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Tuesday, 20. August 2019
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Tagebuch Alice
2003-05-08 13:09
gekränkter kollege
war eben mittagessen mit kollegen j. wir arbeiten hier nur zu dritt: chefin, kurz vor der pensionierung, kollege j., seit 10 jahren dabei, und ich, seit einem jahr. obwohl wir nur zu dritt sind, gibt es überhaupt keine offene kommunikation, eher sowas wie stille post. gestern hat mir also die chefin erzählt, daß sie nach einer nachfolge für sich selbst gesucht hat und auch jemanden gefunden hat. hat sie ganz selbstverständlich erzählt und ich fand das eigentlich auch ganz normal. also erzähle ich das heute beim mittagessen kollegen j., nach dem motto, stell dir mal vor...
er reagiert aber plötzlich total aufgebracht, wenn ich mich nicht irre, sogar mit etwas wäßrigen augen. meint, es wäre ja unglaublich, daß sie sowas nicht mit ihm abspricht. naja, denk ich mir, hm. sie ist halt die chefin. hab aber nichts gesagt, nur hm-hm. dann hat er mich aber scharf angeschaut und gemeint, jetzt ist alles vorbei und sinnlos, aber weshalb, kann er mir nicht sagen, das ginge nun wirklich nicht. darauf sag ich: was interessiert es Dich, was nach der chefin passiert (sein Vertrag läuft im gleichen Monat aus), wenn er dann sowieso weg ist? er meint, das könne er mir einfach nicht erzählen, das ginge nicht. hmhmhm. so ist das mit den überbringern von schlechten nachrichten. kriegen immer eins auf den deckel. in dem fall eine kleine desinformations-abreibung. ich glaube ja, er hätte gerne die nachfolge der chefin übernommen. dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob das hierarchie-mäßig überhaupt gehen würde.
ich bin einfach nur angekotzt. warum kann man mir sowas nicht einfach erzählen? warum kann man mich nicht ins vertrauen ziehen? als wär ich ein kleines kind, oder jemand, der alles ausplaudert.
blödes aufgeplustere. tut mir ja irgendwie leid, kollege j., schien so gekränkt zu sein. bin eben an seiner offenen zimmertür vorbei, da hat er traurig vor sich in den ausgeschalteten computer gestarrt.
bin eben ein beziehungs-mensch. finde, für alle sachfragen läßt sich eine lösung finden, wenn nur die beziehungsebene stimmt: vertrauen, wem man vertrauen kann. wenigstens ein paar exklusive gefühle zeigen. kollege j. ist dagegen ein klassischer kopfmensch. denken, bis der schädel platzt. und wenn, und wenn nicht, und warum und warum nicht und wenn wenn und warum zusammenfallen, was ist dann der logische schluß? vielleicht auch eine form der depression.

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2003-05-08 13:09