weiter. Zuhause erzählte Papi, der sich nur so nebenbei daran erinnert, dass er Parschin getroffen habe – heute Mittag standen Lache und Weinhold am Zaun, als ich vorbeikam. „Sagen Sie, war der Kapitän heute Nacht wieder bei Ihnen?“ „Welcher? Ach, Parschin!“ „Nein.“ Da erzählte sie, er sei bei ihnen gegen 12 Uhr erschienen, mit einem finsteren Kumpanen. Doch war Emmi’s Nikolai da der sie abwimmelte, der auch P. erkannte. Und ich hatte mal wieder Mitleid mit dem geknickten Tragikkomiker! – Also nun zu Papi. Er kam von Keinecker, als er sich angerufen hörte. Und P., der rief, grinste vom einen Ohr bis zum anderen. Auf Papis Frage erzählte er, dass er im Luisenhof wohne. „Ursula rabota?“ „Ja, rabota!“ Dann sagte Papi, dass ich am Sonnabend länger gearbeitet hätte, bald gekommen sei. „Aber nicht will sprechen!“ „Nicht sprechen?!“, meinte er und Papi sagt, er habe den Eindruck, dass P. nun doch schon sich diese Tatsache zu Kopf habe gehen lassen. Jedenfalls schienen sie in besserer Stimmung als am Sonnabend, worüber Papi ganz zufrieden ist. Dass er allerdings noch immer hier sein Unwesen treibt, finde ich scheußlich. Wenn nur erst mein Majore da wäre. In einer Woche! Was dann wohl ist! Da werde ich wohl bei jedem Autogeräusch hochfahren.

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